Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 21.02.2009
Siroký P., P. Mikulícek, D.
Jandzík, H. Kami, A. D. Mihalca, R. Rouag, M. Kamler, C. Schneider M.
Záruba & D. Modrý (2008): Co-Distribution Pattern of a
Haemogregarine Hemoliva mauretanica (Apicomplexa: Haemogregarinidae)
and its Vector Hyalomma aegypticum (Metastigmata: Ixodidae). –
Journal of Parasitology 95 (3): 728-733.
Gemeinsame Verbreitungsmuster der Hämogregarine,
Hemolivia mauretanica (Apicomplexa:
Haemogregarinidae) und Hyalomma aegyptium
(Metastigmata: Ixodidae)
Die Zecke,
Hyalomma aegyptium wurde bei Landschildkröten,
Testudo graeca in den verschiedensten Herkunftsgebieten gesammelt wie:
Nordafrika, Balkan und Naher sowie im Mittleren Osten. Die Intensität des
Zeckenbefalls reichte von einer bis zu 37 Zecken pro Schildkröte. Das
Geschlechterverhältnis der saugenden Zecken war zu Gunsten der
Männchen verschoben und zwar in allen getesteten
Schildkrötenpopulationen. Größere Schildkröten trugen mehr
Zecken als kleinere Schildkröten. Jungtiere waren entweder frei von Zecken
oder trugen nur sehr wenige Zecken. Allerdings fehlte
Hyalomma
aegyptium im westlichen Souss-Tal und im Ourikatal von Marokko, der
Cyrenaica-Halbinsel von Libyen, Jordanien, und in den Antilibanon-Bergen Syriens
völlig. Für
Hemolivia mauritanica, wurde ein heteroxener
apicomplexer Zyklus zwischen
Testudo graeca und
Hyalomma
aegyptium nachgewiesen für Algerien, Rumänien, Türkei,
Syrien, Libanon und den Iran. Die Befallsrate mit diesen Blutparasiten reichte
von 84 % in Rumänien (n=45), 82 % in der östlichen Türkei (n=28)
und 82 % im nordwestlichen Syrien und dem angrenzenden türkischen
Grenzgebieten (n=90) bis zu 38 % im Libanon (n=8) und einer infizierten
Schildkröte in Algerien (n=16). Die Befallsintensität (% befallener
Erythrozyten) mit Blutparasiten reichte von 0,01 % bis zu 28,17 %. Die
Prozentzahl der mit
Haemolivia-infizierten Erythrozyten lag bei den
adulten Schildkröten signifikant höher. Alle Landschildkröten aus
Hyalomma freien Regionen waren auch frei von
Haemolivia.
Bemerkenswerterweise waren alle 29
T. graeca aus dem Jabal Duruz
(südwestliches Syrien) und 36
T. graeca aus einer Region
nördlich des mittleren Atlas (Marokko)
Haemolivia-negativ, obwohl
alle adulten Schildkröten dieser Regionen mit Zecken befallen waren. Diese
identischen Wirtspräferenzen von
H. aegyptium und
H.
mauritanica lassen vermuten, dass es eine Co-Evolution innerhalb des
Testudo-Hyalomma-Hemolivia Wirt-Parasiten-Komplexes gibt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine Arbeit, die wie die früheren Arbeiten (siehe:
Siroky, P., M. Kamler & D. Modry (2005):
Prevalence of Hemolivia mauritanica
(Apicomplexa: Adeleina:
Haemogregarinidae) in natural populations of tortoises of the genus
Testudo
in the East Mediterranean region. – Folia Parasitologica,
Prag 52 (4): 359-361 oder WiF-Archiv,
Siroky, P., M. Kamler, F. L. Frye, P. Fictum & D.
Modry (2007): Endogenous development of Hemolivia mauritanica
(Apicomplexa: Adeleina: Haemogregarinidae) in the marginated tortoise
Testudo marginata
(Reptilia: Testudinidae): evidence from experimental
infection. – Folia Parasitologica 54 (1): 13-18. oder
WiF-Archiv; Siroky, P., M.
Kamler & D. Modry (2004): Long-term occurrence of Hemolivia cf.
mauritanica
(Apicomplexa: Adeleina: Haemogregarinidae) in captive
Testudo marginata
(Reptilia: Testudinidae): Evidence for cyclic
merogony? – Journal of Parasitology 90: 1391-1393 oder
SiF 2 (3) 2005) klar zeigt, wie häufig
Tiere mit Blutparasiten infiziert sind. Gerade Tiere aus Farmen in der
Türkei oder den Balkanstaaten haben ein über 80-prozentiges
Infektionsrisiko. Bedenkt man dann, wie lange diese Blutparasiten auch unter
unseren Klimabedingungen in den Schildkröten weiter existieren können
(s. Zitate oben) wird klar, dass man besser auf Nachzuchtimporte von T.
graeca
, aber auch von T. marginata
, verzichten sollte – zum
einen weil das Risiko infektionsgeschwächte Tiere zu erwerben und als
Verkäufer dem ahnungslosen Käufern anzudrehen recht hoch ist, und zum
anderen kann die Verschleppung dieser Parasiten auch unter dem Aspekt der
globalen Erderwärmung ungeahnte Folgen nach sich ziehen. Zudem glaube ich
kaum, dass wir diese risikobehafteten Importnachzuchten brauchen, um das
Käuferinteresse abzudecken. Wer also vor diesem Hintergrund immer noch der
Meinung ist, des schnellen Geldes wegen zu importieren oder auf Seiten der
Käufer möglichst billige Importware zu erwerben, spielt mit dem Feuer
und braucht sich auch nicht zu wundern, wenn es schief geht. Zumindest für
den uninformierten Käufer können hier die Folgekosten beim Tierarzt
die Anschaffungskosten bei weitem übersteigen. Da die Situation der
Hemolivia
-Infektion nun schon seit Jahren bekannt ist, stellt sich hier
auch die Frage, warum plädieren eigentlich unsere Reptilientierärzte
im Sinne des Verbraucherschutzes nicht für eine konsequente
Blutuntersuchung bei solchen Importen. Letzteres wäre zumindest im
Interesse eines präventiven Verbraucherschutzes oder steht dabei das
finanzielle Interesse für die von den Käufern zu tragenden Folgekosten
eher im Vordergrund?
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