Wissenschaft im Fokus
Mccoy, E. D., H. R. Mushinsky & J. Lindzey
(2007): Conservation strategies and emergent diseases: The case of upper
respiratory tract disease in the gopher tortoise. – Chelonian Conservation
and Biology 6 (2): 170-176.
Schutzstrategien und aufkommende Krankheiten. Der Fall
der Oberen Atemwegserkrankung der Gopherschildkröte
Wir besaßen demographische Daten von mehr als 60 Populationen von
Gopherschildkröten (
Gopherus polyphemus) in Florida vor dem
Ausbruch der Oberen Atemwegserkrankung (upper respiratory tract disease, URTD).
Später untersuchten wir 10 der Populationen erneut, um die demographischen
Profile dort, wo Antikörper gegen
Mycoplasma agassizii
nachgewiesen wurden mit denen zu vergleichen, wo das nicht der Fall war. Wir
suchten nach Antikörpern und nach dem potenziellen Trend bezüglich der
Studien von URTD, indem wir bestimmten, ob oberirdisch gefundene Exemplare
für ihre Gesamtpopulation repräsentativ sind und ob die
Wahrscheinlichkeit der Entdeckung serologisch positiver (inklusive serologisch
zweifelhafter) Fälle sich als Funktion der Stichprobengröße
darstellen lässt. Einige Gebiete mit keinerlei Hinweisen auf eine
Verringerung der Population hatten relativ hohe Prozentsätze an serologisch
positiven Tieren und einige, die eine substantielle Populationsverringerung
aufzeigten, wiesen keine oder nur geringe Prozentsätze an serologisch
positiven Individuen. Dementsprechend zeigen unsere Ergebnisse nicht eindeutig
das Vorhandensein von URTD in Populationen mit starkem Rückgang auf.
Serologisch positive Tieren wurden in vier Populationen entdeckt, von denen es
vordem unbekannt war, dementsprechend zeigen unsere Ergebnisse, dass
Mycoplasma agassizii weiter verbreitet ist, als bisher vermutet. Der
Prozentsatz von serologisch positiver (inklusive verdächtiger) Individuen
tendiert dazu, in positiver Relation zu der Anzahl der getesteten Exemplare zu
stehen, allerdings wurde die Größenordnung bei oberirdisch
gesammelten Exemplaren nicht immer anhand der Größenordnung der
gesamten Population erwartet. Deshalb weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass
die Sammelmethode den geschätzten Prozentsatz von serologisch positiven
Tieren einer Population beeinflussen kann. Wir empfehlen, dass die vereinfachten
Antworten auf das Auftreten von URTD bezüglich der Schutzbemühungen
überdacht werden sollen, und dass die Durchführung und Entwicklung von
Bedingungen wichtig ist, um die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens von URTD
zu minimieren, ein epidemisches Auftreten zu verhindern, und es den Populationen
zu erlauben, sich von URTD zu erholen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine bemerkenswerte Arbeit, die zwei Fragen aufwirft, die man bei der
Beurteilung berücksichtigen müsste. Erstens: Warum nimmt die
Individuendichte in manchen serologisch positiven Populationen nicht ab? Handelt
es sich dabei vielleicht um Populationen, deren Lebensraum ein noch relativ
stressfreies Leben ermöglicht? Zweitens: Haben in den serologisch negativen
Populationen, die eine starke Abnahme zeigten, nur Tiere überlebt, die
serologisch negativ waren? Und zum Dritten sollte man prüfen, ob die
Auswertung der Daten, die nur an der Oberfläche gefundene Schildkröten
berücksichtigt, wirklich repräsentativ ist, um solche
Schlussfolgerungen zu erlauben. Denn wenn an der Oberfläche zu sein auch
bedeutet, dass diese Tiere noch aktiv sind, dann könnte man hier einen
entscheiden Fehler machen, da hinlänglich bekannt ist, dass die
Schildkröten mit zunehmender Krankheitssymptomatik inaktiver werden und
vielleicht die Zeit bis zum Tod oder zur nächsten kurzzeitigen Erholung
zurückgezogen in ihren Höhlen verbringen.
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