Wissenschaft im Fokus
Skovgaard, N. & T.
Wang (2006): Local control of pulmonary blood flow
and lung structure in reptiles: Implications for ventilation perfusion matching.
– Respiratory Physiology & Neurobiology 154 (1-2): 107-117.
Die Kontrolle des pulmonalen Blutflusses und der
Lungenstruktur bei Reptilien: Einsichten zur Ventilations- und
Perfusionsanpassung
Die Lungenstruktur (Aufbau) von Reptilien ist sehr unterschiedlich und reicht
von einfachen einkammerigen Lungen mit einer simplen Struktur bis zu komplexeren
und mehrkammerigen Lungen. Die Zunahme der strukturellen Komplexität
entstand durch die Evolution immer kleinerer Einheiten zum Gasaustausch, die
dann aber eine entsprechend große Oberfläche benötigten, um die
pulmonale Diffusionskapazität für O
2 zu erhöhen.
Allerdings erhöht eine Steigerung der strukturellen Komplexität auch
die Möglichkeiten für eine Heterogenität (Verschiedenheit) bei
der Ventilation-Perfusion (V/Q), die eine signifikante Größe in Bezug
auf den Gasaustausch darstellt. (Soll heißen: Ventilation, also Atem- oder
Belüftungsfrequenz und Gesamtoberfläche, an der Gasaustausch
stattfinden kann, bestimmen die Kapazität). Bei den meisten Reptilien ist
der Ventrikel (Herzkammern) anatomisch und auch funktionell getrennt, so dass
der Blutdruck im systemischen (Körper-) und pulmonalen (Lungen-) Kreislauf
gleich ist. Bei diesen Arten ist die Blutflussaufteilung zwischen pulmonalem und
systemischen Kreislauf primär durch den pulmonalen und den systemischen
Gefäßwiderstand vorgegeben. Somit, kann davon ausgegangen werden,
dass ein Anstieg des pulmonalen Gefäßwiderstands (z. B. durch
Kontraktion und Gefäßverengung) den pulmonalen Blutfluss reduziert,
wobei es zur Erhöhung des Rechts-zu- Links-Shunts im Herzen kommt (es
fließt mehr Blut über die linke Herzkammer in den Körper), was
dazu führt, dass die systemische Sauerstoffmenge sinkt. Es wurde vermutet,
dass lokale Mechanismen zur Regulation des pulmonalen Blutflusses bei Arten mit
komplexen Lungen ausgeprägter sind, da diese eine ausgeprägtere
V/Q-Heterogenität zeigen. Allerdings sollte eine lokale Kontrolle des
pulmonalen Blutflusses vermutlich auch dann gegeben sein, wenn das Herz nur
funktionell getrennt ist, denn der veränderte pulmonale
Gefäßwiderstand wirkt sich nicht so sehr auf die Shunt-Muster aus.
Die bislang vorhanden Ergebnisse dazu legen nahe, dass es einen Evolutionstrend
dahingehend gibt, dass eine lokale Regulation (Feintouning des Gasaustausches)
des pulmonalen Blutflusses bei Spezies mit strukturell komplexen Lungen
auftritt, aber dass auch mögliche andere Faktoren wie zum Beispiel das
Atmungsmuster für die Evolution der Entwicklung von regulatorischen
Mechanismen in den Lungen eine wichtige Rolle spielen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Warum dieses vielleicht für viele auf den ersten Blick etwas schwer
verständliche Abstract? Nun, es gibt einen guten, aktuellen Überblick
über die Lungenfunktion und Aufbau bei Reptilien und bietet mit 81
Literaturzitaten einen guten Einstieg in die Materie für jene, die sich
dafür interessieren. Denn Lungenfunktionen sind in Bezug auf die
Terraristik nicht erst dann interessant, wenn eine Infektion oder
Lungenentzündung vorliegt. Gerade an heiße Trockengebiete angepasste
Reptilien, z. B. Landschildkröten haben ja auf der äußeren Haut
effektive Mechanismen zur Begrenzung des Wasserverlusts entwickelt, aber da sie
atmen müssen, sind für sie die Atemwege und Lungen die Schwachstelle
bei der Regulation ihres Wasserhaushalts (in allen Lebensphasen können sie
mit der Atemluft Feuchtigkeit verlieren), und gerade dazu liefern uns solche
Arbeiten grundlegende Informationen für ein besseres Verständnis.
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