Wissenschaft im Fokus
Werner, R.E. (2007): Reference hematology and
serum chemistry values for the diamond terrapin (Malaclemys terrapin).
– Herpetological Review 38: 17-22.
Referenzwerte für die Hämatologie und
Serumchemie für die Diamantschildkröte (Malaclemys
terrapin)
Diese Mitteilung hat kein Abstract, deshalb hier eine kurze Übersicht. Der
Autor beschreibt eingangs die Wichtigkeit, Referenzwerte für diagnostische
Zwecke zu erarbeiten und dass man bislang solche Werte für weniger als 5 %
der Arten verfügbar hat. Im Weiteren wird erläutert, dass es zwar
wichtig ist, diese Werte bei den natürlich freilebenden Tieren zu
analysieren, dass man aber immer den Terminus „Referenz“ verwenden
sollte, denn auch bei Wildtieren weiß man nie genau, was normal ist. Ziel
dieser Untersuchung war es, die Spannweite der Referenzwerte für die
Hämatologie und die Serumbiochemie zu etablieren und zu prüfen, ob
diese sich für Männchen und Weibchen unterscheiden. Ebenso sollte
geprüft werden, ob es Unterschiede zwischen den Jahreszeiten gibt und zum
Schluss sollte geprüft werden, ob die bislang aus der
Veterinärpathologie bekannten Werte einen diagnostischen Wert für die
Diamantschildkröte haben.
Im ersten Teil wird auf die generelle Biologie und Lebensweise der
Diamantschildkröte eingegangen, wobei es je nach Herkunft schon bei der
Inkubationsdauer Unterschiede gibt und eine Spanne von 61-104 Tagen bekannt sind
und eine Überwinterung in den Nestern vorkommt. Anschließend wird auf
die Faktoren eingegangen, die zum starken Rückgang der Populationen
geführt haben wie Ölverschmutzung, Schwermetalle, Krabbenfischerei und
Küstenbebauung.
Daran schließt sich die Auswertung der Literatur über die bekannten
Blutwerte an. Es folgen die methodischen Aspekte der eigenen Arbeit, in der von
Juni bis August 2003 und von Mai bis August 2004 103 als normal zu bezeichnende
Diamantschildkröten in Stone Harbor New Jersey und in Wellfleet (Cape Cod)
Massachusetts gefangen wurden und Blutproben genommen wurden. Der Salzgehalt in
den Gewässern war mit 28-30 ppt an beiden Standorten vergleichbar. Es
werden Fang und die Dauer der Behandlung angeführt und die Anzahl der Tiere
pro Jahreszeit und die Methode zur Blutentnahme, wobei besonders darauf
verwiesen wird, wie wichtig dafür eine möglichst Lymphfreie Entnahme
ist. Hier wurde die Femoralvene bevorzugt. Bestimmt wurde die Anzahl der
weißen Blutkörperchen, der Hämatokrit und die Serumbiochemie
umfasste den Hämoglobin und Glukosetiter, Harnstoff und Stickstoffgehalt,
Gesamtprotein, Albumingehalt, Aspartataminotransferase, Kalzium, Phosphat, NaCl
und KCl-Bestimmung Globulintiter, Kretinphosphokinase und Harnsäure. Im
Weiteren werden die genaue Auswertung und die statistischen Verfahren
erläutert. Alle Werte werden in ausführlichen Tabellen
zusammengefasst. Hier sei nur auf einige eingegangen z. B. Hämatokrit, der
im Mittel bei 31,8 % +- 7,5 lag und eine Spanne von 15 %-555 umfasste. Die
Hämoglobinkonzentration betrug 9,6 g/dL+-1,1 bei einer Spanne von 7-11,7
g/dL. Die Weißen Blutkörperchen lagen im Mittel bei 11,3 × 103/
µl +-4,5, wobei Männchen signifikant höhere Werte als Weibchen
zeigten. Heterophile stellten 74,6 %, Lymphozyten 17,7 %, Azurophile 3,8 % und
Monozyten machten 2,3 % aus. Die genauen Details sollte wohl jeder den
umfangreichen Tabellen der Orginalarbeit entnehmen. Anschließend erfolgt
eine Diskussion der Daten und der Grundlagen, wo bei besonders hervorgehoben
wird, dass Reptilien ihre Blutwerte nicht so exakt regulieren wie Säuger
und im Weiteren werden die bislang publizierten Vergleichswerte aus anderen
Spezies unter Berücksichtigung der jeweiligen Blutentnahmestellen und im
Hinblick auf die mögliche Kontamination mit Lymphe diskutiert. Insgesamt
werden 46 Referenzen ausgewertet und angeführt.
Anmerkung von H.-J. Bidmon:
Eine gehaltvolle Arbeit für jeden Veterinär und diejenigen, die
sich mit der Pflege dieser Art eingehender befassen. Gleichsam aber auch eine
Arbeit, die zeigt, was möglich ist und gemacht werden sollte, ehe man
weiterhin für die meisten Arten im „Dunkeln herumdoktort“. Denn
selbst wenn man Tierarzt ist, sollte man sich fragen, ob es ethisch vertretbar
ist, ohne „Wissen“ am Lebenden herumzuexperimentieren? Wie in den
meisten Fällen fördern Politiker immer die Forschungsaktivitäten,
die von der Mehrheit für wichtig erachtet werden. In diesem Sinne liegt es
wirklich an Ihnen klar zu artikulieren, was Sie brauchen und wofür Gelder
auch aus Sicht eines adäquaten Tierschutzes fließen sollten. Ich
begrüße es zwar, dass sich zum Beispiel die DGHT für die Haltung
von Reptilien einsetzt und die Vorgehensweise der hessischen Landesregierung
unisono kritisiert, aber ich vermisse andererseits auch etwas die
Geschlossenheit, wenn es darum geht, im Sinne der Mitglieder Arbeiten und
Aktivitäten konsequent zu fördern, die Grundlagen für die
Verbesserung der Haltungsbedingen und zur Gesunderhaltung zum Ziel haben! Die
Mehrheit der Mitglieder sind nun mal Terrarianer, für die die rein
wissenschaftlich systematische Stellung oder das Ruffrequenzspektrum irgendeiner
Art von untergeordneter Bedeutung sind, da für Terrarianer eben optimale
Haltungsbedingungen und eine optimale veterinärmedizinische Versorgung auch
im Sinne eines adäquaten Tierschutzes wesentlicher sind. Letztendlich
dokumentiert man damit ja auch der Gesellschaft gegenüber das
verantwortungsvolle Halten von Tieren.
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