Wissenschaft im Fokus
Stuart, B. L. & J. F.
Parham (2007): Recent hybrid origin of three rare
Chinese turtles. – Conservation Genetics 8 (1): 169-175.
Kürzliche Identifizierung dreier seltener chinesischer
Sumpfschildkröten als Hybriden
Drei seltene geoemydide Sumpfschildkröten, die aus dem chinesischen
Tierhandel der frühen 1990iger Jahre bekannt geworden waren,
Ocadia
glyphistoma,
O. philippeni, und
Sacalia pseudocellata,
stehen unter Verdacht Hybriden zu sein, weil sie nur von ihrer
Originalbeschreibung her bekannt sind (also nie in der Natur gefunden wurden)
und weil sie Morphologien zeigen, die zwischen jenen liegen, die von anderen
besser erforschten Spezies bekannt sind. Wir klonierten die Allele von
bi-parental vererbten nukleären Intronen von Proben dieser drei Spezies. Die
zwei aneinander abgeglichenen elterlichen Allele von
O. glyphistoma,
O. philippeni, und
S. pseudocellata haben 5-11,5 mal mehr
heterozygote Positionen als 13 andere geoemydide Arten. Die phylogenetische
Analyse zeigte, dass die zwei Allele aus jeder Schildkröte sehr stark
paraphyletisch sind, aber korrekte Sequenzübereinstimmungen mit anderen
Spezies zeigen, für welche die hypothetische Vermutung besteht, dass sie
die Elternspezies für diese Hybriden darstellen. Wir schließen
daraus, dass diese seltenen Schildkröten eher kürzlich entstandene
Hybriden darstellen als valide Spezies. Insbesondere ist „
O.
glyphistoma“ ein Hybrid aus
Mauremys sinensis und
M. cf.
annamensis, „
O. philippeni“ ist ein Hybrid aus
M. sinensis und
Cuora trifasciata, und „
S.
pseudocellata“ ist ein Hybrid aus
C. trifasciata und
S.
quadriocellata. Deshalb sollten die Ressourcen zum Erhaltungsmanagement
eher zur Auffindung und zur Erhaltung der Populationen von anderen seltenen
südostasiatischen Schildkröten verwendet werden, die wirklich
distinkte evolutionäre Linien darstellen.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Ja so kann es gehen, wenn man die neuen molekularbiologischen Techniken
wirklich dazu einsetzt, die Herkunft und Abstammung von Tieren festzustellen.
Sicher mag es für manche, die in diese Spezies aus welchen Gründen
auch immer investiert hatten, bitter sein, jetzt zur Erkenntnis zu kommen, dass
es Hybriden sind, aber das ist nur der anthropogen, geschäftliche Aspekt
der Sache. Zum Glück scheren sich weder Natur noch Schildkröten um
solche menschlichen Spielarten und Betrachtungsweisen. Durchaus positiv kann man
aber die prinzipielle Potenz zur Hybridisierung und Bildung fertiler Hybride
ansehen, denn diese Potenz könnte der entsprechenden Tiergruppe im
Überlebenskampf und für ihren Fortbestand wesentliche Vorteile
bringen. Da ich mich nicht wiederholen will, lesen Sie die Kommentare zu
Lara-Ruiz et al. (2006): Conservation Genetics 7
(5): 773-781 in Schildkröten im Fokus 1/07
oder zu Hervet (2006): Journal of Vertebrate
Paleontology 26 (4): 839-848 im WiF-Archiv).
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