Wissenschaft im Fokus
Rouag, R., S.
Benyacoub, L.
Luiselli, E. H.
El Mouden, G.
Tiar & C.
Ferrah (2007): Population structure and demography
of an Algerian population of the Moorish tortoise, Testudo graeca.
– Animal Biology 57 (3): 267-279.
Populationsstruktur und Demographie einer algerischen
Population der Maurischen Landschildkröte, Testudo graeca
Die demographische Entwicklung und Aspekte der Populationsbiologie wurden hier
für die Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca graeca im
Nationalpark Pare National d'El Kala im nordöstlichen Algerien untersucht.
Die Populationsdichte, die anhand der Fang-Wiederfangmethode in einem 30 ha
umfassenden Areal untersucht wurde, lag bei 3,73 Individuen/ha. Das
Geschlechterverhältnis der Adulten war fast ausgeglichen (1,06:1). Die
Geschlechtsreife wurde im Alter von 7-8 Jahren bei den Männchen erreicht,
und Weibchen erreichten sie zwischen dem 9 und 11 Lebensjahr. Das
Durchschnittsalter der Schildkröten betrug 13,8 +/- 6,4 Jahre (n = 88). Das
maximale Lebensalter lag für beide Geschlechter bei über 20 Jahren.
Die Weibchen erreichten eine größere Körpergröße als
die Männchen. Während der ersten Lebensjahre zeigten die
Schildkröten ein sehr schnelles Wachstum bei beiden Geschlechtern, das dazu
tendierte, fast komplett zu stoppen, diese Wachstumsreduktion erfolgte bei den
Männchen zwischen dem 9-12 und bei den Weibchen zwischen dem 8-10
Lebensjahr. Nach der plötzlichen Wachstumsreduktion betrug die
durchschnittliche Zuwachsrate bei den Adulten, die über mehre Jahre
ermittelt wurde, nur noch 11,34 mm/Jahr für Männchen und 26,30 mm/Jahr
für Weibchen. Die Sterberate lag bei etwa 3,94 %. Die Haupttodesursache der
Landschildkröten dieser Population wurde durch das Auftreten und die
Ausbreitung von Feuern verursacht. Diese Daten sind von allgemeinem Interesse,
denn die demographischen Muster von
Testudo graeca Populationen
scheinen nicht nur aufgrund ihrer hohen genetischen Diversität zu
variieren, sondern werden auch durch Umwelt bedingte Stressfaktoren
mitbestimmt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Hierbei handelt es sich um eine sehr ausführliche Dokumentation der
Populationsparameter, die einmal klarmacht, dass auch unter natürlichen
Bedingungen z. B. die anfänglichen Wachstumsraten der Jungschildkröten
sehr hoch sind, wobei es mir fast schwer fällt nachzuvollziehen, warum die
Autoren auf einen fast kompletten Wachstumsstop verweisen, denn die Zuwachsraten
der Adulttiere erscheinen mir auch nicht gerade niedrig. Solche Zuwachsraten
lassen sich aber sicherlich nur dadurch erreichen, dass die Tiere auch das
entsprechende Futterangebot nutzen (siehe auch El
Mouden et al. (2006): Journal of arid Environments 64 (3): 422-435 oder
SiF 3 (2) 2007). Zudem wird hier wieder einmal
auf die verheerende Wirkung von Bränden verwiesen, was mich durchaus an die
katastrophalen Umstände des letzten Sommers erinnern lässt (siehe auch
Kommentar zu Anadon et al. (2007): Assessing
changes in habitat quality due to land use changes in the spur-thighed tortoise
Testudo graeca
using hierarchical predictive habitat models. –
Diversity and Distributions 13 (3): 324-331 oder
WiF-Archiv).
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