Wissenschaft im Fokus
Scantlebury, M. & P.
Minting (2006): Differences in resting metabolic
rates of two southern African tortoises: Psammobates oculiferus and
Geochelone pardalis – African Journal of Herpetology 55 (2):
161-165.
Unterschiede in der metabolischen Rate in Ruhe bei zwei
südafrikanischen Landschildkröten: Psammobates
oculiferus und Geochelone pardalis
Der Energiemetabolismus (Umsatz) schwankt erheblich zwischen den verschiedenen
Gruppen der endothermen Tiere, bis jetzt gibt es aber nur wenige Daten und kaum
Berichte über die Unterschiede zwischen den Gruppen von Reptilien. Wir
maßen die Ruheraten der metabolischen Aktivität (RMRs) bei der
Stachelrand-Landschildkröte (
Psammobates oculiferus) im Vergleich
zur sympatrisch vorkommenden Pantherschildkröte (
Geochelone
pardalis).
G. pardalis hatte RMR-Werte, die höher lagen als
es die allometrisch errechneten Vorhersagen für Reptilien vermuten
ließen, wohingegen
P. oculiferus RMR-Werte zeigte, die nicht
signifikant von den Vorhergesagten abwichen. Die festgestellten Unterschiede
zwischen den beiden Spezies könnten auf den Unterschieden in den
Körpermassen beruhen, ebenso wie auf Unterschieden in der
Körpertemperatur, unterschiedlichen Wachstumsraten oder darauf, dass es
Unterschiede in der Wärmeaufnahme oder Erzeugung des Futters gibt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Hierbei handelt es sich um interessante Befunde, die andeuten, dass man mit
den Berechnungsgrundlagen, die man zur Abschätzung des Energieumsatzes
für Reptilien erarbeitet hat, den Energieumsatz für kleine Spezies
einigermaßen gut kalkulieren kann, für größere Arten aber
unterschätzt. Es wäre interessant zu wissen, ob junge (kleine)
Pantherschildkröten noch die gleichen RMR-Werte zeigen wie
Stachelrand-Landschildkröte, denn das würde bedeuten, dass sich kleine
Pantherschildkröten entweder anders ernähren oder weniger
Energieumsatz pro Zeiteinheit haben als adulte Pantherschildkröten, denn
das würde bedeuten, dass man diese Unterschiede bei der Fütterung und
Aufzucht berücksichtigen müsste (z. B. wenn kleine Schildkröten
wie von Balsamo et al. (2004): African Zoology 39:
175-181 oder WiF-Archiv und
Henen et al. (2005): South African Journal of
Science 101 (9-10): 435-438 oder WiF-Archiv;
beschrieben, generell eher ballaststoffarme Nahrung aufnehmen, würde auch
die Fermentierung weniger Abwärme erzeugen). Für große
Schildkröten, die ballaststoffreichere Nahrung aufnehmen, kann man durchaus
davon ausgehen, dass allein die Nahrungsmenge im Darm während der
Fermentierung eine gewisse Menge an Wärme erzeugt, die in einem
großen Körper länger gespeichert werden kann, und es dazu bei
erhöhter Temperatur auch zu einem erhöhten Grundumsatz der Energie
kommt, was ebenfalls eine Anpassung in Bezug auf die artgerechte Fütterung
erfordern würde (siehe auch Brown et al.
(2005): Journal of Herpetology 39 (1): 19) oder SiF
3/05). Solche Grundlagen zur Ernährungs- und Stoffwechselphysiologie
wären für ein besseres Verständnis der Ernährung sehr
hilfreich und könnten zumindest zum Teil auch an in Gefangenschaft
gehaltenen Tieren erhoben werden (s. Hatt et al.
(2005): Zoo Biology 24 (2): 185-191 oder SiF
1/06), denn auch diese Kenntnisse könnten helfen, Fehler bei der
Ernährung im Bezug zum Wachstum der Tiere zu vermeiden.
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