Wissenschaft im Fokus
Ramaglia, V. & L. T.
Buck (2004): Time-dependent expression of heat shock
proteins 70 and 90 in tissues of the anoxic western painted turtle. – Journal
of Experimental Biology 207: 3775-3784.
Zeitabhängige Expression der
Hitzeschockproteine 70 und 90 in den Geweben von anoxischen westlichen Zierschildkröten
Die Expression (Bildung) des konstitutiv (immer vorhandenen) Hitzeschockproteins
(HSP) 73 sowie der induzierbaren Formen HSP-72 und HSP-90 wurden in Gehirn, Herz,
Leber und Skelettmuskel der gegen Sauerstoffmangel toleranten westlichen
Zierschildkröte
Chrysemys picta bellii nach langen Tauchgängen
untersucht. Dazu wurden die Schildkröten gezwungen für 2, 6, 12, 18, 24,
und 30 Stunden abzutauchen. Einige Versuchsgruppen mussten für 12, 24 und 30
Stunden bei 17 C abtauchen und danach für eine Stunde normal Luft atmen. Bis
zu 12 Stunden Tauchzeit ergaben sich keine Veränderungen für die
untersuchten HSP's mit Ausnahme von HSP-72 das bei 12 und signifikant bei 24 Std.
in der Leber um den Faktor 3 reduziert war. HSP-73, 72 und 90 waren im Gehirn und
in der Leber 2 bis dreifach erhöht nach Tauchgängen von 18, 24 und 30 Std.
Dauer. HSP-73 blieb sowohl im Herz wie auch im Skelettmuskel zu allen Zeiten auf
Ausgangsniveau. Gleiches galt für HSP-90 im Herz, wohingegen Herz im HSP-72
und im Skelettmuskel HSP-72 und 90 nach 24 und 30 Std. auf den Faktor 2-4 erhöht
waren. Während der einstündigen Luftatmung (Reoxigenierung) nach den
Tauchgängen stieg die gesamte HSP-Expression in allen Geweben stark an. Diese
Daten zeigen, dass während der ersten Stunden unter Wasser kein Stress durch
Sauerstoffmangel in den Geweben entsteht und dass die HSP induzierten
HSP-Veränderungen keine kritische Rolle bei der Anpassung an anoxische
Bedingungen und das Überleben spielen. Allerdings deutet die Hochregulation der
HSP's nach längerer Tauchdauer und anhaltendem Sauerstoffmangel an, dass sie
eine wichtige Rolle für das Überleben bei lang anhaltendem Sauerstoffmangel
spielen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Hitzeschockproteine heißen so, weil man sie zuerst in Zellen und Lebewesen
entdeckt hat, die einer Überhitzung ausgesetzt waren. Viele von ihnen reagieren
aber auch auf andere Belastungen des Organismus. Hitzeschockproteine sind zelluläre
Schutzeiweiße, die die korrekte Bildung und den Transport anderer lebenswichtiger
Eiweiße (Proteine) kontrollieren und sicherstellen. Somit steigt ihre Synthese meist
dann an, wenn bei der Bildung anderer Eiweiße Fehler oder Transportengpässe
auftreten oder auch die Mitochondrien (Energielieferanten der Zellen) geschützt
werden müssen. Deshalb geht man davon aus, dass ihr Anstieg ein sehr zuverlässiger
Indikator für die Gewebe ist, die bei bestimmten Belastungen unter Stress geraten,
d. h. in denen Fehler oder Stoffwechselstörungen vermehrt auftreten. Insofern kann
die Kenntnis über ihre normale Verteilung im Körper und die unter krankhaftem
Stress auftretenden organspezifischen Veränderungen von hohem diagnostischen Wert sein,
um bei pathologischen Untersuchungen die bei bestimmten Erkrankungen betroffen Organe zu
identifizieren.
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