Wissenschaft im Fokus
Riley, C. M., R. V.
Anderson & S. E.
Jenkins (2005): Nesting habitat of the softshell
turtle, Trionyx mutica, below lock and dam 19, upper Mississippi River.
– Journal of Freshwater Ecology 20 (3): 513-517
Nisthabitat der Weichschildkröte, Trionyx
mutica, unter der Schleuse und dem Damm Nr. 19 am oberen
Mississippi
Die Charakteristika des Nisthabitats von
Trionyx mutica wurden
unterhalb der Schleuse und des Damms Nr. 19 am oberen Mississippi untersucht.
Ein etwa 0,5 km langer sandiger Uferabschnitt, für den von früher her
bekannt war, dass dort
T. mutica häufig vorkam, wurde nach Nestern
abgesucht. Das Anlegen der Nester erfolgte zwischen Mitte Juni und Mitte Juli.
Erfolgreiche Nester, in welchen sich Eier befanden, wurden in sandigem Boden
innerhalb einer engen Zone gefunden, die eine Oberflächentemperatur von
36-37 ºC aufwies. Die ausgewählten Ablageorte waren dem direkten
Sonnenlicht ausgesetzt und zeigten nur spärlichen, bis gar keinen
Pflanzenbewuchs. Mehr als 90 % der erfolgreichen Nester wurden an Stellen mit
diesen Charakteristika gefunden. Falsche (leere) Nester wurden häufig an
Stellen mit deutlich höherer oder niedrigerer Oberflächentemperatur
des Bodens gefunden, was zeigt, dass die Schildkröten die Plätze
anhand einer optimalen Temperatur auswählen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine sehr interessante Beobachtung, die allerdings darauf schließen
lässt, dass die Schildkröten den Nistplatz nicht direkt anhand der
Oberflächentemperatur selektieren, denn sonst würden sie
wahrscheinlich nicht auch an anderen Stellen Probegrabungen machen. Letzteres
lässt vermuten, dass sie sich nach einer in einer gewissen Tiefe
angetroffenen Temperatur orientieren. Da viele Schildkrötenhalter, das
Anlegen solcher Probenester auch bei ihren Tieren unterschiedlichster Arten
beobachten, wäre es vielleicht einen Versuch wert, auch die Temperaturen im
Nest von gerade ablegenden Weibchen in Gefangenschaftshaltung zu messen, denn
diese Werte könnten Aufschluss darüber geben, nach welchen Kriterien
die eigenen gehaltenen Tiere Nistplätze aussuchen. Auf diese Weise
könnte man zu sehr hilfreichen Daten für die Haltung und Zucht kommen,
selbst dann, wenn diese Daten von jenen aus den Ursprungspopulationen abweichen
sollten. Hier kann man nur jeden interessierten Züchter ermuntern, sich
selbst zu helfen, solange keine Daten aus den Ursprungspopulationen
verfügbar sind. Denn es hilft sicher, wenn man an mehreren Stellen mit
technischen Mitteln optimale Bedingungen anbieten kann.
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