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Aktualisiert:
14.05.2012

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Wissenschaft im Fokus
O'Brien, S., B.
Robert & H.
Tiandry (2005): Consequences of violating the
recapture duration assumption of mark-recapture models: a test using simulated
and empirical data from an endangered tortoise population. – Journal of
Applied Ecology 42 (6): 1096-1104.
Konsequenzen einer Verletzung der
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung bei Fang-Wiederfang-Modellen: Ein Versuch, der
simulierte und empirische Daten einer Population von bedrohten Schildkröten
verwendet
- Fang-Wiederfang-Methoden werden häufig genutzt, um Überlebensraten
zu schätzen, welche für Wildtier-Managementstrategien genutzt werden.
Fang-Wiederfang-Methoden setzen eine Null-Todesrate der markierten Exemplare
während der Periode des Wiederfangs voraus, weshalb auch angenommen wird,
dass diese Periode von vernachlässigbarer Dauer in Relation zum Intervall
zwischen den Wiederfangereignissen ist. Diese
„Wiederfangzeitraumsvoraussetzung“ wird häufig verletzt und ist
sogar kaum getestet bezüglich des potentiellen Messfehlers bezüglich
der Überlebensschätzungen. Wir untersuchten, ob eine Verletzung der
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung die Genauigkeit auf Kosten eines gestiegenen
Messfehlers bei der Überlebensschätzung erhöhte.
- Indem wir sowohl Simulation als auch empirische Annäherungen
verwendeten, wurden jährliche Überlebens- und Wiederfangraten
geschätzt, sowohl unter Wiederfangzeitraumlängen, die der
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung genügten (also Zeitintervalle, die so kurz
waren, dass Ausfälle durch Tod unwahrscheinlich sind), als auch unter
denen, die sie verletzen. Empirische Daten wurden von einer Population der
gefährdeten Madagassischen Schnabelbrustschildkröte, Geochelone
yniphora, gewonnen.
- Schätzungen der Überlebensrate der Madagassischen
Schnabelbrustschildkröte waren höher und hatten kleinere
Standardabweichungen, wenn die Wiederfangzeitraumsvoraussetzung verletzt wurde.
Weil das „wahre“ Überleben der Madagassischen
Schnabelbrustschildkröte unbekannt war, wurde eine
Simulationsannährung verwendet, um abzuschätzen, ob kurze oder lange
Wiederfangperioden die verlässlichsten Schätzungen ergaben.
- Die Simulationsstudie zeigte, dass eine Verletzung der
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung die Genauigkeit ansteigen ließ, aber den
Messfehler der geschätzten Parameter nicht erhöhte, selbst wenn bis zu
50 % der jährlichen Todesfälle unter den Tieren in die
Wiederfangperiode fiel. Die präzisesten und am wenigsten abweichenden
Überlebensschätzungen traten auf, wenn die Stichprobengröße
(Anzahl der markierten Individuen) am größten war, das heißt,
wenn sowohl Überlebens- als auch Wiederfangraten hoch waren. Messfehler
bezüglich der Überlebensraten waren vernachlässigbar, solange die
Wiederfangrate während der Wiederfangperiode nicht unter 0,2 sank. Wir
schließen daraus, dass die exaktesten Parameterschätzungen für
die Madagassische Schnabelbrustschildkröte erreicht wurden, wenn
langfristige Wiederfanggelegenheiten genutzt wurden, welche die
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung verletzen.
- Synthese und Anwendung: Um die präzisesten und am wenigsten
abweichenden Überlebensraten zu erhalten, empfehlen wir, die
Wiederfangzeitraumsvoraussetzung zu verletzen und eine Wiederfangperiode zu
wählen, welche die Stichprobengröße maximiert und eine
Wiederfangrate von über 0,2 während der Wiederfangperiode erreicht.
Wenn sowohl die Überlebensrate als auch die Wiederfangrate während der
Wiederfangperiode relativ konstant bleiben, werden die
Überlebensschätzungen vernachlässigbare Abweichungen haben. Wenn
eine Überlebensrate von mehr als 0,2 während der Wiederfangperiode
nicht erreicht werden kann, sollten andere Methoden als die
Fang-Wiederfang-Methode benutzt werden, um die demographischen Werte zu
quantifizieren. Diese Empfehlung gilt für alle Arten mit einer
Überlebensrate von > 0,05.
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© Michael Daubner 2012Schildkröten im Focus