Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 17.04.2011
Rozylowicz L. & M. Dobre (2010): Assessing the threatened status of Testudo hermanni boettgeri
Mojsisovics, 1889 (Reptilia: Testudines: Testudinidae) population from Romania. – North-Western Journal
of Zoology 6 (2): 190-202.
Erfassung des Gefährdungsstatus der Testudo hermanni boettgeri
Mojsisovics. 1889 (Reptilia: Testudines. Testudinidae) Population in Rumänien.
Die Griechische Landschildkröte (
Testudo hermanni boettgeri Mojsisovics, 1889) kommt in
Rumänien an der Grenze ihres Gesamtverbreitungsgebiets vor. Das Hauptvorkommensgebiet in Rumänien liegt im südwestlichen Teil
des Landes in einer Zone mit suboptimalem, submediterranen Klima.
Testudo hermanni boettgeri wird auch im südöstlichen
Teil des Landes gefunden, allerdings ist die Population dort zu klein (relikthaft), um in dieser Studie erfasst zu werden. Das
Verbreitungsgebiet im Südwesten Rumäniens umfasst eine Fläche von etwa 4420 km
2, allerdings sind davon nur etwa
672 km
2 als gutes Habitat für Schildkröten anzusehen. Aus einer Sicht mit dem Ziel der Verbreitungsgebietserweiterung
heraus muss man feststellen, dass die Griechische Landschildkröte in Rumänien eine Unterart mit einem sehr begrenzten Habitat
darstellt, wobei die Population derzeit sehr abnimmt – eine Tendenz, die sehr wahrscheinlich in der Zukunft anhalten wird. Dieser
Rückgang wird durch Habitatverlust verursacht. Die Hauptgefährdungen für die Griechische Landschildkröte ergeben sich
durch die Erschließung von Neubaugebieten, dem wachsenden Tourismus mit seinem Landverbrauch für Sport- und Erholungsanlagen, dem
zunehmenden Anbau einjähriger Feldfrüchte, Ausweitung der Flächen für den Bergbau und zum Kraftwerksbau zur
Energieproduktion und einer Zunahme bei den Bränden und deren Intensität, Trockenheit und Klimawandel. Anhand des erfassten
Gefährdungsstatus und in Anlehnung an die von der IUNC vorgegebenen Kriterien auf regionalem Niveau führte dazu, die Art in die
Kategorie als gefährdet (endangered) EN Blab(i,ii,iii,v) einzuordnen.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Im Grunde genommen sehen wir immer die gleichen Gefährdungen, und wenn wir uns einige der Ursachen anschauen, dann kann man auch
hier vermuten, dass es für das Überleben mancher Arten nicht unbedingt von Vorteil sein muss, dass das Land, in dem ihr
Vorkommensgebiet liegt nun der EU beigetreten ist. Es ist schon erstaunlich, dass wir zwar Wissenschaftler in die Dritte Welt zur Erfassung
bedrohter Pflanzen- und Tierarten schicken, um dort den Biodiversitätsverlust zu erfassen oder gar zu begrenzen und Empfehlungen
für die Einrichtung von Nationalparks auszusprechen, es aber hier in den eigenen Mitgliedsstaaten der EU anscheinend nicht schaffen,
mit gutem Beispiel voranzugehen. Da muss man sich doch fragen, warum ist das so? Denn wenn wir das nicht hinbekommen, dann sieht es auf
lange Sicht erst recht sehr düster für die so genannten noch ärmeren Staaten der Dritten Welt aus. Siehe Kommentar zu
Walker (2010), Hoffmann & Sgro (2011).
Literatur
Hoffmann, A. A. & C. M. Sgro (2011): Climate change and evolutionary Adaptation. – Nature 470:
479–485 oder
WiF-Archiv.
Walker, R. C. J. (2010): The Decline of The Critically Endangered Northern Madagascar Spider Tortoise
(
Pyxis Arachnoides Brygooi). – Herpetologica 66: 411–417 oder
WiF-Archiv.
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