Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 30.05.2010
Rasmussen, M. L. & J. D. Litzgus (2010): Patterns of maternal investment in spotted turtles
(Clemmys guttata): Implications of trade-offs, scales of analyses, and incubation substrates. – Ecoscience 17 (1): 47-58.
Das Muster der mütterlichen Investitionen bei Tropfenschildkröten (Clemmys
guttata): Auswirkungen von Abwägungen, Maße zur Analyse und Inkubationssubstrate.
Um die potentielle Fitness zu maximieren, sollten adulte Weibchen die verfügbaren Ressourcen entweder in größere Eier
und/oder Schlüpflinge investieren, oder sie sollten die Energie in größere Gelege mit mehr Nachkommen stecken. Die Weibchen
könnten zudem dafür sorgen, dass die Leistungsfähigkeit der Schlüpflinge dadurch optimiert wird, dass sie die
Nistplätze so selektieren, dass optimale Inkubationsbedingungen vorherrschen. In dieser Studie untersuchten wir bei einer Population
von Tropfenschildkröten (Clemmys guttata) in Ontario, Kanada zwei Jahre lang die Investition der Mütter in den Nachwuchs unter
Einsatz von Radiotelemetrie, Röntgenuntersuchungen und mit einem Verfahren, das es erlaubte, indirekt die Fitness der Schlüpflinge
zu testen. Die Datenanalyse erfolgte unter Berücksichtigung zweier Messparameter, der Gelege und Weibchen, unter Verwendung zweier
Maße, Körpergröße und Körperkondition. Größere Weibchen legten größere Eier, wobei das
Verhältnis Eidurchmesser und mütterliche Beckengröße in Bezug zur Körpergröße erkennen lässt, das
die Eigröße dadurch begrenzt wird. Allerdings lieferte die Körpergröße keine Erklärung für die
Schwankungen bei den Eimaßen (Länge, Breite oder Masse), wenn wir die Reproduktionsleistung für jedes Weibchen und für
den gesamten Untersuchungszeitraum betrachteten. Weibchen, die eine bessere Körperkondition hatten, produzierten insgesamt mehr Eier.
In Bezug auf die Nistplatzwahl zeigten die Weibchen keine Temperaturselektivität, jedoch eine verstärkte Selektivität
(Ortstreue) für bestimmte Nistsubstrate, im Gegensatz zur Lokalität. Die Umdrehreaktion der Schlüpflinge als Maß
für die Fitness korrelierte nicht mit deren Körpergröße oder Körperkondition, allerdings war die
Umkehrreaktionsleistung für alle Schlüpflinge, die aus einem bestimmten Gelege stammten, gleich. Letzteres lässt vermuten,
dass es entweder mütterliche genetische Faktoren gibt oder dass es bestimmte Nestbedingungen sind, die sich auf die Kondition der
Schlüpflinge eines bestimmten Geleges auswirken. Somit lässt sich zusammenfassend feststellen, dass die Weibchen mit guter
Körperkondition ihren Reproduktionserfolg dadurch steigern, dass sie über mehrere Jahre gesehen insgesamt mehr Eier ablegen,
während die morphometrischen Maße der Schlüpflinge keinen direkten Einfluss auf deren Überlebenserfolg haben.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Ob die letzte Schlussfolgerung so Bestand haben dürfte, ist fraglich, denn hier wurde die Fitness der Schlüpflinge nur anhand der
Umkehrreaktion beurteilt und die vielen anderen Parameter die auf deren Überleben einen Einfluss haben oder haben könnten, wurden
unberücksichtigt gelassen. Insofern bestätigt die Studie aber auch vorhergehende Untersuchungen dahingehend, dass eine Steigerung
des Reproduktionserfolgs der individuellen Weibchen eher über die Eizahl als über die Eigröße erreicht wird. Letzteres
sollte aber auch nicht verwundern, denn jedes Weibchen, egal wie alt oder wie groß es ist, kann ja nur so große Eier legen, wie
sie durch ihren individuellen Ablage-, bzw. Geburtskanal passen. Insofern bleibt dem einzelnen Weibchen nichts anderes übrig, wenn es
seinen Reproduktionserfolg steigern will, als mehr Eier abzulegen, denn übergroße Eier würden nur Legenot und Tod bedeuten.
Dies erklärt zwar die Reaktion individueller Weibchen und erklärt auch deren unterschiedlich große Eier, sagt aber nichts
darüber aus, ob nicht die größten Schlüpflinge der größten Weibchen dennoch bessere Überlebenschancen
haben als jene der kleineren und dass auch dann, wenn sich kleine und große Schlüpflinge gleich schnell umdrehen können.
Denn diese Umdrehreaktion als Maß für die Fitness sagt z. B. nichts darüber aus, wie sich ein potentieller Beutegreifer
entscheiden würde, wenn er zwei unterschiedlich große Beuteobjekte vor sich hätte (siehe auch
Beaudry et al. 2009). Überraschend ist aber, dass diese nördlichsten Tropfenschildkröten den
Eiablageplatz eher nach der Substratbeschaffenheit aussuchen als nach der Temperatur. Letzteres könnte sich dadurch erklären, dass
Tropfenschildkröten in der Natur sehr gern in das lockere modrige Holz im Inneren verwitternder Baumstümpfe ablegen, was dazu
führen könnte, dass sie dabei auch die Abwärme, die bei der Vermoderung des Holzes entstehen mag, für die Inkubation
nutzen, so dass die Temperatur, die direkt am Ablagetag herrscht, bei ihnen gar nicht so sehr viel aussagen muss und es eher auf die
Temperaturen ankommt die danach auftreten.
Literatur
Beaudry, F., P. G. de Maynadier & M. L. Hunter (2009): Seasonally Dynamic Habitat Use by Spotted
(
Clemmys guttata) and Blanding's Turtles (
Emydoidea blandingii) in Maine. – Journal of Herpetology 43 (4): 636-645
oder
WiF-Archiv.
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