Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 13.02.2011
Mills Flemming J., Johnsen I.D., Myers R.A. & C.A. Field (2010): Hierarchical state-space estimation of
leatherback turtle navigation ability. PLoS One. 2010 Dec 28;5(12): e14245.
Hierarchische Stadium-Raum-Abschätzungen für die Navigationsfähigkeiten von
Lederrückenschildkröten.
Telemetrie-Technologien haben beeindruckende Wanderungsmuster die bis vor Kurzem vollkommen unbekannt waren geliefert. Modelle zur optimalen
Nutzung solcher Datensätze entwickelten sich allerdings langsamer. Hier stellen wir ein hierarchisches Bayes Stadium-Raum-Rahmenwerk
vor, das es uns erlaubt die Telemetrie-Daten unterschiedlicher Tiere aus Datensammlungen zu kombinieren um Aussagen und Beziehungen sowohl
auf individuellem Niveau wie auch auf höheren Ebenen zu gewinnen. Wir formulieren Modelle die es uns erlauben die
Navigationsfähigkeiten von Tieren abzuschätzen und zeigen wie Informationen von vielen Tieren kombiniert werden können um zu
verbesserten Erhebungen zu kommen. Zusätzlich zeigen wir wie formale Hypothesentests in Bezug auf die Navigationsfähigkeiten, mit
Hilfe dieses Modells, leicht durchzuführen sind. Anhand von Daten aus der Argos-Satelliten-Telemetrie von 14
Lederrückenschildkröten, 7 Männchen und 7 Weibchen, während ihrer südwärts Wanderung von Nova Scotia, Canada.
Wir fanden heraus, dass der „Kreis der Konfusion“ (gemeint ist der Radius um den Aufenthaltsort der Tiere innerhalb dessen sie
nicht in der Lage sind ihre Position genau zu bestimmen) ungefähr 96 km beträgt. Dieser Schätzwert lässt vermuten, dass
die Schildkrötennavigation nicht sehr genau sein muss, insbesondere dann wenn sie auf zuverlässigere Signale nahe ihres Reiseziels
zurückgreifen können. Zudem fanden wir bei diesen 14 Schildkröten keine Anzeichen dafür, dass sich die
Navigationsfähigkeiten von Männchen und Weibchen unterscheiden. Weil unsere Methode auf nur minimalen Annahmen über den
Wanderungsprozess selbst beruht kann unser Verfahren zur Abschätzung und zum Vergleich der Navigationsfähigkeiten für viele
wandernde Spezies eingesetzt werden, die elektronische Telemetrie-Einheiten tragen können.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Na ja mag da mancher sagen – 96 km sind ganz schön viel – kann man da überhaupt noch von gezielter Navigation
sprechen? Nun für jeden der schon GPS-süchtig ist mag das so erscheinen, aber damit haben die Tiere in etwa den gleichen oder
sogar einem kleineren Abweichungsradius als so manches frühere Segelschiff oder auch U-Boot des zweiten Weltkriegs, das bei bedecktem
Himmel eine zeitlang ohne Besteck fahren musste. Trotzdem waren die meisten in der Lage ihr Ziel zu finden.
Diesbezüglich möchte ich den Spieß mal umdrehen und behaupten, dass die Einführung des
„Navigationsgerätes“ eine der größten Erfindungen für die zukünftige Friedensicherung auf diesem
Planten darstellt. Denn wenn sich alle nur noch mit Navigationsgerät orientieren können braucht man eigentlich nur noch die
entsprechenden Satelliten abschalten und keiner wüsste mehr wohin. Das wäre doch mal ein Vorschlag der UN die Oberhoheit über
alle der Navigation dienenden Satellitensysteme im Rahmen einer globalen Friedensicherung zu übertragen.
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