Wissenschaft im Fokus
McMahon, C. R., E.
Autret, J. D. R.
Houghton, P.
Lovell, A. E.
Myers & G, C.
Hays (2005): Animal-borne sensors successfully
capture the real-time thermal properties of ocean basins. – Limnology and
Oceanography Methods 3: 392-398.
An Tieren angebrachte Sensoren erfassen die thermalen
Eigenschaften des ozeanischen Beckens erfolgreich und in Echtzeit
Der Klimawechsel ist aller Wahrscheinlichkeit nach eines der drängendsten
Umweltereignisse, die es heute für die Welt gibt. Allerdings sind unsere
Möglichkeiten zur Vorhersage und Quantifizierung der kommenden
Veränderungen und ihrer Konsequenzen sehr beschränkt, da wir so gut
wie über keine in situ gewonnenen ozeanographischen Messdaten
verfügen. Ebenso sind die bisherigen technischen Möglichkeiten zur
Gewinnung sehr zeitaufwändig. Meerestiere, die man mit technisch
hochwertigen Datenerfassungssystemen ausstatten kann, eröffnen eine
zeitsparende Möglichkeit zur Lösung des Problems und zum Studium, wie
sich die Weltmeere verhalten, insbesondere dann, wenn es sich um Arten handelt,
die sich im gesamten ozeanischen Becken verbreiten und bewegen, wobei auch die
Daten aus nur schwer zugänglichen Regionen erfasst werden könnten.
Allerdings, und im Gegensatz zu den üblichen ozeanographischen
Messstationen (Messbojen etc.), gibt es derzeit nur unzureichende Informationen
über die Zuverlässigkeit solcher an Tieren für lange Zeit
angebrachten Messstationen. Insofern handelt es sich hier um eine der ersten
Studien zur Evaluierung von in situ gewonnen, ozeanographischen Daten, die mit
an Tieren angebrachten Messvorrichtungen (tierischen Ozeanographen) erfasst
wurden. Wir verglichen die ozeanischen Temperaturen, die von
Lederrückenschildkröten (
Dermochelys coriacea) im
atlantischen Ozean gesammelt wurden, mit jenen, die das ARGO-Netzwerk von
Ozeanbojen lieferte, die im atlantischen Ozean angebracht sind, und wir konnten
dabei keine systematischen Fehler feststellen, die auf Messfehler oder
Ausfälle bei den an den Tieren befindlichen Geräten ausgingen. Im
Gegensatz zu den Bojen lieferten die tierischen Datenspeicher Messdaten
über die gesamte Bandbreite der Wassertiefe über das gesamte
ozeanische Becken und das über einen äußerst langen Zeitraum, so
dass wir heute sagen können, dass diese Art der Datengewinnung eine
zukünftige Schlüsselrolle bei der Erfassung des globalen Klimawechsels
und insbesondere bei der Beobachtung der globalen Temperaturveränderungen
spielen wird. Diese Daten gewinnen auch dahingehend besondere Bedeutung, dass
die internationale Staatengemeinschaft plant, ein umfassendes
Erdüberwachungssystem aufzubauen, welches auch vorsieht, neue Techniken
für das Monitoring und zum Verständnis der Interaktionen des Klimas zu
implementieren, die es möglich machen sollen, entsprechende
umweltstrategische und sozialökonomische Entscheidungen treffen zu
können.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Sollte an dem Sinnbild Schildkröte als Träger der
„Muttererde“ doch etwas dran sein, was auch in unserer Gegenwart
noch seine Bedeutung hat? Denn welch ein Gesinnungswandel – von
gemeuchelten zu Suppe verkochten und als Schmuckstücken missbrauchte
Kreaturen zu Trägern und weltweiten Platzierern von modernster
Messtechnologie zur Sammlung von vielleicht bald überlebenswichtigen Daten
für die Menschheit. Das erinnert mich doch stark an einen Ausspruch eines
meiner Lehrer, Prof. G. Seifert, dem früheren
Leiter des Instituts für Spezielle Zoologie der Universität
Gießen, der da lautete: Jedes Lebewesen hat seinen Sinn, auch wenn er nur
darin besteht, als Zeigerart für ein intaktes Ökosystem zu dienen.
– Es liegt an uns selbst den Nutzen zu erkennen.
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