Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 01.11.2009
Nelson, D. H., G. J. Langford, J. A. Borden & W.
M. Turner (2009): Reproductive and Hatchling Ecology of the Alabama
Red-Bellied Cooter (Pseudemys alabamensis): Implications for
Conservation and Management. – Chelonian Conservation and Biology 8 (1):
66-73.
Reproduktions- und Schlüpflingsökologie der
Alabama-Schmuckschildkröte (Pseudemys
alabamensis): Auswirkungen für die Erhaltung und das
Management.
Wir studierten die Reproduktions-, Nist- und Schlüpflingsökologie der
bedrohten Alabama-Schmuckschildkröte (
Pseudemys alabamensis) von
1997 bis 2001 und in 2003 im Mobile-Tensaw Delta, Alabama, USA. Die
Nistaktivität gipfelte im Juni und Juli bei einer durchschnittlichen
Gelegegröße von 13 Eiern (n=31), wobei es eine strenge positive
Korrelation zwischen Gelegegröße und der Plastronlänge der
Weibchen gab. Die Weibchen setzen mehrere Gelege in einzelnen oder in mehreren
Nistkammern ab. Sowohl adulte als auch juvenile Weibchen graben so genannte
falsche Nester. Nicht überwinternde Schlüpflinge zeigten eine
Entwicklungsperiode (bis zum Verlassen des Nests) von 101 Tagen (n=21 Nester);
überwinternde Schlüpflinge begannen im März des Folgejahres mit
dem Verlassen des Nests. Das mittlere Gewicht der Schlüpflinge betrug 11,7
g bei einer Carapaxlänge von 39,1 mm (n=262). Wir testeten mit 6
Schlüpflingen ein Headstart-Programm, wobei die Schlüpflinge für
16 Monate in Gefangenschaft aufgezogen wurden und als große juvenile
Schildkröten ausgewildert wurden. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass ein
Headstart-Programm eine praktizierbare Möglichkeit zur Steigerung der
Schlüpflingsüberlebensrate darstellt. Wir machen folgende
Vorschläge zur Verhinderung weiterer Populationsrückgänge: 1) Die
Errichtung einer permanenten Barriere, um zu verhindern, dass Weibchen und
Schlüpflinge auf den Straßen überfahren werden
(
Causeway, US 90/98), 2) Beschränkungen, die
dazu dienen, Störungen innerhalb der Nisthabitate im Mobile-Tensaw Delta zu
verringern und 3) Initiierung und Evaluation eines einjährigen
Headstart-Programms, um eine Zunahme bei den Jungtieren innerhalb der Population
zu erreichen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Sicher kann man mit Headstart-Programmen Populationszunahmen erreichen.
Allerdings eigentlich doch nur dann – wenn die Populationen entweder durch die
Entnahme von Tieren reduziert wurden – oder wenn es vor Ort eine dichte
Beutegreiferpopulation gibt, die speziell die Schlüpflinge unterhalb einer
bestimmten Größe dezimiert. Denn nur dann kann man davon ausgehen,
dass eigentlich genug Ressourcen vorhanden wären, um die aus dem Programm
ausgewilderten Tiere zu versorgen. Sind diese Bedingungen aber nicht gegeben,
dann können solche Programme eventuell sogar die Situation verschlechtern.
Für die Tropfenschildkröte wurde schon gezeigt, dass
Headstart-Programme wenig Erfolg versprechen (
Enneson
& Litzgus 2008), und für andere Sumpfschildkröten wurde
gezeigt, dass sie innerhalb intakter Habitate durchaus in der Lage sind, die
Population aus eigener Kraft rasch anwachsen zu lassen. Siehe auch
Fordham et al. (2007),
Gerlach (2008).
Literatur
Enneson, J. J. & J. D. Litzgus (2008): Using
long-term data and a stage-classified matrix to assess conservation strategies
for an endangered turtle (
Clemmys guttata). – Biological
Conservation 141 (6): 1560-1568 oder
WiF-Archiv.
Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook
(2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous
harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal
of Animal Ecology 76 (6): 1231-1243 oder
WiF-Archiv.
Gerlach, J. (2008): Fragmentation and demography as
causes of population decline in Seychelles freshwater turtles (Genus Pelusios).
– Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 78- 87 oder
WiF-Archiv.
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Alabama-Schmuckschildkröte, Pseudemys alabamensis |
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