Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 04.10.2009
Morales Perez, J. & A. S. Serra (2009): The
Quaternary fossil record of the genus Testudo in the Iberian Peninsula.
Archaeological implications and diachronic distribution in the western
Mediterranean. – Journal of Archaeological Science 36 (5): 1152-1162.
Der vierte (vorläufige) fossile Nachweis der Gattung
Testudo auf der Iberischen Halbinsel.
Archäologische Schlussfolgerungen und diachrone Verteilung in der
westlichen Mediterranregion
Diese Arbeit untersucht das Vorkommen von
Landschildkrötenrückständen und deren Bedeutung im Kontext einer
paläolithischen Archäologie. Wir fokussierten uns auf zwei Punkte: (1)
Das Vorhandensein oder das Fehlen der Gattung
Testudo vom frühen
Pleistozän bis ins Holozän in SW-Europa und (2) die Beziehung zwischen
Testudo und den paläoklimatischen Veränderungen sowie den
Umweltveränderungen in dieser Zeit in ihrer diachronischen Abfolge. Um
diese Ziele zu erreichen, sammelten wir publizierte und nicht-publizierte Daten
aus verschiedensten Quellen über die östliche Iberische Halbinsel. Die
Ergebnisse aus diesen Belegen zeigen eindeutig, dass
Testudo hermanni
die einzige Landschildkröte war, die diese Region bis vor kurzem
besiedelte, und die Nachweise für ihr Vorkommen in den archäologischen
Funden ist ausnahmslos mit menschlichen Aktivitäten assoziiert.
Letztendlich konnten wir zeigen, dass das Verschwinden von
Testudo in
einigen der archäologischen Fundstellen mit klimatischen Veränderungen
einherging sowie mit Veränderungen, die während der letzten Stadien
des Pleistozäns auftraten.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Nun heute lebt in diesen Regionen auch
T. graeca, die wohl
eingeschleppt wurden und die sich wohl, wenn wir es nach heutigen
Einschätzungen beurteilen sollten, als invasive Art ausbreitete. Sie
können sich ja mal selbst fragen, wie man invasiv zu beurteilen hat oder ob
man nun Spanien wieder von
T. graeca frei machen sollte. Ich für
mein Dafürhalten gehe mal davon aus, dass die Evolution weitergeht, und
dazu gehört auch so etwas. Denn letztendlich sind wir es doch, die die
Dinge so interpretieren, wie wir sie uns denken. Jedoch ob das, was wir uns
denken, auf lange Sicht sinnvoll ist, muss die Zukunft zeigen. Siehe dazu auch
(
Fritz et al. 2009).
Literatur
Fritz U., J. D. Harris, S. Fahd, R. Rouag, E. G. Martinez,
A. G. Casalduero, P. Siroky, M. Kalboussi, T. B. Jdeidi & A. K.
Hundsdörfer (2009): Mitochondrial phylogeography of
Testudo
graeca in the western Mediterranean: Old complex divergence in North Africa
and recent arrival in Europe. – Amphibia-Reptilia 30: 63-80 oder
WiF-Archiv.
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