Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 02.05.2010
Takano, A., K. Goka, Y. Une, Y, Shimada, H. Fujita, T. Shiino, H. Watabane & H. Kawabata (2010):
Isolation and characterization of a novel Borrelia group of tick-borne borreliae from imported reptiles and their associated ticks.
– Environmental Microbiology 12 (1): 134-146.
Isolation und Charakterisierung neuer von Zecken übertragener Borrelia-Gruppen aus
importierten Reptilien und den assoziierten Zecken.
Die Mitglieder der Gattung
Borrelia werden von Arthropoden übertragen, und sie sind für Wirbeltiere infektiös. Hier
fanden wir Isolate und DNS von
Borrelia turcica und einer noch unbekannten
Borrelia Spezies bei importierten Reptilien und
deren Ektoparasiten. Die
Borrelia-Stämme wurden aus dem Blut und aus verschiedenen Organen von exotischen
Landschildkröten isoliert, und wir konnten in Experimenten zeigen, dass sie infektiös für in Gefangenschaft nachgezogene
Landschildkröten waren. Diese Daten lassen erkennen, dass die infizierten Schildkröten gute Kandidaten darstellen, die als
Wirtsreservoir für diese
Borrelia-Arten fungieren. In der hier vorgestellten Untersuchung konnten wir die
Borrelia-Stämme auch aus den an den Schildkröten sitzenden Zecken der Gattung
Amblyomma und
Hyalomma
isolieren. In einigen Fällen konnten wir auch mit Immunofluoreszenz-Imaging Analysen zeigen, dass die Borrelien, die
Speicheldrüsen der Zecken besiedelt hatten. Anhand der Befunde muss man davon ausgehen, dass diese Zecken potentielle Vektoren für
diese
Borrelia-Arten darstellen. Sequenzanalysen für zwei Gene (flaB Gen, gyrB Gen und 16S rDNS Gen) und die 23S rRNS Gen-16S
rRNS Gen Intergen-Spacer-Region zeigten, dass diese
Borrelia-Stämme eine monophyletische Gruppe bildeten, die unabhängig
von zwei anderen Borreliengruppen waren, den Borrelien der Lyme-
Borreliose und den Borrelien, die rezidivierendes Fieber
auslösen. An Hand dieser Ergebnisse können wir eine neue dritte Hauptgruppe der Borrelinae beschreiben, die bis heute bekannt
geworden ist und die durch Arthropoden übertragen wird.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Auch hier wieder ein klarer Beleg dafür, welche Gefahren solche Wildfänge mit sich bringen. Bei diesen im Abstract nicht weiter
spezifizierten Schildkröten handelte es sich nicht um ein paar seltene außergewöhnliche Spezies, nein es geht um eher
häufig gehandelte Bekannte wie
T. horsfieldii,
T. graeca,
S. pardalis etc. Ja auch Farmnachzuchten sind
nicht frei davon oder haben Sie auf türkischen, afrikanischen oder mittelamerikanischen Zuchtfarmen im Freiland Schildkröten mit
Zeckenhalsband gesehen? Ich glaube nicht, und selbst wenn die Tiere kurz vor dem Export mit einem Pestizidbad behandelt würden, das
dafür sorgen würde, dass sich die Zecken fallen lassen, bedeutet das nicht, dass die Borrelien aus dem Blut und den inneren
Organen der Schildkröten entfernt wären. Borreliose ist auch für den Menschen eine ernstzunehmende Erkrankung. Tja und unsere
Veterinärämter scheinen solche Tests auch nicht durchzuführen, wobei man allein schon aufgrund der globalen Erderwärmung
nicht ganz ausschließen kann, dass sich solche neuen Pathogene auch hier zunehmend etablieren könnten. Im Augenblick wird in
Bezug auf Importe sehr viel über invasive Reptilien oder Schildkrötenspezies und deren Auswirkung auf das Ökosystem und die
einheimischen Arten diskutiert, aber auf der anderen Seite zeigen uns solche Arbeiten, wie sich auch humanpathogene Krankheitserreger
etablieren können, und dabei spielen nicht nur hartschalige Zecken eine Rolle, sondern auch Lederzecken dienen als Vektoren für
Borrelien. Gerade der Afrikanischen Lederzecke kommt eine für die Schildkrötenhaltung bedeutendere Rolle zu, da sie nicht selten
an Wildfängen von
Chersina angulata oder
Stigmochelys pardalis als Nymphen vorhanden sind. Da diese Zecken als Adulti
nur zeitweise an den Tieren Blut saugen, aber ansonsten versteckt im Substrat oder sonstigen Spalten leben und nur nachts aktiv sind, sind
sie besonders schwer zu bekämpfen und verseuchen ab und an ganze Anlagen zur Haltung tropischer Landschildkröten. Ein Umstand, der
auch in Deutschland schon vorgekommen ist, wobei anscheinend auch die Schildkrötenhaltungen mancher Veterinäre nicht verschont
bleiben, so dass es sogar schon zur Verbreitung solcher Zecken mit „Nachzuchten“ gekommen sein soll. Wobei ich persönlich
beim Vorhandensein von Zecken oder deren Nymphenstadien an Schildkröten erst einmal auf Wildfänge schließen würde, vor
deren Kauf aus den verschiedensten Gründen nicht oft genug gewarnt werden kann. Siehe auch:
Siroky et al.
2004 und
Albayrak et al. 2010.
Literatur
Albayrak, H, E. Ozan & M. Kurt (2010): Molecular Detection of Crimean-Congo Haemorrhagic Fever Virus
(CCHFV) but not West Nile Virus (WNV) in Hard Ticks from Provinces in Northern Turkey. – Zoonoses Public Health 2010 Feb 16. [Epub
ahead of print] oder
WiF-Archiv.
Siroky, P., M. Kamler & D. Modry (2004): Long-term occurrence of
Hemolivia cf.
mauritanica (Apicomplexa: Adeleina: Haemogregarinidae) in captive
Testudo marginata (Reptilia: Testudinidae): Evidence for
cyclic merogony? – Journal of Parasitology 90: 1391-1393 oder
SiF 1 (3) 2004.
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