Wissenschaft im Fokus
Mullins, M. A. & F. J.
Janzen (2006): Phenotypic effects of thermal means
and variances on smooth softshell turtle (Apalone mutica) embryos and
hatchlings. – Herpetologica 62 (1): 27-36.
Phänotypische Effekte der Durchschnittstemperatur
und deren Schwankungsbreite bei Embryos und Schlüpflingen von
Weichschildkröten (Apalone mutica)
Die Temperatur ist ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung oviparer
Organismen. Unter natürlichen Bedingungen unterliegen die Eier vieler
Spezies den Temperaturschwankungen der Umgebung, aber in den meisten
Laborstudien wurden die Eier bei konstanten Temperaturen inkubiert. Um nun die
Auswirkungen auf den Phänotyp von verschiedenen Durchschnittstemperaturen
und deren Schwankungsbreite zu analysieren und diese Einflüsse von
mütterlichen Effekten zu trennen, untersuchten wir Eier von 10 Gelegen der
Weichschildkröte (
Apalone mutica), wobei die Eier auf sechs
Temperaturbedingungen gleich verteilt wurden, welche die natürlichen
Bedingungen wiederspiegelten. Pro Gelege wurden je 2 Eier bei einer
Durchschnittstemperatur von 28,5 °C oder 32,5 °C inkubiert. Für
beide Gruppen gab es dann je zwei entsprechende, bei denen die Temperaturen
zwischen ± 2 °C oder 4 °C schwankten. Zusätzlich zu den
Entwicklungsparametern des Embryos (Veränderung der Eimasse (Gewicht),
Schlupferfolg und Inkubationsdauer), untersuchten wir bei Schlüpflingen die
Körpergröße die Schwimmfähigkeiten und die Umdrehreaktion
(aus Rückenlage). Die Interaktionen zwischen der Durchschnittstemperatur
und deren Schwankungen zeigten signifikante Effekte auf alle acht getesteten
Parameter, was andeutet das allein die Temperaturschwankungen den Phänotyp
der Embryonen unabhängig von der erreichten Durchschnittstemperatur
beeinflussen. Gelegeherkunft (also mütterlicher Einfluss, z.B.
Eigröße) hatte ebenfalls einen deutlichen Einfluss auf fast alle
getesteten Parameter. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der
Einfluss der Herkunft (Muttertiere) sehr deutlich ist und dass die
Temperatureffekte während der Embryonalentwicklung sehr komplex und
vielfältig sind und weitere Untersuchungen erfordern.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr gut geplante und durchgeführte Arbeit, wobei auch eine Art
gewählt wurde, die keine temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung
hat, um Unterschiede die allein auf einem Geschlechtsunterschied der
Schlüpflinge beruhen, von jenen der Temperatur auszuschließen. Als
meines Erachtens wichtigste Ergebnisse lassen sich festhalten, dass die
beobachteten Temperatureffekte die maternalen Vorgaben nicht übertreffen
und dass sich die Effekte, die durch die Temperaturschwankung hervorgerufen
werden für unterschiedliche Durchschnittstemperaturen unterschiedlich bis
gegensätzlich auswirken. Das heißt, wenn man bei 32,5 °C ±
2 oder 4 °C inkubiert, passiert etwas anderes, als wenn man bei 28,5 °C
±2 oder 4 °C inkubiert, wobei keine lineare Beziehung zwischen den
Ereignissen besteht. Lediglich ein Faktor scheint innerhalb gewisser Grenzen
linear zu sein, denn mit zunehmender Durchschnittstemperatur verkürzt sich
die Inkubationszeit und die Schlüpflinge schlüpfen etwas leichter,
wahrscheinlich weil der Dotter schon vollständiger verstoffwechselt ist.
Zum Seitenanfang
Tipp:
Benutzen Sie die Suchfunktion unserer Homepage, so können sie
einfach und schnell unsere Seiten nach einem bestimmten Begriff durchsuchen.