Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 13.02.2011
Styrsky, J. N., Guyer, C., Balbach, H. & A. Turkmen (2010): THE RELATIONSHIP BETWEEN BURROW ABUNDANCE
AND AREA AS A PREDICTOR OF GOPHER TORTOISE POPULATION SIZE. – HERPETOLOGICA 66: 403-410.
Die Beziehung zwischen der Häufigkeit von Höhlen pro Areal als Anzeiger für die Größe von
Gopherschildkrötenpopulationen.
Da die Gopherschildkröte (
Gopherus polyphemus) meist hochwertiges Land in den südöstlichen USA bewohnt, nimmt die
Zahl der Tiere im gesamten Verbreitungsgebiet ab. Regelmäßig kommt es zu öffentlichen Protesten, wenn Tiere durch legale
Landnutzung in ihren Höhlen begraben werden, sodass neu überarbeitete Schutzmaßnahmen für diese Art dringend
erforderlich sind. Dabei besteht ein besonderes Interesse daran, zu ermitteln wie viele Individuen eine Population darstellen und wie
groß die Landfläche für eine Population sein muss, um Schildkröten, die derzeitiges Nutzland besiedeln, in entsprechend
große Ausweichreservate umsiedeln zu können. Wir führten Bestandserhebungen der Höhlen der Gopherschildkröten
über ein sehr großes Gebiet durch, um zu testen welche lineare Beziehung zwischen der Landfläche und der Anzahl an
Höhlen bis zum Rande einer Gopherschildkrötenpopulation besteht. Zur Bestimmung der Höhlendichte wurde die Transektmethode
angewendet. Die Ergebnisse wurden mit Komplettzählungen an anderer Stelle verglichen.
Die Beziehung zwischen der Fläche und der Häufigkeit der Höhlen lag für die Transektmethode höher als für die
Komplettzählung, was nahe legt, dass die Transektmethode bei der Abschätzung über sehr große Areale ungenaue Angaben
liefert. Für die Komplettzählung zeigen unsere Daten einen Schwellenwert an dem die lineare Beziehung zwischen Fläche und
Häufigkeit endet und die Berechnungen ungenau werden. Dieser Schwellenwert legt nahe, dass eine durchschnittliche
Gopherschildkrötenpopulation 444 Höhlen und 240 Individuen auf einer Fläche von 755 Hektar aufweist. Es konnte nachgewiesen
werden, dass die Schildkröten verschiedenste Landschaftsformen nutzen, die sich bezüglich ihrer Managementstrategien unterscheiden
und deren historische Landnutzung (durch Menschen) unterschiedlich war. Im Hinblick auf die in dieser Studie gewonnenen Daten zeigt sich,
dass viele der derzeitigen Schutzgebiete (Ersatzreservate) für Gopherschildkröten sehr wahrscheinlich zu klein sind. Ebenso zeigen
die Ergebnisse wie sich essentielle Schlüsselerkenntnisse für die Erhaltungsvariablen für langlebige Arten erarbeiten
lassen.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Arbeit. Denn diese Arbeit adressiert erstmals eine der für den Artenschutz sehr wichtige
Frage – nämlich wie groß ist eigentlich eine durchschnittliche intakte Population der jeweiligen zu schützenden
Schildkrötenart? Zudem macht die Arbeit einmal mehr deutlich was manche Schildkröten brauchen, nämlich nicht gerade
minderwertige karge Böden, nein auch durchaus hochwertige produktive Landflächen gehören dazu. Nur dort wo diese längst
anderweitig genutzt werden sieht es für uns so aus als würden die Restbestände an Schildkröten auch auf minderwertigen
Böden überdauern (siehe auch Anmerkung zu
Bury et al., 2010;
Russell, D. F.
& G. H. Balazs, 2009). Zudem stellen die Autoren fest, dass die derzeitigen Umsiedlungsreservate für umgesiedelte
Populationen zu klein sind. Dabei gehen die Autoren aber immer noch von der Abundanz-Flächen-Beziehung aus, die für Populationen
im intakten natürlichen Verbreitungsgebiet also auch unter Nutzung hochwertiger Landflächen festgestellt wurden. Wenn man davon
ausgeht, dass die Schutzreservate in die umgesiedelt werden soll ja meist minderwertige Landflächen beinhalten müsste man davon
ausgehen, dass die umgesiedelte Population erheblich mehr Fläche benötigt um gleiche Ressourcen bei verminderter
Habitatqualität finden zu können. Sollte das nicht zum Umdenken bewegen, zumindest in den reichen Industriestaaten? Denn wenn
solche Feststellungen wie in dieser Arbeit gezeigt, erst jetzt erfolgen, ja was wollen wir da von den Ländern in der so genannten
Dritten Welt erwarten (siehe Anmerkungen zu
Walker (2010).
Literatur
Bury, R.B., D.J. Germano & G.W., Bury (2010): Population structure and growth of the turtle
Actinemys
marmorata from the Klamath-Siskiyou Ecoregion: Age, not size, matters. Copeia 2010 (3): 443-451 oder
SiF 8(1) 2011
Russell, D. F. & G. H., Balazs (2009): Dietary Shifts by Green Turtles (
Chelonia mydas) in the
Kane'ohe Bay Region of the Hawaiian Islands: A 28-Year Study. – Pacific Science 63 (2): 181-192 oder
Wif-Archiv.
Walker, R.C.J.(2010):THE DECLINE OF THE CRITICALLY ENDANGERED NORTHERN MADAGASCAR SPIDER TORTOISE (
PYXIS
ARACHNOIDES BRYGOOI). – HERPETOLOGICA 66: 411-417 oder
Wif-Archiv.
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