Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 29.05.2011
Oonincx, D. G. A. B. & E. S. Dierenfeld (2011) An Investigation Into the Chemical Composition of
Alternative Invertebrate Prey. – Zoo Biology 29 : 1–15.
Eine Untersuchung zur chemischen Zusammensetzung alternativer Beutetiere aus der Gruppe der Evertebraten.
Ziel dieser Studie war es die chemische Zusammensetzung von acht Evertebratenarten (Wirbellose) im Hinblick auf ihre Eignung als alternative
Futtertiere zu bestimmen. Die ausgewählten Arten waren Schokoschaben (
Blatta lateralis), Orange-Kopfschaben (
Eublaberus
distanti), Madagaskar-Fauchschaben (
Gromphadorhina portentosa), Fruchttfliegen (
Drosophila melanogaster),
Breitflügel-Heupferde (
Microcentrum rhombifolium), Mehlkäfer (
Tenebrio molitor), Schwarzkäfer (
Zophobas
morio) und Kellerasseln (
Porcellio scaber). Quantifiziert wurden auf der Basis der Trockenmasse (DM): Rohprotein, Rohfett,
Neutrale lösliche Fasern, Säure detergierbare Fasern, Aschegehalt, Makro- und Mikromineralien, Vitamin A und E, sowie der
Carotinoidgehalt. Zwischen den untersuchten Evertebratenarten wurden signifikante Unterschiede nachgewiesen.
Der Rohproteingehalt schwankte zwischen 38 und 76 % der Trockenmasse, Fett zwischen 14 und 54% der Trockenmasse und Asche reichte von 2 bis
8% der Trockenmasse. Die meisten Arten wiesen ein ungünstiges Kalzium/Phosphat Verhältnis von 0.8-0.30:1 auf.
P. scaber
stellten mit einem Kalzium/Phosphat Verhältnis von (12:1) eine Ausnahme dar. Kellerasseln sind also eine brauchbare Nahrung zur
Kalziumversorgung für Insektivoren. Der Vitamin E - Gehalt war in den meisten Arten sehr gering (6-16 mg/kg Trockenmasse), hier stellten
D. melanogaster und
M. rhombifolium mit jeweils 112 und 110 mg/kg der Trockenmasse Ausnahmen dar. Der Gehalt an Retinol,
gemessen als aktives Vitamin A war in allen Futtertierarten sehr gering, schwankte aber erheblich zwischen den einzelnen Proben (0.670-886
mg/kg der Trockenmasse). Die vorgestellten Daten können dazu verwendet werden die Fütterung, der in menschlicher Obhut gehaltenen,
Insektivoren deren Ansprüchen entsprechend zu optimieren.
Zukünftige Forschungsarbeit in Bezug auf die Zusammensetzung von Wirbellosen sollten darauf abzielen die Ernährungsweise der
Entwicklungsstadien von Futtertieren zu berücksichtigen und den Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Zusammensetzung zu
erarbeiten.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Diese Arbeit bietet gute Anhaltspunkte für die Zusammenstellung der Nahrung für karnivore Schildkröten oder deren meist
mehr karnivor lebenden Juvenilstadien. Sicher ist es nicht günstig nur adulte Futtertiere zu analysieren, da in vielen Fällen
deren Larvenstadien verfüttert werden. Diese Arbeit bestätigt, dass Asseln sehr gute Kalziumlieferanten sind, während
breitflügeliges Heupferd, Mehlkäfer und Schwarzkäfer die höchsten Gehalte an Rohprotein lieferten. Bei diesem Befund
frage ich mich ob es sich dabei im Vergleich zu den untersuchten Schaben um eine Besonderheit handelt die mit dem Reproduktionsverhalten der
Futtertiere selbst zusammen hängt. Denn wenn diese voll mit Eiern bzw. Sperma sind würde es einleuchten, warum gerade dort der
Rohproteingehalt so hoch war, während zumindest für die Käferlarven in anderen Studien eher der Fettgehalt hervorgehoben
wird. Ebenso scheint der Gehalt an Vitamin A und E im Bezug zur Ernährung und zum Darminhalt der Futtertiere zu stehen, woraus sich
erklären ließe, warum diese zumindest beim Heupferd und der Fruchtfliege wesentlich höher waren. Das die aktive Form des
Vitamin A generell auch mit Ausnahme der Komplexaugen in Futtertieren gering ist wird verständlich wenn man bedenkt, dass aktives
Vitamin A auch in diesen aktiv ist und sich nur in einem ganz speziellen physiologischen Gleichgewicht bewegen darf. Hier sollte man eher
nach noch physiologisch inaktiven Speicherformen schauen.
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