Wissenschaft im Fokus
Rivera, G. (2008): Ecomorphological variation
in shell shape of the freshwater turtle Pseudemys concinna inhabiting
different aquatic flow regimes. – Integrative and Comparative Biology 48
(6): 769-787.
Ökomorphologische Variationen in der Panzerform bei
in Bereichen mit unterschiedlichen Strömungen siedelnden
Wasserschildkröten Pseudemys concinna
So genannte Synopsispopulationen (Groß- oder Sammelpopulationen) von
Spezies, die eine Vielzahl unterschiedlicher Habitate besiedeln, zeigen
häufig zueinander abweichende Morphologien, die mit den Unterschieden der
ökologischen Parameter in den jeweiligen Lebensräumen korrelieren. Die
Fließgeschwindigkeit von Wasser ist dabei innerhalb eines aquatischen
Lebensraums ein wichtiges Umweltkriterium, welches nachweislich einen Einfluss
auf die Morphologie vieler Taxa hat. Das Ziel dieser Studie war es zu
untersuchen, welche Beziehung es zwischen der Fließgeschwindigkeit und der
Panzermorphologie bei männlichen und weiblichen Exemplaren der
semiaquatisch lebenden Wasserschildkröte
Pseudemys concinna gibt.
Für beide Geschlechter zeigen sich signifikante Unterschiede bei der
Carapax- und Plastronmorphologie, wenn man Exemplare aus Habitaten mit langsamer
Fließgeschwindigkeit mit jenen aus Habitaten mit hoher
Fließgeschwindigkeit vergleicht. Generell lässt sich feststellen,
dass die deutlichste Auffälligkeit darin besteht, dass Schildkröten
beiderlei Geschlechts aus Habitaten mit hoher Fließgeschwindigkeit
stromlinenförmiger sind (ein kleines Höhe zu
Längenverhältnis aufweisen) als die Panzer von Individuen aus
lentischen Habitaten. In Bezug auf die einzelnen Panzerkomponenten (Carapax und
Plastron), zeigt der Carapax die deutlicheren Unterschiede in Abhängigkeit
zum Habitat, was zudem bei Männchen ausgeprägter ist. Diese Befunde
stehen in Einklang mit einer Anpassung an die Fließgeschwindigkeit, und
lassen vermuten, dass Variationen in der Form bei Weibchen konstanter sind. Ich
liefere zusätzlich empirische Belege dafür, dass es einen adaptiven
Vorteil für die beobachteten Formunterschiede gibt (z. B. eine Reduktion
bei der Verdriftungsgefahr), und ich diskutiere die relative Rolle, die die
genetische Divergenz und die phänotypische Plastizität in Bezug auf
die Generierung dieser beobachteten Formunterschiede bei dieser Spezies
spielen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Diese Arbeit gibt einen schönen Einblick darüber, wie die
Evolution und Selektion wirken und welche Rolle dabei den vom Menschen abstrakt
definierten Kategorisierungsmodi Genotyp und Phänotyp zukommt. Siehe dazu
auch Inhalt und Kommentare zu Lubcke, G. M. & D. S.
Wilson (2007): Variation in shell morphology of the Western Pond Turtle
(Actinemys marmorata
Baird and
Girard) from three aquatic habitats in northern
California. – Journal of Herpetology 41 (1): 107-114 oder
WiF-Archiv; Rivera, G. &
J. Claude (2008): Environmental media and shape asymmetry: a case study
on turtle shells. – Biological Journal of the Linnean Society 94 (3):
483-489 oder WiF-Archiv.
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Schlagwörter
| Arten |
Hieroglyphen-Schmuckschildkröte, Pseudemys concinna |
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