Wissenschaft im Fokus
Packard, G. C., L. L.
Sternadel & M. J.
Packard (2006): Influence of the Nest Environment
on Bone Mineral Content in Hatchling Painted Turtles (Chrysemys picta).
– Physiological and Biochemical Zoology 79 (6): 1069-1081.
Einfluss der Nestumgebung auf den Knochenmineralgehalt
bei Schlüpflingen von Zierschildkröten (Chrysemys
picta)
Wir führten ein Feldexperiment im nördlichen Nebraska durch, um die
Rolle der Nestumgebung auf Abweichungen im Knochenmineralgehalt bei
schlüpfenden Zierschildkröten
Chrysemys picta
(
Schneider 1783) zu untersuchen. Der Inhalt von
frisch angelegten Nestern wurde durch einen reziproken Austausch manipuliert
(d.h. man entnahm die Eier und ersetzte sie, durch Eier mit vergleichbaren
Ausgangsbedingen), woraufhin die Eier für 8 Wochen unter natürlichen
Bedingungen inkubierten. Die Nester wurden dann ausgegraben und die Eier ins
Labor gebracht, um dort unter standardisierten Temperatur- und
Feuchtigkeitsbedingungen zuende inkubiert zu werden und zu schlüpfen. Die
Schlüpflinge wurden abgetötet und ihre Skelette und verbleibenden
Dottersäcke wurden separat bezüglich Kalzium und Phosphor untersucht.
Zu der mehr zufälligen individuellen Abweichungen von Kalzium und Phosphor
im Skelett gab es eine deutliche Beziehung zum Nest, in dem die Eier inkubierten
(37 % beziehungsweise 42 %), die größer war als die Beziehung zur
ursprünglichen Gelegeherkunft (also mütterlicher Einfluss z.B.
Schalendicke etc.), die nur bei (21 % und 37 %) lag. Darüber hinaus
enthielten Schlüpflinge von einigen Nestern deutlich mehr Kalzium und
Phosphor als Schlüpflinge von anderen Nestern, sowohl bezüglich der
absoluten Menge des Elements in ihren Skeletten (was auf eine Abweichung der
Größe hindeutet), als auch bezüglich der Konzentration dieser
Elemente (was auf eine Abweichung in der Knochendichte hinweist). Die Kalzium-
und Phosphormengen in den Skeletten der Schlüpflinge waren positiv
korreliert mit Veränderungen der Eimasse während der acht Wochen, die
die Eier in Nestern im Feld inkubierten, was darauf hinweist, dass der Einfluss
der Nestumgebung auf die Entwicklung der Embryos wahrscheinlich durch einen
Wasseraustausch zwischen Eiern und Umgebung zustande kommt. Diese Ergebnisse
deuten daraufhin, dass ein Großteil der Variabilität im Mineralgehalt
bei Zierschildkröten einer Entwicklungsplastizität unterliegt, die
durch die Nestumgebung in Freiland bedingt wird. Somit sind die
phänotypischen Unterschiede einer Plastizität zuzuschreiben, die man
konsequenterweise bei Modellen zur Entwicklung von Zierschildkröten und
anderen Schildkröten, die weichschalige, verformbare Eier ablegen, mit
berücksichtigen muss.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit zeigt sehr schön, dass bei Zierschildkröten unter
Freilandbedingungen die Nestumgebung z. B. Bodenbeschaffenheit einen
wesentlicheren Einfluss auf den Skelettmineralisationszustand der
Schlüpflinge hat, als die Herkunft des Eies (Muttertier). In sofern ein
klares Signal an alle, dass Nest und Inkubationsbedingungen ein
ausschlaggebender Faktor sind. Dennoch bleibt unklar, welche Nestfaktoren
wirklich ausschlaggebend sind, da die Autoren nur von einem Wasseraustausch
zwischen Ei und Umgebung sprechen. Es bleibt die Frage offen, sorgt ein guter
Wasseraustausch nur dafür, dass der Embryo besser wächst und das vom
Muttertier dem Ei mitgegebene Kalzium und Phosphat besser verstoffwechseln und
einlagern kann oder hängt es auch vom Mineralgehalt des Bodens und der
Wasserhärte ab, so dass der Embryo eben mit dem Wasseraustausch auch mehr
gelöste Mineralien von außen aufnehmen kann? Wäre Letzteres der
Fall, dann wäre vielleicht Vermiculit nicht unbedingt ein ideales
Inkubationssubstrat, da es ja nur Feuchtigkeit spenden könnte, es sei denn,
man mischt es mit mineralhaltigen Substraten oder verwendet zur Befeuchtung
härteres Wasser.
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