Wissenschaft im Fokus
Tuma, M. W. (2006): Range, habitat use, and
seasonal activity of the yellow mud turtle (Kinosternon flavescens) in
northwestern Illinois: Implications for site-specific conservation and
management. – Chelonian Conservation and Biology 5 (1): 108-120.
Verbreitung, Habitatnutzung und saisonale Aktivität
der gelben Schlammschildkröte (Kinosternon
flavescens) im nordwestlichen Illinois: Anhaltspunkte
für das lokale Erhaltungsmanagement
Die gelbe Schlammschildkröte (Kinosternon flavescens) ist ein
xerothermes Relikt, das partiell verteilt auftritt und sich in einzelne
getrennte Populationen innerhalb der sandigen Prärielandschaft aufspaltet,
einer ehemaligen Präriehalbinsel bestehend aus Illinois, Iowa, und
Missouri. In Illinois, wo die Art als gefährdet gelistet ist, liegt die
größte bekannte Population am nordöstlichsten Rand ihres
Gesamtverbreitungsgebiets in Henry County. Der größte Teil dieses
Gebiets befindet sich in Privatbesitz, und das Illinois Department of Natural
Resources versucht mehr dieses Schlammschildkrötenhabitats zu erwerben, um
ein 1998 angelegtes Schutzreservat zu ergänzen. Um nun zusätzliches
schutzwürdiges Gelände zu identifizieren, für das
Managementempfehlungen gegeben werden sollen, wurden Daten zum Vorkommen, der
Habitatnutzung und der saisonalen Aktivität der Schildkröten in dieser
Region mithilfe von Radiotelemetrie, Wasserfallenfang und von Fängen
entlang versetzbarer Zäune gesammelt. Elf adulte Schlammschildkröten
(6 Männchen, 5 Weibchen) wurden mit Sendern bestückt und zwischen dem
12. Mai 1992 und 6. Juni 1993 überwacht. Die markierten Schildkröten
besiedelten ephemere (zeitweise austrocknende) Teiche von Mitte April bis in den
späten Mai, während sie danach im Juni und Juli eine Sommerruhe in den
Sanddünen hielten. Einige kamen Ende Juli hervor und führten den
August hindurch wieder ein aquatisches Leben. Die Winterstarre verbrachten alle
in den Sanddünen, und sie dauerte von September bis Mitte April. Die
Fänge in den Wasserfallen und entlang der Zäune lieferte gleiche
Zeiten für die Aktivitätsphasen sowohl für adulte als auch
für juvenile Schildkröten, wie sie sich für die mit Sendern
markierten Tiere gezeigt hatten. Die Daten der Zaunfänge zeigen an, dass
das Verlassen des Nests etwa von Anfang Mai bis in den Juni erfolgt. Ein
Nichtauffinden bzw. Fangen von Jungtieren während des Spätsommers
lässt vermuten, dass diese in den austrocknenden Teichen verbleiben oder im
Schlamm vergraben ihre Ruhephasen abhalten. Die für die Tiere wichtigen
aquatischen Lebensräume zeichnen sich dadurch aus, dass es sich um flache
Gewässer handelt, die einen weichen, schlammigen Grund haben und einen
dichten über die Wasserfläche hinausragenden Bewuchs zeigen. Die
für die Schildkröten wichtigen Landhabitate bestehen aus
Sanddünen, die sich mindestens ca. 5 m hoch über die Teiche erheben.
Die mit Sendern markierten adulten Schlammschildkröten vergruben sich in
Sanddünen, die bis zu 90 m von ihrem Teich entfernt lagen. Weibchen legten
ihre Nester an Plätzen an, die bis zu 70 m von den Teichufern entfernt
lagen. Zu den Nesträubern zählten Coyoten (
Canis latrans),
Gestreifter Skunk, (
Mephitis mephitis) und die Westliche Hakennase
(Schlange,
Heterodon nasicus). Das empfohlene Areal für weitere
Schutzzonen beinhaltet somit eine mindestens 90 m breite Landzone um die Ufer
der Wasserflächen. Zusätzliche Schutzmaßnahmen beinhalten
Überbrückung des Lebensraums oder die Untertunnelung einer
Straße, die das derzeitige Gebiet durchzieht und zerteilt, sodass die
Schildkröten sicher zwischen Dünenhabitat und aquatischen Lebensraum
wandern können, ebenso wie die Erhaltung und Pflege der natürlichen
Kurzgras-Prärievegetation innerhalb der Schutzzonen. Ferner empfehlen wir
das periodische Einbringen von Schlüpflingen aus einer nahegelegenen
nachgewiesenen Population sowie ein gezieltes Management für die
Populationen der Beutegreifer, dahingehend, dass die Schlupfraten verbessert
werden. Ebenso sollten sich Managementmaßnahmen, die mit einer
Beeinträchtigung der Erdoberfläche einhergehen, auf die Monate
November bis März beschränken.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine gut durchdachte und durchgeführte Arbeit. Allerdings sollte man,
wenn man die Beutegreiferpopulationen schon mit einbezieht, auch
notwendigerweise zwingend beobachten, wie sich diese auf die Populationen der
anderen Beutetiere auswirkt, denn wenn man Coyoten, und Skunke kurz hält,
könnten Präriehunde derart schnell zunehmen, dass damit auch eine
Habitatverschlechterung zumindest in den Dünenhabitaten einhergehen
könnte, die auch die Hakennasennatterpopulation schlagartig ansteigen
lassen könnte. Hier muss sich wohl erst noch zeigen, was produktive und was
kontraproduktive Auswirkungen haben dürfte.
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