Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 22.05.2011
Van Dyke, J.U., Plummer, M.V. & S.J. Beaupre (2011): Residual yolk energetics and postnatal shell
growth in Smooth Softshell Turtles, Apalone mutica. – COMPARATIVE BIOCHEMISTRY AND PHYSIOLOGY A MOLECULAR & INTEGRATIVE
PHYSIOLOGY 158(1): 37–46.
Restdotterenergie und postnatales Panzerwachstum bei der glatten Weichschildkröte, Apalone mutica.
Weichschildkröte,
Apalone mutica. Die Entnahme des Restdotters hatte keinen Effekt auf die Überlebensrate, das
Panzerwachstum oder den Ruhemetabolismus (Ruhestoffwechsel) der Schlüpflinge bis zum 40. Tag nach dem Schlupf. Unsere Berechnungen zur
Metabolismusrate legen nahe, dass der Restdotter ausreicht um den Stoffwechsel und die Aktivität der Schlüpflinge für etwa 25
Tage aufrecht zu erhalten.
A. mutica absorbiert mehr als 1 g Wasser während der ersten zwei Lebenswochen. Dies scheint die
Grundlage dafür zu sein, dass die Schlüpflinge nach dem Schlupf ihren Panzer ausdehnen. Diese Ausdehnung scheint nicht auf
Wachstum durch die Verstoffwechselung von Restdotter zu beruhen. Die Zuwachsrate nach dem Schlupf könnte durch die Restdottermenge die
beim Schlupf noch im Darm der Schlüpflinge vorhanden ist begrenzt werden. Die Proteine und Lipidanteile des Restdotters unterscheiden
sich kaum von jenen aus frischen Eiern. Zudem zeigte sich, dass
A. mutica den Restdotter nicht braucht um Energie für das
Verlassen des Nests bereitzustellen.
Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass der Restdotter bei
A. mutica keinen Einfluss auf das Postnatalwachstum hat. Des Weiteren
scheint er weder, wie bislang postuliert, als Energielieferant beim Ausgraben aus dem Nest noch für die langfristige Ernährung und
Aktivität oder als Energiereserve während der Überwinterung bei Schlüpflingen eine essentielle Rolle zu spielen.
A. mutica scheint den meisten Dotter vor dem Schlupf zu absorbieren, sodass es sich bei dem Restdotter eher um eine minimale Menge
handelt. Die Schwankungen die man in Bezug auf die Menge des Dotters bei unterschiedlichen Inkubationsbedingungen in anderen Arten
beobachtet, lässt eher den Schluss zu, dass die Muttertiere die Dottermenge in den Eiern überdimensionieren um eine erfolgreiche
Entwicklung bei schwankenden und unvorhersehbaren Inkubationsbedingungen zu gewährleisten.
Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon
Bei meinen Sternschildkröten Geochelone elegans konnte ich schon selbst beobachten das keine Abhängigkeit des
Überlebens von der Restdotter-Menge vorliegt (siehe Bidmon, 2004). Der Verlust des Restdotters führt
jedoch zu anfänglich kleiner bleibenden Schlüpflingen die drei bis vier Monate brauchten um das Wachstum der Geschwister
einzuholen. Wenn rasche Größenzunahme für Schlüpflinge einen Überlebensvorteil in Bezug auf den Schutz vor
Beutegreifern hat, könnte die Menge des Restdotters einen Überlebensvorteil darstellen. Zudem ist der Besitz von Reserven ja
seltener von Nachteil als das Fehlen von Reserven (Siehe Lee et al., 2007).
Literatur
Bidmon, H-J. (2004): Die Inkubation von beschädigten Eiern und die Versorgung bei Schlupfproblemen. –
Schildkröten im Fokus, 1 (1): 12-19.
Lee, T. N., M. V. Plummer & N. E. Mills (2007): Use of post hatching yolk and external forage to maximize
early growth in
Apalone mutica hatchlings. – Journal of Herpetology 41 (3): 492-500 oder
WiF-Archiv.
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