Wissenschaft im Fokus
Mushinsky, H. R., T. A. Stilson
& E. D. McCoy
(2003): Diet and dietary preference of juvenile gopher tortoise (Gopherus
polyphemus). – Herpetologica 59: 475-483.
Nahrung und Nahrungspräferenz von
juvenilen Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus)
Anhand direkter Beobachtungen erfassten wir die Nahrung und die Nahrungspräferenzen
von wild lebenden Gopherschildkröten (
Gopherus polyphemus). Alle
Beobachtungen erfolgten innerhalb einer 1 Hektar großen Fläche in einem Habitat,
das vorwiegend aus sandigen Hügeln bestand. Dieses Habitat wurde seit mehr als 25
Jahren einmal pro Jahr unter kontrolliertem Feuer abgebrannt. Siebzehn Beobachtungen von
weidenden juvenilen Gopherschildkröten wurden ausgewertet. Die jungen
Schildkröten fraßen von 26 Pflanzenarten. Um zu erfassen, ob junge
Gopherschildkröten bestimmte Arten bevorzugen und somit positiv oder negativ
selektieren, wurden zur statistischen Auswertung Wiederholungsbeobachtungen für die
einzelnen Individuen herangezogen. Insgesamt wurden 16 Pflanzenarten von mindestens einer
der beobachteten Jungschildkröten positiv selektiert (d. h. die Schildkröte suchte
nach dieser oder den Pflanzenarten). Eine der am häufigsten an den Futterwegen der
Tiere vorkommenden Arten der Gattung
Aristida wurde negativ selektiert (d. h.
mitgefressen oder nur gefressen, wenn nichts anderes zu finden war). Andere Gräser
(Poaceae) wurden meist nur während der kühlen Monate gefressen, wenn die
meisten der positiv selektierten Kräuter nur noch spärlich vorhanden waren. Die
Grasarten wurden meist nach ihrer relativen Häufigkeit konsumiert (d. h. es gab keine
ausgeprägte Bevorzugung einer bestimmten Grasspezies). Junge Gopherschildkröten
suchten nur während kurzer täglicher Perioden nach Futter und entfernten sich dabei
nur geringfügig vom Unterschlupf. Die Schildkröten müssen also entweder
sehr schnell satt sein oder sie sind instinktiv darauf geprägt, sich in unmittelbarer
Nähe zu ihren Höhlen aufzuhalten, da sie durch Fressfeinde und Überhitzung
gefährdet sind. Schildkröten, die in ihrem Mikrohabitat hochwertige Futterpflanzen in
ausreichender Menge zur Verfügung hatten, wuchsen sehr schnell und waren früher
geschlechtsreif. Letzteres kann die Wachstumsrate einer Population positiv beeinflussen. Das
Verstehen der Biologie von juvenilen Gopherschildkröten kann somit dazu beitragen, die
Praxis des Biotopmanagements zu verbessern, um den Populationsrückgang von
Gopherschildkröten-Populationen zu stoppen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Interessant ist, dass junge Gopherschildkröten (eine Art der ariden Lebensräume)
Kräuter bevorzugt, also durchaus Pflanzen auswählen, die weniger Ballaststoffe als
Gräser haben.
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