Wissenschaft im Fokus
Schneeweiss, N. (2004): Climatic impact on
reproductive success of Emys orbicularis at the northwestern border of
the species' range (Germany). – Biologia 59, Suppl. 14: 131-137.
Der klimatische Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg von
(Emys orbicularis) an der nordwestlichen Grenze
ihres Verbreitungsgebietes (Deutschland)
Eiablagedaten, Schlupferfolg und Überlebensraten von
Emys
orbicularis Schlüpflingen, die im Nest überwintern, wurden mit
klimatischen Daten (Bodentemperatur, Sonnenscheinstunden) in Nordost-Deutschland
in Verbindung gebracht. Ein auf empirische Daten beruhendes mathematisches
Modell wurde erstellt, um den Einfluss der Temperatur auf die Entwicklung des
Embryos vorherzusagen. Für vier verschiedene Gebiete in Brandenburg wurde
die Brauchbarkeit der jährlichen Inkubationsbedingungen über 40 Jahre
aufgenommen, basierend auf der Korrelation zwischen Bodentemperatur und
Sonnenscheindauer. Im Langzeitvergleich hat der mehr kontinentale östliche
Teil von Brandenburg bessere Inkubationsbedingungen (55 % von 40 Jahren) als der
mehr atlantische Teil (32 % von 40 Jahren). Weibchen überwiegen in den
Populationen obwohl die Temperatur kaum über 28,5 °C in den
natürlichen Nestern liegt. Das legt eine genotypische
Geschlechtsdetermination unter natürlichen Inkubationsbedingungen nahe.
Anmerkung H.-J. Bidmon:
Beide vom Autor vorgestellten Befunde werfen die Frage auf, ob in diesen
natürlichen Populationen wirklich mehr Weibchen schlüpfen, oder ob aus
noch unbekannten Gründen Weibchen Überlebensvorteile haben, denn sie
scheinen auch bei den sehr alten Tieren (also nach langer Überlebenszeit)
das Geschlechterverhältnis zu dominieren. Selbst wenn es für E.
orbicularis
mehrere Anhaltspunkte dafür gibt, dass eine genotypische
Geschlechtsbestimmung vorliegt, bleibt unklar, warum Weibchen bessere
Überlebenschancen haben, obwohl sie lange Wanderungen zu den
Nistplätzen durchführen, die sie dem zusätzlichen Einfluss von
terrestrisch jagenden Beutegreifern aussetzen. Daher wäre es nützlich
zu wissen, ob wirklich schon wesentlich mehr weibliche als männliche
Schlüpflinge schlüpfen oder ob Schlüpflinge, die sich nur
während besonders warmer Sommer entwickeln und die dann vorwiegend weiblich
sein könnten, sehr viel bessere Überlebenschancen aufweisen, als jene
aus kühleren bzw. durchschnittlichen Jahren.
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