Wissenschaft im Fokus
Milinkovitch, M. C., D.
Monteyne, M.
Russello, J. P.
Gibbs, H. L.
Snell, W.
Tapia, C.
Marquez, A.
Caccone J. R.
Powell (2007): Giant Galapagos tortoises; molecular
genetic analyses identify a trans-island hybrid in a repatriation program of an
endangered taxon. – BMC Ecology 7 (1): 2.
Galapagos-Riesenschildkröten; Eine
molekulargenetische Analyse, bei der innerhalb eines Wiederansiedlungsprogramms
für ein bedrohtes Taxon Inselhybriden entdeckt wurden
Galapagos-Riesenschildkröten auf der Insel Española standen für
mehr als 35 Jahre im Zentrum eines intensiven Nachzuchtprogramms, um dieses
Taxon vor dem Aussterben zu bewahren Allerdings zeigte die Analyse von 118
Proben, die an wieder ausgesetzten Individuen gesammelt worden waren, dass es
aufgrund des Geschlechterverhältnisses und den großen Unterschieden
im Reproduktionserfolg bei den 15 Zuchttieren zu einer Reduktion der effektiven
Populationsgröße (Ne) gekommen ist. Wir berichten hier, dass eine
weitere Analyse von zusätzlichen 473 in Gefangenschaft gezüchteten
Landschildkröten, die auch ausgesetzt worden waren, ein Individuum
(Nr-E1465) nukleäre Mikrosatellitenallele zeigte, die von keinem der 15
ursprünglichen Zuchttiere stammten. Die statistische Analyse im Vergleich
zu den Genotypen von 304 im Feld gesammelten Proben von Individuen der anderen
Inselpopulationen deuten an, dass es sich bei Tier E1465 um einen Hybriden aus
einem Española-Weibchen und einem Männchen von der Insel Pinzon
handelt, das sehr wahrscheinlich durch den Menschen eingebracht worden ist. Es
wird empfohlen, Schildkröte E1465, den dazugehörigen Vater und die
eventuell vorhandenen Halbgeschwister zu entfernen, um eine weitere
Kontamination innerhalb des Española-Taxons zu verhindern, insbesondere
da es sich um ein besonders erhaltenswertes Taxon handelt. Trotz dieser
gefundenen Kontamination durch diesen Einzelfall möchten wir den Erfolg
dieses Nachzucht- und Wiederansiedlungsprogramms hervorheben, bei dem innerhalb
von fast 40 Jahren über 2000 in Gefangenschaft nachgezogene
Jungschildkröten ausgesetzt werden konnten. Die Anwendung
molekulargenetischer Analysen in diesem Programm gewährleistet die
Kontrolle und Überwachung der genetischen Integrität während der
Wiederansiedlung dieser einzigartigen Art eines interessanten Tieres.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Sicher handelt es sich hierbei um eine vorbildlich praktizierte und
erfolgreiche Arterhaltungsmaßnahme. Allerdings sollte einem die
Einleitung etwas mehr zu denken geben, als der hier beschriebene Fund eines
Hybriden, denn wie dort erwähnt, scheint trotz der guten Zuchterfolge die
effektive Population klein zu sein, dass heißt, da sich nur wenige
Ursprungstiere erfolgreich vermehrten ist die genetische Vielfalt bei den wieder
angesiedelten Nachzuchten sehr begrenzt. Letztendlich heißt das, dass es
unter den mehr als 2000 ausgesetzten Tieren zu einer enorm hohen Inzuchtrate
kommt. Wie sich das langfristig auswirken wird, muss sich noch zeigen, aber ich
an meiner Stelle wäre mir da nicht so sicher, dass die Empfehlung der
Autoren der Sache langfristig zu Gute käme. (siehe Kommentare zu
Fritz et al. (2007): Amphibia-Reptilia 28 (1):
97-121 oder WiF-Archiv,
Gerlach et al. (2006): Journal of Natural History
40 (41-43): 2403-2408 oder WiF-Archiv). Aber sicher,
bei so vielen Nachzuchten können wir hoffen, dass sich die Natur
langfristig auch wieder selbst helfen kann, denn Vulkanausbrüche und andere
Naturereignisse, die zur Vermischung und Entstehung neuer Lebensformen
beitragen, unterliegen „Gott sei Dank“ noch nicht ganz der Kontrolle
des Menschen.
Zum Seitenanfang
Tipp:
Benutzen Sie die Suchfunktion unserer Homepage, so können sie
einfach und schnell unsere Seiten nach einem bestimmten Begriff durchsuchen.