Wissenschaft im Fokus
Marschang, R. E., T. Papp, L. Ferretti, S. Hochscheid
& F. Bentivegna (2009): Detection and partial characterization of
herpesviruses from Egyptian tortoises (Testudo kleinmanni) imported
into Italy from Libya. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 40 (1):
211-213.
Nachweis und partielle Charakterisierung von Herpesviren
aus von Libyen nach Italien importierten Ägyptischen Landschildkröten
(Testudo kleinmanni)
Eine Gruppe von ungefähr 370 Ägyptischen Landschildkröten
(
Testudo kleinmanni) und 36 Maurischen Landschildkröten
(
Testudo graeca) wurde illegal aus Libyen nach Italien importiert.
Innerhalb von 6 Monaten nach ihrer Ankunft in Italien waren bis auf 40 Tiere
alle Ägyptischen Landschildkröten tot, wobei sie mit den Anzeichen
für eine schwere Stomatitis verstorben waren
(Mundschleimhautentzündung). Herpesviren wurden in den Zungen von 7
Ägyptischen Landschildkröten mittels der Polymerasekettenreaktion
(PCR) und durch Virusisolation nachgewiesen. Die Sequenzierung eines Teils des
UL39 Homologs der Herpesviren von drei verschiedenen dieser Schildkröten
zeigte, dass die Viren aus allen 3 Individuen identisch waren und auch identisch
mit einem Virus waren, der aus einer Griechischen Landschildkröte
(
Testudo hermanni) in Deutschland isoliert worden war. Hier handelt es
sich um die Erstbeschreibung und den Erstnachweis eines Herpesvirus in
Ägyptischen Landschildkröten. Da diese Tiere von Libyen aus nach
Europa importiert wurden, liefern die Daten indirekt den Nachweis, dass
Herpesviren in den Landschildkröten Nordafrikas vorhanden sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit macht eigentlich an einem sehr traurigen Beispiel deutlich, wie
die Nachfrage nach selten gewordenen Spezies das Plündern der letzten
Bestände fördert, und wie solche Aktionen enden. Klar mag es manchen
geben, der seine Tierhaltung damit rechtfertigt, dass in den
Herkunftsländern etliche Arten auch nicht überleben können, weil
die Habitatzerstörung dort nicht zu stoppen ist. Aber zeigen uns solche
Beispiele nicht, dass die Überlebenschancen solcher Tiere auch langfristig
hier, zumindest unter diesen Umständen gegen Null tendieren. Zudem sorgen
solche Schmuggelaktionen – und ich weiß nicht, ob ein legaler Ex-
und Import besser organisiert wäre – dafür, dass sich selbst
hier in Europa das Infektionsrisiko erhöht.
Sicher fragt man sich, was geht das uns an? Wir sind seit Jahren gegen Schmuggel
und krumme Geschäfte. Aber sind wir wirklich so weit davon entfernt? Auch
hört man hier und da von Angeboten ohne Papiere (oder Papiere werden
nachgereicht) etc., woher die Tiere stammen, dazu äußert sich meist
niemand konkret, aber man sollte schon darauf achten, dass sich zumindest die
Organisationen, die sich eigentlich dem Artenschutz verpflichtet fühlen,
frei von solchem Treiben bleiben, denn daran wird sich zukünftig ihre
Glaubwürdigkeit und ihr politisches Gewicht messen lassen müssen.
Dabei kann es eigentlich nur schaden, wenn so manch unbedarfter Laie sich
fragen mag: Wofür stehen bei unserem allgemeinen Abkürzungswirrwarr
manche Abkürzungen (z. B. die rein zufällig gewählte
Buchstabenabfolge TSA), da ja im Englischen auch „Selling“ mit
„S“ beginnt. Siehe auch: Siroky &
Fritz (2007): Is Testudo werneri
a distinct species? –
Biologica Bratislava, 62: 1-4 oder WiF-Archiv;
Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall,
F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams (2007): Can bans
stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife
makes more sense than last-minute bans that can themselves increase
trading activity. – Nature 447: 529-530 oder
WiF-Archiv; Amr, Z., A.
Shehab & M. Abu Baker (2007): Recent observations on the herpetofauna
of Syria with notes on trade in reptiles. – Herpetozoa 20 (1-2): 21-26
oder WiF-Archiv.
Schaut man sich die Arbeit genau an, so fällt auf, dass diese
Ägyptischen Landschildkröten zusammen mit Maurischen
Landschildkröten verpackt waren und keine der Maurischen
Landschildkröten erkrankte, obwohl sie auch infiziert waren. Ja, wie die
Autoren selbst nahe legen waren es sogar die Maurischen Landschildkröten,
die die T. kleinmanni
sehr wahrscheinlich infiziert hatten. Ein
Umstand, den man zumindest bedenken sollte, wenn man, aus welcher Art des
Handels auch immer, Tiere erwerben möchte.
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Schlagwörter
| Arten |
Ägyptische Landschildkröte, Testudo kleinmanni, Maurische Landschildkröte, Testudo graeca |
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Krankheiten |
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Herpes Herpesviren Stomatitis |