Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 30.03.2008
Schmidt, V., V.
Dyachenko, H.
Aupperle, M.
Pees, M. E.
Krautwald-Junghanns & A.
Daugschies (2007):Case report of systemic
coccidiosis in a radiated tortoise (Geochelone radiata). –
Parasitology Research 102 (3): 431-436.
Fallbericht einer systemischen Kokzidiose bei einer
Strahlenschildkröte (Geochelone radiata)
Mehr als 30 Spezies von Kokzidien wurden als Parasiten bei den Chelonidae
(Land- und Wasserschildkröten) beschrieben.
Eimeria spp. sind
offensichtlich die häufigsten Kokzidien bei Schildkröten. Befunde,
dass
Caryospora cheloniae,
Isospora sp. und
Mantonella sp. auftreten, wurden auch beschrieben, allerdings sind
Berichte über eine systemische Kokzidiose selten. Wir beschreiben einen
Fall einer zytologisch diagnostizierten Kokzidiose bei einer
Strahlenschildkröte (
Geochelone radiata), die in Gefangenschaft in
Deutschland nachgezogen worden war. Die Infektion war systemisch, wobei das
gesamte Lymphsystem betroffen war. Intrazytoplasmatische Stadien der
Parasitenentwicklung wurden zytologisch, histologisch und anhand der
Ultrastruktur nachgewiesen. Die systemische Kokzidiose war assoziiert mit
verschiedenen Schweregraden von Entzündungsherden, die sich in
unterschiedlichen Organen fanden und die als Ursache für den Tod des Tieres
angesehen werden müssen. Fragmente der Kokzidien 18S- und 28S-rRNS aus der
Schildkrötenleber wurden sequenziert und zeigten die höchste
Übereinstimmung mit der Sequenz einer intrazellulären Kokzidie, die
vor kurzen für eine Sulawesi-Landschildkröte,
Indotestudo
forstenii und eine Pantherschildkröte
Geochelone pardalis
beschrieben worden war. Die phylogenetische Analyse innerhalb des
Kokzidienstammbaums zeigte eine Verwandtschaft zu den Spezies der Ordnung
Sarcocystidae. Die Biologie dieser Kokzidien und der Infektionsweg bleiben
für diesen hier beschriebenen Fall unklar.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Kokzidiosen bei Strahlenschildkröten wurden schon in der Vergangenheit
beschrieben, allerdings handelte es sich dabei meist um Wildfänge. Deshalb
wäre es schon interessant, ob sich Schildkröten zum Beispiel im
Tierhandel im Kontakt zu anderen Arten infizieren können oder ob es
Anhaltspunkte dafür gibt, dass es sich eben doch um einen Wildfang handeln
könnte. Aus epidemiologischer Sicht wäre dies sicher von Interesse.
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