Wissenschaft im Fokus
Shi H., J. F.
Parham, M.
Lau, T.-H.
Chen (2007): Farming Endangered Turtles to
Extinction in China. – Conservation Biology 21 (1): 5-6.
Gewerbliche Zucht stark bedrohter Schildkröten bis
zu deren Ausrottung in China
Dieser „Letter“ hat kein Abstract, deshalb hier eine kurze
Zusammenfassung:
Die Autoren beschreiben einleitend unter Zitierung der bislang erschienen
Literatur die immer noch stark anhaltende Nachfrage nach Schildkröten zur
Ernährung und für die traditionelle Medizin, die die noch wild
lebenden Bestände in China und seinen Anrainerländern bedroht. Es
wird im Folgenden speziell darauf verwiesen, dass die internationalen
Erhaltungsmaßnahmen gerade durch Schildkrötenfarmen behindert werden,
wobei auf noch unveröffentlichte Untersuchungen des
Provincial Forestry
Bureaue for Endangered Species Import and Export Management Office of China
verwiesen wird, in denen etwa 1000 Schildkrötenfarmen mit einem Wert von
etwa einer Milliarde US Dollar gelistet sind. Es wird im Weiteren
ausgeführt, dass es gerade diese Farmen sind, die als Aufkäufer wild
lebender, illegal gesammelter Schildkröten auftreten, um ihre Zuchtgruppen
möglichst schnell mit adulten Tieren aufstocken zu können. Ebenso hat
sich gezeigt, dass die Reproduktionsrate bei vielen der Farmtiere relativ
schnell sinkt, was zum Zukauf von Wildfängen führt, um damit die
Reproduktionsraten hochzuhalten. Auch dienen die Farmen dazu, den Handel mit
Wildfängen zu legalisieren, indem Arten als Nachzuchten deklariert werden,
deren Zucht bislang nicht nachzuweisen ist, wie am Beispiel der
Großkopfschildkröte,
Platysternon megacephalum zu beobachten
sei. Mit der rapiden Abnahme der eigenen Bestände gehen die Farmen auch
zunehmend dazu über, nordamerikanische Arten der Gattungen
Chelydra (Schnapp-),
Macrochelys (Geier-) und
Trachemys (Schmuckschildkröten) zu züchten, die sich besser
vermehren, aber auch als fremde Arten zur Faunenverfälschung beitragen. In
diesem Zusammenhang verweisen die Autoren ganz gezielt darauf, dass erst die
Zukunft zeigen muss, ob Schildkrötenfarmen zur Arterhaltung und zum Erfolg
von Erhaltungsprogrammen beitragen, aber dass die Interessen und Ziele der
Farmer zurzeit in die entgegengesetzte Richtung gerichtet sind. Selbst wenn
diese Schildkrötenfarmen sich positiv entwickeln und zur Erhaltung
beitragen würden, hätte China immer noch ein kulturelles Problem, denn
gerade die traditionelle chinesische Medizin propagiert die Wirksamkeit von
Wildtierprodukten, und dieses Bewusstsein ist sehr tief verankert. Dieses
Bewusstsein trägt auch heute noch dazu bei, dass die Preise für
Wildfänge und die damit zu erzielenden Gewinne sehr viel höher liegen
als für Farmzuchten. Gerade dadurch hat bis heute das starke Absammeln wild
lebender Bestände keineswegs abgenommen. Zum Abschluss wird diskutiert,
dass das wirtschaftlich schnell wachsende China mit den Schildkrötenfarmen
kapitalistische Ziele zur schnellen Gewinnmaximierung verfolgt und dabei die
Erhaltung der Biodiversität hinten anstellt. Es werden schöne
bildhafte Beschreibungen gegeben, wie sich die Schildkrötenfarmen als
„falsche Archen“ hervortun, indem sie die letzten wild lebenden
Exemplare aufkaufen, zusammenschmeißen, züchten und zur
Fleischgewinnung und Suppenherstellung vermarkten. Es wird darauf verwiesen,
dass nur noch ein massives und radikales Eingreifen der chinesischen Regierung
bezüglich der Regulierung und Überwachung der Farmen das Schlimmste
verhindern kann und dass die Zukunft der Schildkröten nicht besser
aussieht, als wir es von anderen Wildtieren wie Krokodilen, Schlangen und
Bären her kennen. Etwas zynisch erwähnen die Autoren im Schlusssatz,
dass chinesische Schildkrötenfarmen ein transientes, vorübergehendes
Phänomen darstellen, das letztendlich durch ein permanentes Phänomen
ersetzt werden wird; nämlich der permanenten Ausrottung.
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