Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 15.01.2017 Share it on Facebook


Rusli, M. U. & D. T. Booth (2016): Bigger clutch sizes save offspring energy during nest escapes. – BEHAVIORAL ECOLOGY AND SOCIOBIOLOGY; 70: 607–616.

Größere Gelege ersparen den Nachkommen Energie beim Verlassen des Nests.


Schildkrötenschlüpflinge verlassen typischerweise ihr unter der Erde befindliches Nest in Gruppen, so dass man die Ansicht vertreten kann, dass dieser Prozess ein weiteres Beispiel dafür sein könnte wie Tiere sich eine gemeinsame Aufgabe teilen (in diesem Fall das Ausgraben aus dem Nest), um den individuellen Energieverbrauch zu minimieren. Frühere Studien berichteten schon über den Energieverbrauch während der Embryonalentwicklung bei verschiedenen Schildkrötentaxa, allerdings hat keine dieser Studien bislang untersucht, wie viel zusätzliche Energie beim Ausgraben aus dem Nest verbraucht wird. Wir fanden, dass die Schlüpflinge der Brisbane-Flussschildkröte (Emydura macquarii signata) für diese Ausgrabungsaktivität ungefähr 50 % ihrer Restdottermengenenergie verbraucht. Wir nutzten ein offenes Durchflussrespirometriesystem, um die Auswirkungen der Gelegegröße auf den individuellen Energieverbrauch beim Ausgraben aus dem Nest zu bestimmen. Die verbrauchte Energiemenge pro Schlüpfling, die ein 15 cm im feuchten Sand vergrabenes Nest verließen, schwanke zwischen 0,34 und 2,32 kJ und zwar in Abhängigkeit von der Anzahl der sich gemeinsam ausgrabenden Schlüpflinge. Damit ist gezeigt, dass der Energieverbrauch mit zunehmender Anzahl der gemeinsam grabenden Schlüpflinge sinkt. Ein Befund, die Hypothese der Sozialen–Zusammenarbeit unterstützt, welche besagt, dass die Schlüpflinge beim Verlassen des Nest zusammenarbeiten, um sich die Arbeitsleistung und Energiekosten die für das Verlassen der Nistgrube aufgebracht werden muss zu teilen und um diese pro Individuum zu minimieren. Der reduzierte Energiebedarf, der mit einer größeren Anzahl an Schlüpflingen assoziiert war, ergab sich dadurch, dass mehr Schlüpflinge zusammen wesentlich weniger Zeit brauchten um das Nest zu verlassen. Wir schließen aus diesen Ergebnissen, dass die synchrone Grabaktivität durch mehrere Schlüpflinge während des Verlassens des Nests sich nicht deshalb in der Evolution einstellte, um schneller das Nest verlassen zu können, sondern auch um damit den individuellen Energieverbrauch zu optimieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Selbst wenn die Evolution wertfrei agiert, wie ich meine, und viele dieser Beobachtungen nur von uns so in einer wertenden Form beschrieben werden, bringt diese Studie doch einen sehr frühen Aspekt einer sozialen Interaktion für Schildkröten zum Ausdruck, die vielen so sicherlich unbekannt sein dürfte, da wir ja soziale Interaktion meist landläufig nach unseren menschlichen Maßstäben interpretieren. Wie Sie sehen gibt es soziale Kommunikation und Interaktion auch schon bei Schildkröten, zumindest dann wenn damit unter bestimmten Umweltbedingungen Überlebensvorteile verbunden sind. Siehe dazu auch Kommentar zu Blumberg (2016) und die dort angeführte Literatur.

Literatur

Blumberg, M. S. (2016): Development evolving: the origins and meanings of instinct. – Wiley Interdiscip Rev Cogn Sci. doi: 10.1002/wcs.1371 oder Wif-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus