Schildkröten im Fokus Kleintierverlag Thorsten Geier
 
Startseite
Schildkröten im Fokus
Bücher
Verlag
Impressum
 
 
S U C H E


Neue Seiten anzeigen
powered by crawl-it
Kindersuchmaschine fragFINN
 
N E W S
Wissenschaft
im Fokus

Aktualisiert:
20.06.2016

  RSS-Feed

  Facebook

Aktuelle Ausgabe:

Jetzt im Format DIN A4


Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 22.11.2015 Share it on Facebook


Walker, R., T. Rafeliarisoa, A. Currylow, J. C. Rakotoniaina & E. Louis (2014): Short term monitoring reveals the rapid decline of southern Madagascar's Critically Endangered tortoise species. – HERPETOLOGICAL JOURNAL, 24: 193–196.

Die kurzfristige Erfassung zeigt einen schnellen Rückgang für die im Süden Madagaskars lebenden bedrohten Landschildkrötenspezies.


Im Süden Madagaskars leben zwei der am stärksten bedrohten Schildkröten der Welt, Pyxis arachnoides und Astrochelys radiata. Bei beiden geht man davon aus, dass sie als Folge des Habitatverlusts und der Wilderei stark im Rückgang begriffen sind. Allerdings gibt es bis heute keine quantitativen Daten für diesen Bestandsrückgang. Wir benutzten eine konventionelle Distanzsammelmethode um die Populationen zweimal innerhalb von 24 Monaten über das Verbreitungsgebiet beider Spezies zu erfassen. Die Populationsdichte für P. arachnoides sank von 2.4 Schildkröten/ha (95% Cl; 1.6–3.4) auf 1.5/ha (95% Cl; 0.8–2.8). Astrochelys radiata Bestände sanken von 2.1 Schildkröten/ha (95% Cl 1.2–3.5) auf 1.5/ha (95% Cl 0.7–3.3). Auf die Lokalbevölkerung abgestimmte Erhaltungsmaßnahmen müssen dringendst ausgebaut werden um diesen Rückgang zu stoppen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wenn ich diese Zahlen lese hätte ich erst mal den Eindruck, diese Befunde könnten auch andere Gründe haben, aber ich schätze Ryan Walker als gerade in dieser Gegend sehr erfahrenen Feldbiologen dem man das abnehmen kann. Tja und so bleibt eigentlich allen Kritikern zum Trotz nur der Verweis darauf, dass die Leute die diese Wilderei und den illegalen Handel von Seiten des WWF her anprangern und denen gern mal unseriöse Berichte bzw. Recherchepraktiken von Seiten der Ex- und Importlobby unterstellt werden, dass sie doch recht haben, denn sonst müsste es fast schon zu anderen Befunden vor Ort gekommen sein. Zumindest dort wo diese Erhebungen stattfanden kann es der Habitatverlust nicht gewesen sein sonst hätte man die Habitate nicht begehen und in Transeckte unterteilen können. Sicher spielt auch hier wie früher schon angesprochen die sozioökonomische Situation der Lokalbevölkerung, der Habitatverlust und die politische Lage eine wesentliche Rolle aber wie immer es ist halt oft die Summe der Faktoren die ausrottet, und da muss man halt auch versuchen vielfältig anzusetzen um etwas zu bewirken. Wir sehen es doch auf allen Ebenen selbst bei uns im eigenen Land. Wir diskutieren viel zu lange über jeden Einzelfaktor anstatt wirklich zeitgemäß zu handeln. Als bestes aktuelles Beispiel die seit zwei Jahren reifende Erkenntnis, dass es die Summe der Herbizide und Pestizide ist die unser europäisches oder weltweites Bienen- und Hummelaussterben verursacht. (Neumann, 2015, Raine & Gill, 2015; Rundlöf et al., 2015; Scheper et al., 2014) und dabei sterben nicht nur Bienen sondern auch andere Insekten die z. b. auch Vögeln sowie Reptilien als Nahrungsgrundlage dienen (Gibbons et al., 2015). In den Jahren davor haben Pharmakonzerne noch gegen wissenschaftliche Arbeiten die das für einzelne Substanzen zeigten erfolgreich gewettert oder gar Anwälte agieren lassen. Heute wo man ihnen vorrechnet dass es allein in Deutschland zu Ernteausfällen im Wert von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr kommen kann wenn diese Insekten als Bestäuber ausfallen fängt man langsam an nachzudenken. Vielleicht würde da ja sogar TTIP greifen wenn man sie in Europa zu genauso hohen Schadensersatzansprüchen verklagen könnte wie in den USA. Aber solange das Geld regiert wird sich daran wenig ändern, denn das könnten nur Politiker die wirklich eigenverantwortlich regieren würden anstatt sich von Lobbisten die Gesetzesvorlagen diktieren zu lassen. Aber ich denke selbst wenn sie das tun würden, würden es die meisten falsch verstehen und als Diktatur ansehen weil Lobbisten eben auch unkritische Massen mobilisieren (Siehe aktuell die Debatte um den Braunkohleausstieg, keiner fährt nach Berlin und demonstriert gegen 30-35% zu hohe Endverbraucherstrompreise auch die Politik nicht die nimmt die Steuereinnahmen gerne mit, aber gegen Minister Gabriels Klimaschutzbestrebungen durch Abbau der Kohleverstromung muss man natürlich sogar Konzernunterstützt demonstrieren). Je mehr man darüber nachdenkt stellt man fest wir sind es immer selbst die das als einzige ändern könnten indem wir anfangen uns mündig und eigenständig zu verhalten, wobei es im Sinne des Gemeinwohls durchaus auch mal dazugehören muss Eigeninteressen außen vor zu lassen.

Literatur

Gibbons, D., C. Morrissey & P. Mineau (2015): A review of the direct and indirect effects of neonicotinoids and fipronil on vertebrate wildlife. – Environ Sci Pollut Res Int., 22(1): 103–118.

Neumann, P. (2015): Ecosystem services: Academies review insecticide harm. – Nature, 520(7546):157.

Raine, N. E. & R. J. Gill (2015): Ecology: Tasteless pesticides affect bees in the field. – Nature, doi: 10.1038/nature14391.

Rundlöf, M., G. K. Andersson, R. Bommarco, I. Fries, V. Hederström, L. Herbertsson, O. Jonsson, B. K. Klatt, T. R. Pedersen, J. Yourstone & H. G. Smith (2015): Seed coating with a neonicotinoid insecticide negatively affects wild bees. – Nature, doi: 10.1038/nature14420.

Scheper, J., M. Reemer, R. van Kats, W. A. Ozinga, G. T. van der Linden, J. H. Schaminée, H. Siepel & D. Kleijn (2014): Museum specimens reveal loss of pollen host plants as key factor driving wild bee decline in The Netherlands. – Proc Natl Acad Sci U S A; 111(49): 17552–17557.



Share it on Facebook


Zum Seitenanfang



© Michael Daubner 2016Schildkröten im Focus