Wissenschaft im Fokus
Rizkalla, C. E. & R. K.
Swihart (2006):. Community structure and
differential responses of aquatic turtles to agriculturally induced habitat
fragmentation. – Landscape Ecology 21 (8): 1361-1375.
Gesellschaftsstruktur und differentielle Reaktionen von
Wasserschildkröten auf die agrarwirtschaftlich induzierte
Habitatfragmentierung
Einige Studien haben gezeigt, dass der Verlust an Feuchtgebieten und die
Habitatfragmentierung zu Veränderungen in der Vielfalt und Häufigkeit
der Herpetofauna führt, aber aus taxonomischer Sicht bezogen sich solche
Studien häufig auf Amphibien. Wir untersuchten hier die Reaktionen von
Wasserschildkröten in Bezug auf mehrere großräumige Aspekte
innerhalb einer intensiv bewirtschafteten Region im mittleren Westen der USA.
Dazu wurde ein raumbezogenes, hierarchisch angelegtes Probenentnahmeverfahren
benutzt. Von 2001 bis 2003 wurde innerhalb von 35 zufällig gewählten
23-km
2 großen Parzellen gesammelt, die das gesamte obere
Wabash-Flussbecken in Indiana abdeckten. Flache Hebenetze wurden benutzt, um
Schnappschildkröten (
Chelydra serpentina serpentina) (n=258),
Zierschildkröten (
Chrysemys picta marginata) (151), östliche
Stachelrand-Weichschildkröten (
Apalone spinifera spinifera) (70),
Rotwangen-Schmuckschildkröten (
Trachemys scripta elegans) (59),
nördliche Landkarten-Höckerschildkröten (
Graptemys
geographica) (27), Unechte Landkartenschildkröten (
Graptemys
pseudogeographica pseudogeographica) (6), Amerikanische
Sumpfschildkröten (
Emydoidea blandingii) (3) und
Moschusschildkröten (
Sternotherus odoratus) (3) zu fangen. Wir
untersuchten dabei, zu welchem Grad diese Schildkrötenarten innerhalb der
14 erfassten Landschaftsformen nicht zufällig verteilt waren. Normalerweise
war die Schildkrötenzusammensetzung zufällig und das Ausmaß der
Schildkrötenansammlungen (Anhäufungen) wurde von der Verschiedenheit
der Landfläche mitbeeinflusst, z.B. dem proportionalen Anteil an Grasland
und der Gesamtlänge des Straßenanteils innerhalb eines
Landschaftsabschnitts. Das Vorkommen und die Häufigkeit von einigen Spezies
wurde auch rechnerisch modelliert, um Hypothesen über die Wichtigkeit
bestimmter Landschaftskomponenten zu testen. Rotwangen-Schmuckschildkröten
erwiesen sich am sensitivsten in Bezug auf die Habitatfragmentierung, wohingegen
Zierschildkröten, Schnappschildkröten, Landkartenschildkröten und
Weichschildkröten am wenigsten davon betroffen wurden. Diese Faktoren
beeinflussen die räumlichen Verteilungsmuster der Schildkröten und
lassen vermuten, dass sie differentiell auf die Fragmentierung der Landschaft
reagieren.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Der Wert dieser Arbeit liegt eindeutig in der großräumigen
Bestandsaufnahme, denn dass von einer Fragmentierung der Landschaft all jene
Arten stärker betroffen werden, die naturgemäß weit vom Ufer der
Gewässer entfernte Nistplätze aufsuchen, war auch schon vorher bekannt
und wurde auch hier noch mal bestätigt.
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