Wissenschaft im Fokus
Mrosovsky N. (2008): Against oversimplifying
the issues on relocating turtle eggs. – Environmental Management 41 (4): 465-467.
Gegen eine übermäßig vereinfachte
Betrachtungsweise der Relokation von Schildkröteneiern
Das Ausgraben und die Translokation von ungünstig (zu dicht am Wasser
platzierten) Schildkröteneiern zu sichereren Nistplätzen wird
häufig praktiziert, um der Erhaltung einer bestimmten Spezies zu dienen.
Die bislang erfolgten Arbeiten zeigten, dass individuelle Weibchen in ihrer
Nistplatzwahl bestimmte Präferenzen aufweisen. Wenn also mehr Eier aus den
Nestern dieser Weibchen, die nahe an der Wasserlinie ablegen, durch die
Translokation der Nester zum Schlupf gebracht werden, dann kann dieses Vorgehen
negativ in die Selektion eingreifen (sprich langfristig der Population schaden).
Diese Möglichkeit trägt zu den Kontroversen bei den Diskussionen zum
Sinn solcher Aktionen bei.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
In dieser Arbeit werden nochmals die Grundlagen aus der früheren Arbeit
(Mrosovsky, N. (2006): Distorting gene pools by
conservation: assessing the case of doomed turtle eggs. – Environmental
Management 38: 523-531) im Hinblick auf die Kritik von
Pike, D. A. (2008): The Benefits of Nest Relocation
Extend Far Beyond Recruitment: A Rejoinder to
Mrosovsky. – Environmental Management 41 (4): 461-464., oder WiF-Archiv
erläutert. Wobei insbesondere auch auf die Vorteile der Variabilität
zwischen den Weibchen für die Gesamtpopulation eingegangen wird. Ebenso
sollte man nicht ähnliche Fehler wiederholen, wie man sie im
nördlichen Australien mit den Krokodilen machte. Dass diese Diskussion
wichtig ist, sollte unbestritten sein, wenn man sich die Arbeit von
Pike, D. A. & J. C. Stiner (2007): Sea turtle
species vary in their susceptibility to tropical cyclones. – Oecologia 153
(2): 471-478 oder WiF-Archiv anschaut, und uns ist
mittlerweile allen geläufig, dass die Meeresspiegel eher steigen als fallen
dürften. Insofern wäre es zumindest an der Zeit zu untersuchen, ob
sich bei Meeresschildkröten die Nistplatzwahl vererbt oder ob sich die
Schlüpflinge unabhängig von ihrem Erbe die Nistplatzpräferenzen
einprägen, in denen sie heranreiften. Wenn letzteres der Fall wäre,
dann wäre eine möglichst frühe Translokation der Nester unter
bestimmten Umständen sinnvoll. Siehe auch. Van
Houtan, K. S. & O. L. Bass (2007): Stormy oceans are associated with
declines in sea turtle hatching. – Current Biology 17 (15): R590-R591 oder
WiF-Archiv.
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