Wissenschaft im Fokus
Pasmans, F., S. Blahak, A. Martel & N.
Pantchev (2008): Introducing reptiles into a captive collection: The role
of the veterinarian. – Veterinary Journal 175: 53-68.
Die Einbringung von Reptilien in bestehende Sammlungen:
Die Rolle des Tierarztes
Die erfolgreiche Einbringung von Reptilien in bestehende Haltungen ist
abhängig von optimalen Haltungsbedingungen und der
veterinärmedizinischen Überwachung. Eine der wesentlichen Aufgaben des
Tierarztes ist dabei die Vermeidung von Krankheiten und deren Einschleppung, die
sowohl die neu eingebrachten wie auch die vorhandenen Bestände betreffen
können. Dieser Übersichtsartikel hebt besonders die Maßnahmen
der präventiven Veterinärmedizin für Reptilien hervor – wie
die korrekte Quarantäne, Desinfektion und die Eingangsuntersuchungen
für infektiöse Krankheitserreger. Insbesondere werden die
Krankheitserreger abgehandelt, die zu schweren klinischen Problemen führen,
wenn sie in bestehende Reptilienbestände eingeschleppt werden, oder solche
wie Salmonellen, die ein bedeutendes Krankheitspotential für die
Bevölkerung darstellen. Die Ätiologie, klinische Symptome und Diagnose
werden für die relevantesten Erreger sowie für Endo- und
Ektoparasiten, Bakterien und Viren einschließlich Cryptosporidium und
Entamoeba, Salmonella, Dermabacter, Chlamydiales, Mycoplasma, Herpesvirus,
Adenovirus, Paramyxovirus oder Inclusion body disease
(Einschlusskörperkrankheit) diskutiert.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Mit 140 Referenzen sicher eine lesenswerte, umfassende neuere
Übersichtsarbeit zum Thema. Allerdings geht es auch hier im Wesentlichen um
das reine veterinärmedizinische Handwerk. Was wirklich in diesem Bereich
bislang fehlt, und von den meisten Veterinären eben mit der lapidaren
Aussage – Optimale Haltungsbedingungen – abgehandelt wird, ist die
Erarbeitung und Beschreibung einer Kombination von optimaler Haltung und
infektions- bzw. quarantänemedizinischer Notwendigkeit. Denn wenn man sich
die meisten Grundlagen für die Quarantäneunterbringung und die
durchaus nicht als kurz zu bezeichnenden Quarantänezeiten einmal genau
betrachtet, widersprechen sie sich oft eklatant. Häufig angepriesene
Standard-Quarantäneunterbringungen können bei den meisten Reptilien
allein durch zu stereotype Einrichtung zu Blutbildveränderungen eventuell
mit dadurch verursachter, anschließender Fehldiagnose führen. Siehe
z. B.: Case, B. C., G. A. Lewbart & P. D. Doerr
(2005): The physiological and behavioural impacts of and preference for an
enriched environment in the eastern box turtle (Terrapene carolina
carolina
). – Applied Animal Behaviour Science 92: 353-365 oder
SiF 4/2005; Wright,
K. (2005) Beyond POTZ: Environmental influences on reptile healing.
– Exotic DVM Veterinary Magazine, 7 (4): 11-15 oder
SiF 1/2006. Sicher, eine solche
Zusammenstellung wäre sehr umfangreich und bedürfte langfristiger
Planung, aber sie wäre lohnend, insbesondere für die Ausbildung von
Veterinären und Tierpflegern, und sie wäre ein unverzichtbares
Nachschlagewerk, insbesondere für den Veterinär. Denn sind wir doch
einmal ehrlich, die Qualität der Empfehlungen zur optimalen Tierhaltung,
die im Bezug für bestimmte Reptilien von manchen Tierärzten gegeben
werden, entbehren an dieser Stelle jeglicher Diskussion. Da informieren Sie sich
lieber in den jeweiligen Foren. Diesbezüglich wäre es schon
wünschenswert, wenn man insbesondere in den jeweiligen
Arbeitsgemeinschaften der herpetologischen Gesellschaften einmal mit der
Datensammlung beginnen würde. Siehe dazu: Kommentar zu
Mathie, R. T., L. Hansen, M. F. Elliott & J.
Hoare (2007): Outcomes from homeopathic prescribing in veterinary
practice: a prospective, research-targeted, pilot study. – Homeopathy 96
(1): 27-34 oder WiF-Archiv. Sicher mag sich mancher
Klinker jetzt fragen, gibt es für so etwas einen Bedarf? Nun, wenn Ihnen
die Forendiskussionen nicht reichen, dann fragen Sie einmal bei den Haltern
bestimmter Arten nach, wie oft Telefonate oder E-Mails von Hilfesuchenden
eingehen und wie oft dabei auch die Frage gestellt wird: „Soll ich das
jetzt wirklich so machen, wie mir meine Tierärztin oder Tierarzt das
empfohlen hat?“. Eines der krassesten Beispiele ersehen Sie allein daraus,
dass seit das nicht zu vernachlässigende Thema UVB-Bestrahlung innerhalb
der AGARK-Fachtagungen abgehandelt wurde, junge noch unerfahrene
Reptilienfachärzte diese nun auch für Schildkrötenarten wie
Geoemyda spengleri
(Zackenerdschildkröte) empfehlen. Ich denke
daran sieht man klar, solange in der Weiterbildung niemand ärztliches
Handwerk und Arten- bzw. Habitatkenntnis miteinander verbindet, nutzt die
Bescheinigung „Facharzt für Reptilien“ wenig, um dem Anspruch
einer „Optimalen Haltung“ als Präventivmaßnahme zur
Krankheitsvermeidung auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Hier könnte
man aber Abhilfe schaffen, indem man die Möglichkeiten einer konsequenten
Datensammlung realisiert und für die Fortbildung nutzt.
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