Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 25.06.2011
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Vargas-Ramirez, M., J. Maran & U. Fritz (2010): Red- and yellow-footed tortoises,
Chelonoidis
carbonaria and
C. denticulata (Reptilia: Testudines: Testudinidae), in South American savannahs and forests: do their
phylogeographies reflect distinct habitats? – Organisms Diversity & Evolution 10 (2): 161-172.
Köhler- und Waldschildkröten, Chelonoidis carbonaria
and C.
denticulata
(Reptilia: Testudines: Testudinidae) in Südamerikanischen Savannen und Wäldern: Spiegelt ihre
Phylogeographie distinkte Habitate wider?
Unter Verwendung von Sequenzdaten für das mitochondriale Cytochrom-b-Gen untersuchten wir die phylogeographische Differenzierung der
amazonischen Landschildkrötenarten
Chelonoidis carbonaria und
C. denticulata. Während
C. carbonaria
meist auf Savannenhabitate und angrenzende Waldhabitate begrenzt ist, ist
C. denticulata mit feucht-tropischen und subtropischen
Wäldern assoziiert. Unsere Studie indiziert eine Korrelation zwischen bestimmten Habitatpräferenzen und der Phylogeographie
für beide Spezies. Bei Analysen zur maximalen Parsimony Maximum Wahrscheinlichkeit und Bayesian-Analysen, bilden die Haplotypen von
C. carbonaria ein Cluster in verschiedenen distinkten Kladen, die das fleckenhafte Verbreitungsmuster in Savannenhabitaten
widerspiegelt. Im Gegensatz dazu sind die Haplotypen für
C. denticulata nur schwach differenziert, ein Befund, der auch durch
die Parsimony-Netzwerk-Analyse unterstützt wird. Letzteres lässt vermuten, dass der zusammenhängende amazonische Regenwald
einen Genfluss zwischen den Populationen dieser Waldboden bewohnenden
C. denticulata über das Gesamtverbreitungsgebiet hinweg
erlaubt, während der Genfluss innerhalb der
C. carbonaria Habitate signifikant eingeschränkt ist. Die phylogeographische
Struktur und das vereinzelte Verteilungmuster von
C. carbonaria sind unterstützende Hinweise für eine früher
erfolgte Fragmentierung des amazonischen Regenwalds, was dazu führte, dass sich Spezies, die Savannen bewohnen können,
ausbreiteten und separierten. Basierend auf den Daten zur fossilen Kalibrierung errechneten wir einen Zeitraum für die Aufspaltung der
C. carbonaria Kladen von vor ungefähr 4,0-2,2 Millionen Jahre. Dieser Befund könnte bedeuten, dass die
Regenwaldfragmentierung sehr wohl schon vor dem Pleistozän eingesetzt haben könnte. Zudem zeigen unsere Daten, dass
zusätzliche Untersuchungen notwendig sind, um die geographische und taxonomische Variation bei
C. carbonaria zu analysieren,
um eine Neueinschätzung des Erhaltungsstatus für bestimmte genetische Einheiten vorzunehmen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hier zeigen die molekulargenetischen Daten nur das, was seit langem bekannt ist und vermutet wird. Allerdings ob die Neubeschreibung von
Arten innerhalb der Köhlerschildkröten wirklich notwendig ist, um deren Erhaltungsstatus zu bestimmen, halte ich für reine
Spekulation. Ich denke, schützen kann man die Tiere auch so schon, und jede neue Art würde viel schneller neue Begehrlichkeiten im
Tierhandel erzeugen, als dass sinnvolle zuverlässige Schutzmaßnahmen zu implementieren wären. Siehe auch: Kommentar zu
Turkozan et al. 2010.
Literatur
Turkozan, O., F. Kiremit, J. F. Parham, K. Olgun & E. Taskavak (2010): A quantitative reassessment of
morphology-based taxonomic schemes for Turkish tortoises (
Testudo graeca). – Amphibia-Reptilia 31 (1): 69-83 oder
WiF-Archiv.
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