Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Plummer, M. V. (2004): Seasonal inactivity of the Desert Box Turtle, Terrapene ornata luteola, at the species' southwestern range limit in Arizona. – Journal of Herpetology 38: 589-593.

Die saisonal bedingte Inaktivität der Wüstendosenschildkröte, Terrapene ornata luteola, an der südwestlichen Grenze ihres Verbreitungsareals in Arizona


An der südwestlichen Grenze ihres Lebensraums in Arizona sucht die Wüstendosenschildkröte, Terrapene ornata luteola unterirdisch Zuflucht in den Höhlen von Säugetieren. Hauptsächlich bevorzugt sie die Höhlen der Kängururatte, Dipodomys spectabilis, in denen sie sich von November bis Juni aufhält. Ich bestimmte die zeitlichen und physiologischen Charakteristika der Schildkröten in diesen Höhlen von August 2001 bis Juni 2003 anhand der Temperaturen mittels Miniaturdatenspeichern, die zum einen im Bodengrund der Höhlen selbst und zum anderen an den Schildkröten befestigt waren. Im Herbst variierte das Einsetzen der Winterruhe bei den einzelnen Individuen und den Jahren zwischen 18. Oktober und 6. Dezember. Die durchschnittliche mittlere Tageskörpertemperatur zu Beginn der Winterruhe lag bei 14-18 °C. Von Dezember bis Februar betrug die durchschnittliche Körpertemperatur 9 °C, wobei sie leicht unter der Bodentemperatur – gemessen in einer Tiefe von 30 cm – lag, mit der sie auch eng korreliert war. Im April erreichte die Körpertemperatur wieder Werte, wie sie bei aktiven Schildkröten an der Oberfläche gemessen werden (Minimum 18 °C für aktive Tiere), allerdings verließen die Schildkröten die Höhlen nicht, bevor der Sommermonsun etwa drei Monate später eingesetzt hatte. Somit war die fünfmonatige Winterruhe (Hibernation) von T. o. luteola mit einer direkt anschließenden dreimonatigen Sommerruhe (Aestivation) gekoppelt, woraus sich eine jährliche, unterirdisch verbrachte Gesamtruheperiode von etwa acht Monaten ergibt. Mit Ausnahme der Verlängerung der Ruheperiode in die warmen Monate hinein, unterschied sich die Gesamtperiode der Inaktivität von T. o. luteola im südwestlichen Arizona nicht wesentlich von den jährlichen Ruheperioden in ihren anderen Habitaten im Gesamtverbreitungsgebiet.

Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Studie ist äußerst aufschlussreich und sollte ein Beispiel für weitere Forschungsaktivitäten in dieser Richtung sein. Sie zeigt auch, wie wichtig das Wasser für die Tiere ist, denn selbst nach fünf Monaten der Winterruhe können die Tiere nicht aktiv werden, ohne ihren mit Stoffwechselendprodukten angereicherten Wasservorrat in der Blase auszutauschen. Letzteres kann nur nach einem Regen und dem Vorhandensein von Frischwasser geschehen. Würden die Tiere vorher schon aktiv und würden durch Stoffwechselerhöhung mehr ausscheidungspflichtige Endprodukte produzieren, würden sie sich selbst vergiften. Deshalb ist es auch so wichtig, ruhende Schildkröten nicht so zu stören, dass sie vor Schreck ihren Blaseninhalt verlieren, denn können sie unmittelbar danach nicht wieder trinken, ist es ihr Todesurteil. Tiere, die unter solch dehydrierten Bedingungen zur falschen Jahreszeit in den Handel kommen, haben – oder zum Glück hatten – nur sehr schlechte Überlebenschancen. Aber diese Untersuchung zeigt uns auch etwas anderes, nämlich, dass die meisten Terrarianer eigentlich die Tiere nicht so halten, wie es ihren natürlichen saisonalen Abläufen entspricht, daher können wir nur froh sein, dass sich die Tiere doch anpassen können. Allerdings sollte man gerade bei Importtieren nicht vergessen, dass eine solche Umstellung auch zu Problemen führen kann: z. B. Verfettung durch zu hohe Futteraufnahme bei Daueraktivität etc. Von Natur aus scheinen diese Tiere ja an einen sehr hohen Grundumsatz von hochwertiger Nahrung in sehr kurzer Zeit angepasst zu sein, denn sie müssen zwangsläufig ihre Ernährungsphysiologie darauf ausgerichtet haben, ihren Jahresbedarf innerhalb 3-4 regenreicher Monate komplett abzudecken. Schade finde ich eigentlich nur, dass man nicht gleich mit der Temperatur auch die Luftfeuchte bzw. Bodenfeuchte gemessen hat.




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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus