Wissenschaft im Fokus
Rivalan, P., V.
Delmas, E.
Angulo, L. S.
Bull, R. J.
Hall, F.
Courchamp, A. M.
Rosser & N.
Leader-Williams (2007): Can bans stimulate wildlife
trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense
than last-minute bans that can themselves increase trading activity. –
Nature 447: 529-530.
Können Verbote den Handel mit Wildtieren steigern?
Vorbeugendes Management des Handels mit gefährdeten Wildtieren ergibt mehr
Sinn als Verbote in letzter Minute, die ihrerseits dazu führen, dass die
Handelsaktivitäten zunehmen
Dieser Kommentar, der im Hinblick auf die am 3. Juni 2007 beginnende
CITES-Konferenz in Den Haag abzielt, hat kein Abstract deshalb hier eine kurze
Zusammenfassung.
Die Autoren beschreiben, dass rund ein Drittel der weltweit bekannten Vogel- und
Säugerarten bedroht sind. Hinzukommen ca. 1000 Baumarten, die vor dem
Aussterben stehen, und 75% der gehandelten Fischarten leiden unter massiver
Überfischung. Dennoch muss man auch sehen, dass weltweit ca. 200 Millionen
Menschen vom Tierhandel in der einen oder anderen Form leben, wobei die meisten
dieser Menschen in den ärmsten Ländern der Welt beheimatet sind. Somit
wäre ein kontrollierter, nachhaltiger Handel mit diesen natürlichen
Ressourcen fast schon überlebenswichtig für das Wohlergehen humaner
und ökologischer Gemeinschaften. Vor diesem Hintergrund werfen die Autoren
die Frage auf, ob wir es im 21. Jahrhundert überhaupt schaffen können,
einen Wandel herbeizuführen, der beidem, dem Wohl dieser Menschen und der
Arterhaltung dient.
Im Weiteren wird beschrieben, nach welchen Richtlinien CITES seit 1975 effektiv
arbeitet und dass immerhin 171 Unterzeichnerstaaten dazu beitragen. Ebenso wird
dargelegt, wie CITES für etwa 33.600 Spezies (ca. 800 Anhang I; 32,500
Anhang II und etwa 300 Anhang III) den Handel reguliert. Allerdings, und das ist
das eigentliche Anliegen der Autoren, zeigen sie auch, dass die Vorgehensweise
dieser großen globalen Organisation wohl unbeabsichtigt mittlerweile
zahlreiche Arten noch stärker gefährdet. Ein Grund ist, dass nicht
alle Länder die Handelsverbote effektiv durchsetzen bzw. kontrollieren
können.
Seit 1985 gibt es nun schon Einwände, dass die Listung einer Art bei CITES
deren Wert erhöht und damit auch den Wert für Händler steigert.
Allerdings gab es bislang dazu keine belegbaren Daten. Die Autoren machten sich
also nun erstmals die Mühe, die verfügbaren Daten der offiziell
zwischen 1980 und 2003 gehandelten Arten des Anhangs II zu erfassen, die
während dieser Zeit in Anhang I höher gestuft wurden. Dabei
berücksichtigten sie die generelle bürokratische Praxis, dass es etwa
240 bis 420 Tage dauert, bis eine für eine Höherstufung vorgeschlagene
Art auch wirklich höher gestuft wird. Somit haben Händler etwa ein
Jahr Zeit, sich legal auf die Veränderung im Schutzstatus einzustellen. Wie
die Autoren anhand von Graphiken zeigen, führt gerade dies dazu, dass die
Händler exakt diese Zeitspanne nutzen, um sich noch legal mit
möglichst vielen Exemplaren zu versorgen, da der Preis steigen wird. Die
Autoren untersuchten also die Zahl der gehandelten Arten während der drei
Jahre vor der Höherstufung und 3 Jahre danach (wohl gemerkt offiziell bei
CITES gelistete gehandelte Arten, denn über das Ausmaß des illegalen
Handels gibt es keine Daten). Im Zeitraum waren davon 46 Arten betroffen, wobei
man sich auch nur auf Arten konzentrierte, von denen mehr als 5 Exemplare
gehandelt wurden. Die Graphiken zeigen ganz klar, dass der legale Handel nach
der Höherstufung sehr stark sank. Allerdings, und das ist entscheidend,
wurde mit einer durchschnittlichen Zunahme um 135 % im Vergleich mit den Jahren
davor die höchsten Handelsmengen ein Jahr vor Inkrafttreten des
Handelsverbots festgestellt. Die Autoren verweisen zwar darauf, dass noch
untersucht werden muss, wie sich diese Zunahmen im Handel auf die jeweiligen
Arten auswirken, allerdings sind die Handelsmengen für einige Spezies
allein schon Besorgnis erregend. So wurden genau in dieser Übergangsphase
bis zum Inkrafttreten des Handelsverbots 2.800
Testudo kleinmanni und
5.500 Geoffroyi-Katzen (
Felis geoffranus) exportiert, was in etwa der
Hälfte bzw. einem Zehntel der bekannten Wildpopulation entsprach. Da aber
diese Höherstufung auf Anhang I nicht nur den legalen Handelswert
erhöht, ist deshalb auch davon auszugehen, dass diese Arten insbesondere
auch für den illegalen Handel attraktiver d. h. gewinnbringender werden.
Die Autoren empfehlen daher Sofortmaßnahmen, die darauf abzielen, dass
gerade in diesen Übergangszeiträumen die Ausstellung von offiziellen
Handelsgenehmigungen besonders zu überwachen ist. Ebenso sollte die
Zeitspanne von der Empfehlung zur Höherstufung bis zum Inkrafttreten
drastisch verkürzt werden, und nicht zuletzt sollten Arten rechtzeitig,
also noch bevor sie bedroht sind, auf Anhang II gelistet werden, um
überhaupt eine Kontrolle über einen nachhaltigen Handel zu erlangen.
Obwohl CITES zunehmend dazu kommt, mit der Industrie und Schutzorganisationen
eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen, sind diese Prozesse sehr langsam.
So dauerte es beim Großbättrigen-Mahagony 12 Jahre von der Empfehlung
bis zur Durchsetzung des Handelsverbots, während dieser Zeit verschwanden
ganze 10 % der Gesamtfläche der Lateinamerikanischen Wälder. Ebenso
dauerte es 5 Jahre bis sich die FAO und CITES auf ein nachhaltiges
Fischereimanagement verständigten. Kurze Übergangsphasen seien gerade
für die diesjährige CITES Konferenz wichtig, denn es stehen 7
kommerziell genutzte Spezies auf der Liste.
Im Weiteren werden die Bedrohungen für einige der zur Listung anstehenden
Arten ausgeführt und welche Auswirkungen es haben könnte, wenn das
Gleiche Szenario wie in den Vorjahren auf diese Arten zutreffen würde. Auch
werden hier Maßnahmen vorgestellt, die CITES getroffen hat, um Arten zu
erhalten wie die Rückstufung von Anhang I auf Anhang II, um die
Möglichkeit zur Nachzucht in Farmen zu ermöglichen. Es werden zudem
Vorschläge gemacht, wie CITES den Handel für Regionen mit hoher
Biodiversität und hoher Armut besser und nachhaltiger gestalten
könnte, die es auch den jeweiligen Regierungen ermöglichen würde,
ein volkswirtschaftliches Einkommen zu erwirtschaften, um damit die Kosten zur
Erhaltung der Biodiversität zu tragen. CITES könnte dazu beitragen,
ein nachhaltiges Ressourcenmanagement mit den übergreifenden Zielen der
Konvention zur Biologischen Diversität zu ermöglichen. Sie rufen auch
dazu auf, dass die Internationale Staatengemeinschaft dazu kommen muss, einen
effektiven Beitrag zum UN 2010 Biodiversitätsziel und für zu den 2015
Jahrtausend Entwicklungszielen zu leisten. Sie heben hervor, dass CITES die
notwendigen Voraussetzungen dazu mitbringt und auf entsprechende Erfahrungen
zurückgreifen kann, dass es aber eine Notwendigkeit gibt, sich
weiterzuentwickeln, um die Ausbeutung der Ressourcen zu reduzieren und
effektiven Artenschutz zu gewährleisten.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Sicher ist dieser Aufruf extrem bedeutend und man kann nur hoffen, dass
diese Vorschläge gehört werden, denn alles andere wäre weltfremd,
insbesondere vor dem Hintergrund, dass der illegale Handel und Konsum gerade in
den ärmsten Ländern und den Schwellenländern so gut wie nicht zu
kontrollieren ist. Wem will man es auch verbieten, sich an den letzten
Exemplaren bedrohter Arten zu vergreifen, wenn es keine anderen
ökonomischen Alternativen gibt, und in diesen Ländern gibt es durchaus
auch noch Situationen, wo einfach der blanke Hunger den Verzehr der seltensten
Spezies diktieren mag. Letztendlich brauchen wir uns nicht zu wundern, denn wir
freuen uns, dass unsere Pharmaindustrie Riesengewinne einstreicht, und es ist ja
auch unsere „moralische Pflicht die Menschen überall gesund zu
erhalten, die Sterberaten zu senken und Seuchen zu vermeiden“, aber dann
haben wir auch die moralische Pflicht, die Ernährung und den Landverbrauch
wachsender Bevölkerungen zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass
sie sich eine Lebensgrundlage schaffen können. Wir können nicht auf
der einen Seite bei den Konferenzen der Weltgesundheitsorganisation WHO uns
damit brüsten, dass die Kindersterblichkeit z.B. in Madagaskar drastisch
gesenkt werden konnte und uns auf der anderen Seite bei CITES-Konferenzen
darüber aufregen, dass dies Mehr an am Existenzminimum lebender Menschen
nun anfängt, die Biotope der Strahlenschildkröten und Lemuren zu roden
und sie auch noch zu essen. Das ist genauso schizophren, wie einen Feldhamster
als europaweit geschützte Spezies zu listen und dann, wenn seine Biotope
der deutschen Braunkohleindustrie im Wege stehen, großzügig
darüber hinwegzusehen und die, die dagegen aufmucken als grüne
Spinner und Arbeitsplatzgefährder zu denunzieren. Siehe dazu auch:
Perälä, J. (2005): Assessment of the
threatened status of Testudo kleinmanni
Lortet, 1883 (Testudines: Testudinidae) for the
IUCN Red List. – Chelonian Conservation and Biology 4 (4): 891-898 oder
WiF-Archiv.
Perälä (2006): Assessment of the
threatened status of Testudo werneri
Perälä, 2001 (Testudines: Testudinidae)
for the IUCN red list. – Chelonian Conservation and Biology 5 (1): 57-66
oder WiF-Archiv. Cheung &
Dudgeon (2006): Quantifying the Asian turtle crisis: market surveys in
southern China, 2000-2003. – Aquatic Conservation: Marine and Freshwater
Ecosystems 16 (7): 751-770 oder WiF-Archiv.
Siroky & Fritz (2007): Is Testudo
werneri
a distinct species? – Biologica Bratislava, 62: 1-4 oder WiF-Archiv.
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