Wissenschaft im Fokus
Roe, J. H., A. Georges & B. Green (2008):
Energy and Water Flux during Terrestrial Estivation and Overland Movement in a
Freshwater Turtle. – Physiological and Biochemical Zoology 81 (5): 570-583.
Energie- und Wasserumsatz während der terrestrischen
Aestivation und den Überlandwanderungen bei einer Wasserschildkröte
Die Methode von doppelt markiertem Wasser (double labeled water, DLW) zum
Studium der Energie- und Wasserbilanz bei im Freiland aktiven
Wasserschildkröten während ihrer aquatischen Aktivitäten ist
nicht einsetzbar, allerdings gibt es einige normalerweise aquatisch lebende
Arten, die ihre feuchten Lebensräume verlassen müssen, so dass sie
einige überlebenswichtige Verhaltensweisen an Land realisieren müssen,
die einen großen Einfluss auf ihre Energie- und Wasserbilanz haben. Unter
Verwendung der DLW-Methode, untersuchten wir die Beziehungen zwischen Energie
und Wasserhaushalt während der terrestrischen Aestivation und bei
terrestrischen Wanderungen bei der östlichen Schlangenhalsschildkröte
(
Chelodina longicollis), einer Spezies, die temporäre
Feuchtgebiete im südöstlichen Australien bewohnt. Die
Wasserverlustraten von 14,3-19,3 mL (kg d)-1 wurde während der Aestivation
durch die Wasseraufnahme nahezu ausgeglichen, was anzeigt, dass die
Schildkröten in ihren terrestrischen Aestivationsplätzen die
Wasserbilanz nicht aktiv regeln, wobei die Dehydration nur langsam erfolgt. Der
Energieaufwand während der Aestivation reduzierte sich mit der Zeit auf
20,0-24,6 kJ (kg d)-1 aber auch hier ließen sich keine wesentlichen bzw.
aktiven physiologischen Anpassungsprozesse erkennen. Die Energiereserven der
Tiere ließen einige Vorhersagen zu, die zeigten, dass die Aestivation auf
einen Zeitraum zwischen 49 und 261 Tagen (abhängig von den Fettreserven der
jeweiligen Schildkröte) begrenzt ist, und diese berechneten Vorhersagewerte
stimmen annähernd mit den im natürlichen Habitat beobachteten
Aestivationsabschnitten der untersuchten Population überein.
Energieverbrauch und Wasserverlustraten für Überlandwanderungen
bewegten sich bei Schildkröten, die etwa 23-34 m pro Tag zurücklegten,
im Rahmen von 46-99 kJ (kg d)-1 und von 21,6-40,6 mL (kg d)-1. Wenn also ein
Tümpel austrocknet und sich eine Schildkröte die Wanderung zu einer
anderen Wasserstelle spart, kann sie damit ungefähr so viel Energie
einsparen, wie sie in 134 Tagen Aestivation verbrauchen würde. Die Zunahme
bei der beobachteten Aestivationsdauer mit zunehmender Entfernung zur
nächstgelegenen Wasserstelle im natürlichen Habitat zeigt, dass es
eine Energie-Aestivations-Abschätzung gibt – was sich mit dem deckt
– was schon in vorhergehenden Studien beschrieben wurde –
nämlich je weiter die nächste Wasserstelle entfernt ist, je mehr
Schildkröten bevorzugen die Aestivation während sich fast alle
Schildkröten für die Überlandwanderung entscheiden, wenn die
nächste permanente Wasserstelle recht nahe liegt und nur relativ kurze
Distanzen zu überbrücken sind. Somit können wir
abschließend zusammenfassen, dass die DWL-Methode erfolgversprechend
eingesetzt werden kann, um Fragen bezüglich der Verhaltensbiologie und
Physiologie von Wasserschildkröten während ihrer terrestrischen Phasen
zu untersuchen, auch wenn noch zusätzliche Validierungsstudien
vonnöten sind.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Siehe auch Roe, J. H. & A. Georges (2008):
Maintenance of variable responses for coping with wetland drying in freshwater
turtles. – Ecology 89 (2): 485-494 oder
Schildkröten im Fokus 2/2009
und Bowne D. R., M. A. Bowers & J. E. Hines
(2006): Connectivity in an agricultural landscape as reflected by interpond
movements of a freshwater turtle. – Conservation Biology 20 (3): 780-791
oder WiF-Archiv.
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