Wissenschaft im Fokus
Rollinson, N. & R. J.
Brooks (2007): Marking nests increases the
frequency of nest depredation in a northern population of Painted Turtles
(Chrysemys picta). – Journal of Herpetology 41: 174-176.
Die Markierung von Nestern erhöht die
Häufigkeit von Nestplünderungen bei einer nördlichen Population
von Zierschildkröten (Chrysemys picta)
Beutegreifer orientieren sich an visuellen und olfaktorischen (geruchlichen)
Stimuli, um Schildkrötennester ausfindig zu machen. Seit 1999 markierten
wir Zierschildkrötennester (
Chrysemys picta) infolge einer
Langzeitstudie, wobei wir Popsicle (TM) Aufkleber benutzten, die zum Teil mit
einem Halter in die Nisthöhle eingesteckt wurden. Weil diese Art der
Markierung ein Signal sein könnte, was von möglichen Beutegreifern
genutzt werden kann, um Nester ausfindig zu machen, untersuchten wir, ob dem so
ist und die Häufigkeit von Nestplünderungen zunahm. Während der
Nistsaison legten wir 15 Paare von künstlichen Nestern an (n=30 Nester
insgesamt). Dazu wurden Nestgruben ausgehoben und wieder verfüllt (so dass
sie in etwa den Nestern von Schildkröten entsprachen), wobei die
künstlichen Nester innerhalb eines natürlichen Nistareals lagen. Jedes
Nestpaar bestand aus zwei künstlichen Nistgruben, die 45 cm von einander
entfernt lagen, aber nur eine der beiden Nistgruben wurde mit dem Popsicle (TM)
Aufkleber markiert, und es waren in keinem der künstlichen Nistgruben Eier
platziert worden. Nach einer Woche hatten bei neun der künstlichen
Nestpaare Plünderungen stattgefunden, wobei in allen Fällen nur das
markierte Nest eröffnet worden war. Ein Binominal Test ergab, dass dieses
Plünderungsmuster mit hoher Signifikanz nicht zufällig verteilt war.
Es ist möglich, dass Beutegreifer sich am Geruch der Popsicle (TM)
Aufkleber orientieren, da es im Untersuchungsgebiet sehr viele Säugetiere
gibt, die als Beutegreifer in Frage kommen, so dass wir olfaktorisch orientierte
Räuber nicht ausschließen können. Allerdings nehmen wir an, dass
Raben (
Corvus corax) und Amerikanische Krähen (
Corvus
brachyrhynchos) als visuell orientierte Räuber die primären
Beutegreifer darstellen, die sich an den Aufklebern orientieren. Zukünftige
Experimente mit echten Schildkröteneiern in markierten und unmarkierten
Nestern könnten klären, ob die Markierung einen signifikanten
Mortalitätsfaktor bei Untersuchungen an Zierschildkrötennestern
darstellt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Nun ich denke das Ergebnis ist klar und zusätzliche Experimente mit
echten Eiern würden höchstens abklären, ob der Geruch von echten
Eiern oder der Aufkleberduft von olfaktorisch orientierten Räubern genutzt
wird. Mich wundert nur, dass man das nicht längst bei der Auswertung der
Daten an natürlichen von den Schildkröten angelegten Nestern
überprüft hat. Man muss ja nicht alle Nester markieren oder in
gleicher Weise markieren, denn seit 1999 sind 8 Jahre vergangen, in denen
wahrscheinlich Daten erhoben wurden, deren Aussagekraft, zumindest was die
Schlupfraten anbelangt, in Frage gestellt sein dürften. Insofern sicher
wieder einmal ein schönes Lehrstück für die Feldherpetologie zur
richtigen Planung von Freilandexperimenten. Gut dass Zierschildkröten noch
sehr häufig sind, denn die Folgen wären sicherlich verheerender, wenn
man die letzten Nester einer stark bedrohten Art durch
Markierungsmaßnahmen der vermehrten Plünderung an heim gestellt
hätte. Nichtsdestotrotz ein aufrichtiges Lob an die Verfasser der Arbeit
auch solche Befunde und Feststellungen nicht einfach unter den Tisch zu kehren
und sie zu veröffentlichen, denn nur dadurch können solche Fehler
zukünftig vermieden werden. Allerdings vermisst man da auch deutlich die
synökologische Betrachtungsweise, die es wohl von Anfang an erfordert
hätte, sich nicht nur auf die Schildkröten zu fokussieren, sondern
deren Umfeld einschließlich der Fähigkeit der Räuber mit in die
Planungen einzubeziehen.
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