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Nachzucht statt Farmzucht; eine Initiative der Schildkröten im Fokus

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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 08.08.2010 Share it on Facebook


Tichy, L. & K. Kintrova (2010): Specimen identification from time-series photographs using plastron morphometry in Testudo graeca ibera. – Journal of Zoology 281 (3): 210-217.

Die Identifikation von Exemplaren an Hand von einer zeitlichen Abfolge von Fotos unter Verwendung der Plastronmorphologie bei Testudo graeca.


Die Maurische Landschildkröte Testudo graeca ibera Pallas, 1814 ist ein gutes Beispiel für eine gefährdete langlebige CITES Spezies, die häufig als Haustier gezüchtet wird und sich in Gefangenschaft leicht vermehren lässt. Allerdings macht es die hohe Anzahl gezüchteter Schildkröten schwer, den internationalen Tierhandel zu überwachen. Obwohl es Mikrochip-Technologie gibt, die weit verbreitet ist und als Überwachungsmethode propagiert wird, ist sie nicht bei Schlüpflingen und jungen Schildkröten einsetzbar, da das Implantieren der Chips bei Schildkröten zu Gesundheitsproblemen führen kann. Wir glauben aber, dass dieser Nachteil durch die fotografische Dokumentation des Plastrons ausgeglichen werden kann, obwohl es sich dabei immer noch um eine als nicht valide angesehene Alternative handelt. Das Ziel dieser Studie war es eine Methode zu finden, die es ermöglicht, einzelne Exemplare anhand einer Fotodatensammlung unter Anwendung morphometrischer Kriterien zu identifizieren, ein Versuch der potentiell zuverlässiger ist als alle anderen Fingerprintmethoden, die derzeit bei Schildkröten zum Einsatz kommen. Wir favorisieren ein kombiniertes Abweichungsmaß, dass sich aus der relativen Differenz der Saumdistanzen zwischen zwei Plastronfotos errechnen lässt. Die Zuverlässigkeit der Identifikation wurde an einem Datenpool von 90 Maurischen Landschildkröten getestet, von denen 20 Individuen im Alter von zwei, acht, 14 und 20 Monaten fotografiert worden waren. Wir erreichten eine Zuverlässigkeit von 99,3-99,9 % bei der Identifikation von zeitlichen Abfolgefotos von ein- und demselben Individuum im Vergleich zu nicht verwandten anderen Exemplaren und die Zuverlässigkeit lag bei 97,5-99,8 % bei der Identifizierung anhand der Fotoserie, wenn es darum ging, die Individuen von Geschwisterexemplaren abzutrennen. Wir schließen daraus, dass es möglich ist, anhand von gut angefertigten Plastronfotos von Testudo graeca während des ersten Lebensjahres und während der weiteren Entwicklung eine präzise Identifikation zu gewährleisten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wohl gemerkt hier wurden Fotos in vergleichsweise kurzen Abständen gemacht und eingesetzt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich, obwohl ich glaube, meine Nachzuchten gut zu kennen, oft überrascht bin wie schnell sich auch die Plastronmorphologie bei Schlüpflingen verändert und man genau hinschauen muss, wenn die Nummer auf dem Carapax beim Eingraben bis zur Unlesbarkeit abgeschabt wurde. Ebenso mag es zwar viele unzuverlässige Fingerprint-Methoden geben, aber besser als ein genetischer Fingerabdruck kann keine dieser Methoden sein, zumal Letztere auch die eindeutige Identifizierung der dazugehörigen Elterntiere erlaubt. Sicher ist die Anfertigung eines genetischen Fingerabdrucks im Handel unpraktisch und meist nicht vor Ort überprüfbar, aber man sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass es wenn es hart auf hart kommt, diese Möglichkeit gibt. Siehe auch Valenzuela et al. (2004) und Myers et al. (2005).


Literatur

Myers, E. M., F. J. Janzen, D. C. Adams & J. K. Tucker (2005): Quantitative genetics of plastron shape in slider turtles (Trachemys scripta). – Evolution 60 (3): 563-572 oder WiF-Archiv.

Valenzuela N., D. C. Adams, R. M. Bowden & A. C. Gauger (2004): Geometric morphometric sex estimation for hatchling turtles: A powerful alternative for detecting subtle sexual shape dimorphism. – Copeia 2004 (4): 735-742 oder WiF-Archiv.

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© Michael Daubner 2012Schildkröten im Focus