Wissenschaft im Fokus
Philbey, A.W. (2006): Amoebic enterocolitis and
acute myonecrosis in leopard tortoises (Geochelone pardalis). –
Veterinary Record 158: 567-569.
Durch Amöben verursachte Enterokolitis und eine
akute Myonekrose bei Pantherschildkröten (Geochelone
pardalis)
Diese Kurzmitteilung hat kein Abstract, deshalb hier eine kurze Zusammenfassung.
Einleitend wird beschrieben, dass
Entamoeba invadens ein häufig
vorkommender Einzeller im Darm von Reptilien, einschließlich Echsen,
Schlangen, Schildkröten und Krokodilen, ist, wobei die Cysten mit dem Kot
ausgeschieden werden. Die Cysten können oral aufgenommen werden und es
kommt dann zur Ausbildung von neuen Trophozoitenstadien. Eine dadurch
verursachte Enterokolitis (Darmentzündung) ist für Echsen und
Schlangen bekannt. Allerdings gehen frühere Berichte davon aus, dass
Schildkröten nur asymptomatische Träger darstellen. Es hat sich aber
doch gezeigt, dass
E. invadens sowohl bei Landschildkröten als
auch bei Wasserschildkröten zur Erkrankung führt.
Des Weiteren wird nun berichtet, dass die Erkrankung in zwei von drei
Leopardschildkröten auftrat, die 1996 als Schmuggelware nach England kamen
und dort nach der Beschlagnahme in der Reptilienstation der Universität
Glasgow gehalten wurden. Im Oktober 2002 verstarben dann zwei gravide Weibchen.
Die dritte Schildkröte blieb unauffällig. Das erste Tier verstarb nach
nur einer Woche der Futterverweigerung und einer gewissen Lethargie.
Festgestellt wurde ein Darmverschluss in den letzten 20 cm des Kolons, bestehend
aus einer trockenen, grünen, faserigen und festen Masse, die von einem
blassgelben mukoiden, fest mit dem Darmepithel verbundenen Überzug umgeben
war. Es fanden sich histologisch mehrere Ulcerationen in der Darmschleimhaut,
und der
Musculus puboischiofemorals hatte eine blasse Färbung und
zeigte eine deutlich ausgeprägte Myonekrose (Zerfall des Muskelgewebes).
Die anderen Muskeln zeigten äußerlich keine pathologischen
Veränderungen und histologisch nur schwach ausgeprägte Nekrosen. Im
Weiteren werden noch genauere Details beschrieben, einschließlich einer
basophilen Mineralisation des Gewebes.
Die zweite Schildkröte zeigte für zwei Wochen eine Inappetenz und
wurde dann wegen einer vermuteten Legenot operiert, da die Eier deutlich im
Röntgenbild zu sehen waren. Eine Kultur von Flüssigkeit aus der
Bauchhöhle zeigte nur eine geringe Vermehrung von
Eschericha coli.
Es werden dann noch weitere Vorgehensweisen beschrieben. Aber letztendlich
konnten auch bei diesem Tier gelbliche Plaques auf der Darmschleimhaut gefunden
werden. Die Arbeit beschreibt dann noch weitere histologische Details wie den
Nachweis von
Candida albicans auf der Darmschleimhaut, die Behandlung
der dritten Schildkröte, in deren Stuhl die Infektion auch nachzuweisen
war, obwohl noch keine Krankheitssymptome zu beobachten waren, sowie
Veränderungen bei den Blutzellen. Die Autoren schließen mit einer
Diskussion der Befunde.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit ist ein Beispiel dafür, dass selbst dann, wenn legereife
Eier im Röntgenbild zu erkennen sind, nicht immer Legenot das
ursächliche Problem darstellt und eine entsprechende Kotuntersuchung
angezeigt sein kann.
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