Wissenschaft im Fokus
Mispagel, H. & J. T:
Gray (2005): Antibiotic resistance from wastewater
oxidation ponds. – Water Environment Research 77 (7): 2996-3002.
Antibiotische Resistenz in Abwasserklärteichen
In einer extensiven mehrjährigen Studie über antibiotische
Resistenzen in Abwasserklärteichen wurde für fünf
Abwasserklärteiche von Mobilheimplätzen in den Counties Clarke und
Oconee aufgezeigt, dass sie eine große Anzahl von Antibiotika resistenten
Bakterien in die Wasserwege von Nord-Georgia entlassen. Dieses Abwasser
trägt zu höheren Spiegeln von Stickstoffverbindungen, Phosphaten
und Kolibakterien in den Bächen unterhalb der Teiche bei. Eine Untersuchung
der Anwohner belegte, dass viele Personen die Vorschriften zur Einnahme ihrer
Antibiotika nicht befolgten, und die Mehrheit spülte die restlichen Antibiotika
durch die Toilette. In den Teichabwässern wurden Resistenzen gegen 18
Antibiotika gefunden: Amikacin, Amoxicillin/Clavulasäure, Ampicillin,
Apramycin, Cefoxitin, Ceftiofur, Ceftriaxone, Cephalothin, Chloramphenicol,
Ciprofloxacin, Gentamicin, Imipenem, Kanamycin, Nalidixinsäure,
Streptomycin, Sulphamethoxazole, Trimethoprim/Sulphamethoxazole und
Tetracycline.
Die abgelassenen Bakterien enthielten sowohl Integrone (mobile
bakterien-spezifische Gencasetten) als auch Plasmide. Letztere waren auf einen
Labor-Bakterienstamm von
Escherichia coli übertragbar. Es
wurde eine im Abfluss eines Teiches lebende Schildkröte gefunden, deren
Fäces (Kot) multiple antibiotische Resistenzen zeigte. Im letzen Jahr
dokumentierte RNA-Fingerprinting beweiskräftig das Überleben von
drei mehrfach resistenten pathogenen Bakterien. Gegen Ceftriaxon resistente
Stenotrophomonas maltophilia und
Pseudomonas
aerogenosa sowie gegen Ciprofloxacin resistente
E. coli
wurden durch die Klärteichstufen und den Abfluss verfolgt, was belegt, dass
die Pathogene den Prozess überleben. Zusätzlich wurde im Abfluss ein
potentielles Pathogen gefunden,
Salmonella spp. des Serotyps D.
In dieser Studie wurden in den ersten beiden Stufen der Klärteiche gegen
Tetracycline resistente Gene C und G entdeckt, die über den Abfluss direkt in
die Umgebung abflossen. Diese Gene werden grundsätzlich in Bakterien des
Verdauungssystems gefunden, und so kann vorausgesetzt werden, dass sie von
menschlichem Ursprung stammen. Antimikrobielle Überreste aus der
Betalactam Familie der Antibiotika wurde in allen Klärstufen gefunden und
auch im Bach unterhalb des Teichs. Spuren von Tetracyclinen wurden in der ersten
und zweiten Stufe gefunden. Zusätzlich zu den Antibiotika wurde
dokumentiert, dass genetischer Code für Antibiotika-Resistenz wie auch die
Antiobitika selbst die Behandlung im Klärteich überleben. Gegen
Tetracyclin resistente Gene wurden in den Klärteichstufen identifiziert und
der Abfluss geht in die Umwelt.
Ein Modell wurde entwickelt, um die Klärteichfunktion auch im Labor zu
studieren. Ein Biofilm wurde hergestellt, indem hochgradig gegen Antibiotika
resistente
Salmonella typhimurium 3197 verwendet wurden,
Teichwasser wurde hinzugefügt. Der Biofilm wurde mittels eines
Scheibenreaktors prozessiert, der extra für die Studien von Biofilmen in der
Natur hergestellt worden ist, allerdings unter Bedingungen, die geeigneter für
die Bakterienansiedelungen sind, als die in der Natur. Die Kulturen offenbaren, dass
unter diesen optimalen Bedingungen
S. typhimurium 3197 in diesem
in vitro System immer noch vorhanden waren. So dass der kompetitive
Inhibitionsprozess, der dazu dient Bakterien in Klärteichen zu verringern, ein
wichtiges Bakterium
S. typhimurium 3197 in diesem nachgemachten
Klärteich nicht entfernte.
Das Bioreaktormodell, das in dieser Studie entwickelt wurde, kann weiterhin
genutzt werden, um Abflüsse aus Klärteichen zu untersuchen. Anhand
dieser Daten handelt es sich offensichtlich um ein zweiseitiges Problem. Eine
kostengünstige Technik muss entwickelt werden, die gegen Antibiotika
resistente Bakterien in Klärteichen inaktiviert und auch die Antibiotika selbst
entfernt. Eine Kampagne, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, Antibiotika
richtig zu nutzen und zu entsorgen, wurde vom Autor ins Leben gerufen, da das
Abspülen von Antibiotika durch die Toilette in Amerika weit verbreitet ist.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr interessante Studie, die zeigt, wie sich Antibiotikaresistenzen
verbreiten und wie sie letztendlich nicht nur den Menschen direkt selbst über
geklärtes Abwasser beeinträchtigen können, sondern, die auch
zeigt, welche Risiken sich für die Tierwelt und die Terraristik ergeben. Stellen
Sie sich vor, sie führen ein mit gegen Antibiotika resistenten Bakterien
befallenes Reptil ein. Dass das möglich ist, wird anhand der mit untersuchten
Wasserschildkröte deutlich, denn, wer hat sich nicht schon das eine oder
andere einfach so mitgebracht, und selbst amerikanische Züchter nutzen den
einen oder anderen Wildfang zur Blutauffrischung. Hier tickt eine Zeitbombe
ungeahnten Ausmaßes, denn wenn sich erstmal solch resistente,
infektiöse Bakterienstämme in den Exotarien der Zoos oder in
Privathaltungen breitgemacht haben, steht auch der Tierarzt mit seinem Repertoire
an reptilienverträglichen Antibiotika machtlos davor. Ebenso werden die
Resistenztests für noch wirksame Antibiotika zwangsläufig immer
notwendiger, umfangreicher und kostspieliger. Etwas, das man sicherlich auch
hierzulande stärker berücksichtigen müsste. Vor diesem
Hintergrund könnten all die „Guten“, die immer noch mal
über die so genannten guten Beziehungen, dem einen oder anderen etwas
mitbringen sehr schnell zum Todesengel für das ganze schöne Hobby
werden. Das ist sicher nicht als infame Anspielung gemeint, denn dass die Gefahr
wissenschaftlich belegt und real ist, geht aus der obigen Arbeit klar hervor, und es
verwundert eher, dass gerade Veterinäre allen voran die AGARK der DGHT
nicht schon viel früher und vehementer auf diese Gefahren aufmerksam
machen. Dabei wäre noch der Verlust von ein paar Tieren in dem einen oder
anderen Privatbestand das kleinere Übel. Richtig kritisch würde es
erst, wenn erste Patienten (Kinder) mit Infektion von resistenten Bakterien in den
Krankenhäusern auftauchen und sicher nachzuweisen wäre, dass die
Infektion auf Reptilien zurückzuführen ist. Wie amerikanische Politiker
reagiert haben, wissen wir, wer nicht, kann es auf der DGHT-Homepage in einer
Mitteilung vom 02.01.06 unter
„Bakterienschleuder Schildkröte“ nachlesen. Glauben Sie
wirklich, hiesige Gesundheitspolitiker hätten vor der Macht der Medien eine
Chance anders als mit einem Haltungsverbot oder einem totalen Handelsverbot
für Privathalter und Händler zu reagieren? Davor kann Sie auch kein
Verband schützen, denn Reptilienhaltung hat bei weitem nicht die Lobby, wie
die wirtschaftlich wesentlich bedeutendere Geflügelhaltung, obwohl uns auch
dort schon aufgrund der Vogelgrippe demonstriert wurde, womit zu rechnen ist,
siehe Freilaufverbot während der Zeit des Vogelzugs!
(s. auch Hanehoj, et al. (2005) Ugeskrift for
Læger 168 (1): 63-64 oder WiF-Archiv)
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