Wissenschaft im Fokus
Miller, K. & G. E.
Birchard (2005): Influence of body size on shell
mass in the Ornate Box Turtle, Terrapene ornata. – Journal of
Herpetology 39 (1): 158-161.
Einfluss der Körpergröße auf die
Panzermasse bei der Schmuck-Dosenschildkröte, Terrapene ornata
Die große Masse eines Schildkrötenpanzers reflektiert vermutlich
einen Kompromiss zwischen seiner Schutzfunktion und seinen Belastungen
bezüglich der Energiekosten für seine Fortbewegung. Um das zu
untersuchen, entwickelten wir eine Relation zwischen Körpermasse und den
linearen Dimensionen bei Schmuck-Dosenschildkröten,
Terrapene
ornata aus dem nördlichen, zentralen Nebraska. Indem wir die Relation
zwischen Körpermasse und Plastronbreite nutzten, schätzten wir die
Körpermasse von Dosenschildkröten, die auf der Straße
getötet wurden und säuberten und wogen ihren Panzer. Die Panzermasse
könnte bei diesen Schildkröten eine lineare Funktion der
Körpermasse sein, die in etwa konstant 30 % ihres Körpergewichtes
misst. Alternativ könnte die Panzermasse auch eine Exponentialfunktion des
Körpergewichtes sein, die mit dem Körpergewicht um etwa die 1,2-fache
Potenz ansteigt. In dem Fall würde die Panzermasse schneller als die
Körpermasse dieser Tiere ansteigen. Wir sind auf der Basis unserer Analyse
nicht in der Lage, zwischen diesen beiden Modellen zu entscheiden, aber das
Ansteigen der Panzermasse mit der Körpermasse wäre konsistenter zu
einer unterstützenden Funktion, als einer ausschließlichen
Schutzfunktion. Die Dicke des Plastrons stieg bei unseren Tieren mit der
Körpermasse um etwa die 0,47-fache Potenz, was ebenfalls höher als
erwartet ist, wenn der Panzer ausschließlich einer Schutzfunktion
dienen würde.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Um diese Daten richtig einordnen und interpretieren zu können, sollte
erst einmal versucht werden, diejenigen Umweltfaktoren im Ökosystem der
Tiere zu ermitteln, gegen die der Panzer einen Schutz darstellt oder darstellen
könnte. Zudem ist die Panzerdicke nur eine Variable, die zur
Panzerbelastbarkeit beiträgt. Eine ebenso, wenn nicht sogar im Hinblick auf
die Energiekostenrelation bezogen, die wichtigere Komponente, dürfte die
Panzerform darstellen. Aus der Biophysik kennen wir genug Beispiele wie etwa die
Eiform, bei welcher der Schutzfaktor mehr von der Form als von der Schalendicke
abhängt. Um's mal zynisch auszudrücken, ich glaube kaum, dass man dem
„Lieben Gott“ bei der Evolution mit so einfachen Überlegungen
wie „Dick gleich fest und schwer“ ins Handwerk pfuschen kann.
Vielleicht ermöglicht ein etwas dickerer Plastronknochen
(CaPO4), während langer Hibernationsperioden ja sogar mehr
Milchsäure abzupuffern, ohne gleich weich zu werden, und hilft nicht nur
gegen Beißversuche von Waschbären etc., oder vor Bodenkompressionen,
ausgelöst durch darüber laufende Huf- und Klauenträger, die heute
wohl schon dezimierter sind als zu Zeiten, zu denen der Mensch die Umwelt noch
nicht so im Griff hatte.
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