Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 05.06.2011
Salinas, M., Altet, L. Clavel, C., Almela, R.M., Bayon, A., Buguete, I. & A. Sanchez (2011): Genetic
assessment, illegal trafficking and management of the Mediterranean spur-thighed tortoise in Southern Spain and Northern Africa. –
CONSERVATION GENETICS, 12(1): 1–13 pp.
Genetische Erhebung über das illegale Verbringen und Management von mediterranen Maurischen
Landschildkröten in Südspanien und Nordafrika.
Wildlebende Populationen vieler Arten sind im Rückgang begriffen, da sie durch Habitatzerstörung, Klimawandel und Wilderei zu
Nahrungsmittelzwecken oder den Tierhandel bedroht sind. Da es für die Maurischen Landschildkröten (Testudo graeca graeca) rund um
das Mittelmeer eine lange Handels- bzw. Nutzungsgeschichte gibt sind die Populationen als hochgradig gestört zu bezeichnen. In dieser
Studie nutzten wir einen molekularen Ansatz um deren Diversität zu untersuchen um festzustellen wie die Populationsstrukturen von
T. g. graeca aussehen und wie durchmischt die Populationen in Nordafrika und Südspanien sind. Ebenso wollten wir einen
Einblick in die Zusammensetzung von Populationen gewinnen die sich erst kürzlich (neu) in Südeuropa etabliert haben. Wir
sequenzierten dazu zwei Teilregionen der mitochondrialen RNS (12s rRNS + cyt b) und führten eine Genotypisierung mit 16
Mikrosatellitenmarkern bei 448 Schildkröten durch. Unsere Ergebnisse stimmen mit der Hypothese überein, dass die spanischen
Populationen ursprünglich auf Tiere aus Nordafrika zurückgehen und liefern Anzeichen für mehrfaches Einbringen von Tieren
(Austausch von genetischem Material) durch transozeanische Verbreitung. Trotz des Handels mit Schildkröten zwischen beiden Seiten der
Straße von Gibraltar zeigen unsere Populationsanalysen in Bezug auf die Populationsstruktur klare Unterschiede zwischen den
nordafrikanischen und europäischen Populationen, die vermuten lassen, dass sich in Südspanien eine eigenständige evolutive
Linie herausbildet. Als solches zeigen die Populationen einzigartige genetische Identitäten und sollten als unterschiedliche
Managementeinheiten angesehen werden. Überraschenderweise zeigten die genetischen Daten eine hohe Diversität bei den
Schildkröten die in menschlicher Obhut gepflegt und gezüchtet werden, wobei wir auch in der Lage waren Hybriden mit anderen Arten
wie
T. hermanni hermanni aus Nordspanien aufzuzeigen. Zusätzlich liefern unsere Daten auch Einsichten im Bezug auf die eher
lokalen Handelsbewegungen für Schildkröten die rund um das mediterrane Becken zwischen Nordafrika und Südspanien
stattgefunden haben. Als solches liefern sie eine Richtlinie für ein effektives Management der in menschlicher Obhut gehaltenen
Schildkröten und deren illegale Verbringung.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Hierbei handelt es sich um eine Studie die insbesondere in Bezug auf mitochondriales Erbgut die direkten Abstammungs- bzw.
Verwandtschaftsverhältnisse analysiert und uns klar zeigt was man damit machen kann. Denn letztendlich zeigt diese Studie nicht nur wie
die Vorhergegangene (Garcia et al. 2011), dass die südeuropäischen Populationen eine eigene
Evolutionslinie auszuprägen beginnen sondern liefern der Umweltpolitik auch klare Vorgaben wie die Heimtierhaltung und insbesondere der
Heimtierhandel zu bewerten und wohl zukünftig auch zu behandeln sind. Effektives Management heißt ja in diesem Zusammenhang
nichts anderes als entsprechende Vorgaben und Einschränkungen im Bezug auf die Schildkrötenhaltung, Zucht und Weitergabe von
Exemplaren zu veranlassen.
Literatur
Gracia, E., A. Gimenez, J. D. Anadon, F. Botella, S. Garcia-Martinez & M. Marin (2011): Genetic patterns of
a range expansion: The spur-thighed tortoise
Testudo graeca graeca in southeastern Spain. – Amphibia-Reptilia 32 (1):
49–61 oder
WiF-Archiv.
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