Wissenschaft im Fokus
Sparling, D. W., C.
Matson, J.
Bickham & P.
Doelling-Brown (2006): Toxicity of glyphosate as
Glypro (R) and LI700 to red-eared slider (Trachemys scripta elegans)
embryos and early hatchlings. – Environmental Toxicology and Chemistry 25
(10): 2768-2774.
Toxizität der Glyphosate als Glypro (R) and LI700
für Embryos und Frühschlüpflinge von
Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta
elegans)
Mehr als 8.2 Millionen Hektar Ackerland, Gartenfläche, und Waldgebiete
werden jährlich mit Herbiziden (so genannte
„Unkrautvernichter“) aus der Gruppe der Glyphosate behandelt.
Während die Toxizität von Glyphosaten und der verwendeten
Lösungsmittel bei einigen Wirbeltieren getestet wurden, so wurden bislang
nur wenige bis gar keine Untersuchungen bei Reptilien durchgeführt. Unter
bestimmten Umständen ist es auch für das Management von
Schildkrötenpopulationen erforderlich bestimmte Sukzessionsstadien
(Entwicklungsstadien der Vegetation) zu kontrollieren und zu erhalten wobei auch
Herbizide eingesetzt werden. Adulte und junge Schildkröten können
davon direkt betroffen sein, während die Embryonen über den Kontakt
mit kontaminierter Erde durch die Chemikalien beeinträchtigt werden
könnten. In der vorgelegten Studie wurden Eier der
Rotwangenschildkröte (
Trachemys scripta elegans) einer einmaligen
Behandlung mit entsprechenden Herbiziden in einer Dosierung von 0 bis zu 11,206
ppm (Feuchtgewicht) der Glyphosate Glypro (R) und 0 bis zu 678 ppm des
Surfactants (Haftmittels LI700) unterzogen. Der Schlupferfolg war bei Gabe der
höchsten Dosis signifikant niedriger (73 %) im Vergleich zu Kontrollen
(80-100 %). Bei Exposition zur höchsten Dosis war auch das Schlupfgewicht
im Vergleich zu niedrigeren Konzentrationen reduziert. Während einer
14-tägigen Haltungsperiode beobachteten wir einen deutlichen
Dosis-Wirkungs-Effekt auf die Umdrehreaktion (aus Rückenlage; Fitnesstest)
bei den Schlüpflingen. Am Ende der Haltungsperiode waren die
Schlüpflinge, die der höchsten Dosis ausgesetzt waren, immer noch
deutlich leichter und zeigten auch andere Anzeichen körperlicher
Beeinträchtigungen im Vergleich zu den anderen Behandlungsgruppen.
Genetische Schädigungen, die an Hand der Durchflusszytometrie erfasst
wurden, stiegen mit zunehmender Dosis an, mit Ausnahme der Gruppe mit der
höchsten Konzentration. Da sehr hohe Konzentrationen notwendig sind, um
Schädigungen hervorzurufen und weil die Gelege durch mehrere Zentimeter
Erde geschützt sind, schließen wir aus den Daten, dass Glyphosate und
LI700 nur ein niedriges Risiko für die Embryonen von
Rotwangenschildkröten während normaler Freilandapplikation darstellen.
Unsachgemäßer Umgang mit Glyphosaten oder das Nichtbeachten der
Handhabungshinweise können negative Auswirkungen haben. Ebenso kann ein
Gesundheitsrisiko für die Schildkrötenembryonen vorhanden sein,
welches auf Parametern beruht, die in dieser Studie nicht erfasst wurden.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Zu bedenken bleibt, dass genetische Schädigungen auch bei geringeren
Dosen beobachtet wurden und bislang nicht untersucht wurde, welche
Langzeitkonsequenzen sich für die Tiere ergeben, z. B. Vererbung von
Genschäden. Außerdem geht die Studie in keiner Weise darauf ein, wie
sich Anreicherungen von Glyphosaten im Boden auswirken würden, denn gerade
Arten, die meist tiefer liegende Feuchtgebiete besiedeln, könnten von den
von großflächigen Ländereien mit dem Regenwasser
abgespülten und in feuchten Senken ankonzentrierten Chemikalien weit
stärker und lang anhaltender betroffen werden, als bislang angenommen. Aber
was soll's, und wer denkt schon an so was! Wir sind doch geübt darin, immer
erst Großversuche im realen Leben zu starten, um dann, wenn es zu
spät ist, mit dem Jammern zu beginnen (siehe Handytelefonie: Sollte bei
unserm eigenen Nachwuchs sich wirklich zeigen, dass in 20 Jahren die Zahl der
Hirntumore drastisch ansteigt, erinnern wir uns vielleicht auch noch wage daran,
dass vor diesem Risiko doch schon mal vor „Urzeiten“ gewarnt wurde).
Warum soll es da den Tieren besser gehen als uns? Sicher, als Mensch und als
Krone der Schöpfung muss man Prioritäten setzen, denn der Rubel muss
ja rollen. Zwei davon sind halt möglichst viele (wenn auch oft inhaltslose)
Telefonate zu führen und Unkrautvernichtung (in Bezug auf Letzteres und im
Hinblick auf die oben erwähnten Pflegemaßnahmen, also Management
für Schildkrötenbiotope, fragt man sich allerdings: Warum wurde die
Sense erfunden?).
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