Wissenschaft im Fokus
Stehen, D. A., M. J.
Aresco, S. G.
Beilke, B. W.
Compton, E. P.
Condon, C. K.
Dodd, H.
Forrester, J. W.
Gibbons, J. L.
Greene, G.
Johnson, T. A.
Langen, M. J.
Oldham, D. N.
Oxier, R. A.
Saumure, F. W.
Schueler, J. M.
Sleeman, L. L.
Smith, J. K.
Tucker & J. P.
Gibbs (2006): Relative vulnerability of female
turtles to road mortality. – Animal Conservation 9 (3): 269-273.
Relative Verletzbarkeit weiblicher
Wasserschildkröten bezüglich Straßenmortalität
Jüngste Studien lassen vermuten, dass die Populationen von
Wasserschildkröten zunehmend vom männlichen Geschlecht dominiert
werden. Der hypothetische Grund dafür ist der höhere
Gefährdungsgrad der Weibchen auf Straßen getötet zu werden. Wir
evaluierten diese Hypothese durch den Vergleich der
Geschlechterverhältnisse von publizierten und noch nicht publizierten
Populationsuntersuchungen von Wasserschildkröten, die an durch
Straßenverkehr betroffenen Populationen und solchen, die unbeeinflusst
waren, durchgeführt worden waren. Dabei werteten wir Daten von insgesamt
38.166 Schildkröten von 157 Studien aus, die Angaben zum
Geschlechterverhältnis enthielten. Es wurde durchgängig festgestellt,
dass gerade die Fraktion der großen, weiblichen Schildkröten 61 % der
auf Straßen getöteten Tiere ausmachte, während sie unter
Normalbedingungen für diese Klasse bei 41 % lag. Wir schließen
daraus, dass die Wahrscheinlichkeit des Überfahrenwerdens für
große Weibchen, die Straßen überqueren, höher liegt als
für Männchen. Das könnte dazu beitragen, dass es zu einer von
Männchen dominierten Verschiebung im Geschlechterverhältnis der
betroffenen Populationen kommt. Letzteres könnte durch die differentielle
Auslöschung der Weibchen zum Populationsrückgang führen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Siehe auch Aresco (2005): Journal of Wildlife
Management 69: 549 ff. oder WiF-Archiv. Für mein
Dafürhalten ist die Beobachtung grundsätzlich richtig. Die
Interpretation leuchtet mir aber nicht ganz ein, denn die Chance überfahren
zu werden, halte ich für alle Altersklassen gleich hoch. Entscheidend
dürfte aber sein, dass die größten Schildkröten und das
sind nun mal die Weibchen, bei Trockenheit früher und damit häufiger
wandern, um noch entsprechend tiefe Tümpel zu finden, während kleinere
Tiere wie junge Weibchen und Männchen meist wesentlich länger
ausharren können. Zudem kann sich für legereife Weibchen auch eine
zusätzliche Gefährdung ergeben, wenn sie alljährlich zum
Erreichen ihrer Nistplätze Straßen überqueren müssen oder
zur Ablage Straßenränder aufsuchen, die durch die vom Asphalt
abgestrahlte Wärme optimal temperiert sind. Siehe
Aresco (2005) Biological Conservation 123: 37 ff.
oder WiF-Archiv.
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