Wissenschaft im Fokus
Tucker, J. K., C. R. Dolan, J. T. Lamer & E. A.
Dustman (2008): Climatic warming, sex ratios, and red-eared sliders
(Trachemys scripta elegans) in Illinois. – Chelonian Conservation
and Biology 7 (1): 60-69.
Klimatische Erderwärmung,
Geschlechterverhältnisse und Rotwangenschmuckschildkröten
(Trachemys scripta elegans) in Illinois
Für die Rotwangen-Schmuckschildkröte (
Trachemys scripta
elegans) wurden Geschlechterverhältnisse der Schlüpflinge und
adulten Schildkröten innerhalb der aquatischen Lebensräume am Long-See
in West-Zentral Illinois gesammelt. Wir fanden, dass das ursprüngliche
Geschlechterverhältnis sehr ausgeglichen war, aber dass es sich mit der
Zeit zunehmend zu mehr Männchen hin verschoben hat. Dieser Verschiebung lag
die Integration großer Gruppen neu nachwachsender Männchen zugrunde.
Der Populationszuwachs hat sich zwischen den Jahren 2001 und 2004 mehr als
verdoppelt, und diese neu dazu gekommenen Schildkröten waren
überwiegend männlich. Somit hat die klimatische Erwärmung zu
diesem derzeitigen Männchenüberschuss beigetragen. Denn während
dieser Zeit gab es eine Temperaturerhöhung in dieser Lokalität, die es
den adulten Weibchen erlaubte, mehr Eier zu legen, indem sie die Legesaison
ausdehnten. Die Weibchen produzierten also ein zusätzliches Gelege, was
diesen ungewöhnlichen Populationszuwachs auslöste. Dieses
zusätzliche Gelege wurde aber zu einer Zeit abgelegt, zur der die
Bodentemperaturen relativ niedrig waren, was die Verschiebung hin zu mehr
Männchen erklärt. Die Auswirkungen, die sich für die Population
durch den Anstieg bei den Männchen ergeben, ist derzeit noch unklar.
Allerdings verschlechterte sich die Kondition der Weibchen um ungefähr 7 %
zwischen 1994 bis 2006, was die Vermutung zulässt, dass sich Auswirkungen
ergeben können.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine schöne Arbeit, die zeigt, wie vielschichtig die Auswirkungen einer
Erwärmung sein können. Denn wer kennt sie nicht, die Diskussionen,
dass die globale Erderwärmung das Geschlechterverhältnis bei
TSD-Spezies hin zu dem Geschlecht verschiebt, welches sich bei höherer
Temperatur einstellt. Ganz so einfach scheint es nicht zu sein, was auch nahe
liegt, denn wie hätten sonst TSD-Spezies bis in unsere Zeit existieren
können, wo es doch schon viele Warm- und Kaltzeiten in den letzten 200
Millionen Jahren gab. Siehe dazu auch: Delmas, V., A. C.
Prevot-Julliard, C. Pieau & M. Girondot (2008): A mechanistic model
of temperature-dependent sex determination in a chelonian: the European pond
turtle. – Functional Ecology 22: 84-93 oder
WiF-Archiv.
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Erderwärmung Geschlechterverhältnis TSD |