Wissenschaft im Fokus
Veröffentlicht: 07.03.2010
Whitaker, N. & J. Vijaya (2009): Biology of the Forest Cane Turtle, Vijayachelys silvatica, in South
India. – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 109-115.
Biologie der Gelbkopf Erdschildkröte, Vijayachelys silvatica in Südindien.
Eine zweijährige Studie zur Erforschung der Gelbkopf Erdschildkröte,
Vijayachelys silvatica, wurde im Chalakudy Distrikt,
Kerala, Südindien durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine kaum bekannte Art, die endemisch in den westlichen Ghats von
Südindien vorkommt. Die Studie zielte darauf ab, die morphometrischen Daten, das Geschlechterverhältnis und die
Reproduktionsparameter im Freiland zu erfassen. Weibliche
Vijayachelys waren schwerer als Männchen, und sie waren bezogen auf
alle Größenparameter signifikant größer mit Ausnahme der geraden Carapaxlänge. Das Geschlechterverhältnis
lag bei den adulten Individuen bei 47 Männchen zu 36 Weibchen (1,31:1), was nicht signifikant von einer 1:1 Verteilung abwich. Die
meisten Schildkröten waren im Oktober und die wenigsten im Mai zu finden. Paarungen konnten während der Monate Juni, September und
November beobachtet werden, während die Eiablagen im Januar und Februar erfolgten. Die Gelegegröße umfasste in den meisten
Fällen zwei Eier. Die Schildkröten wurden dabei beobachtet, wie sie Schnecken, Pilze, Tausendfüssler und Käfer
fraßen, die im verrottenden Falllaub und Humus lebten. Fast alle Schildkröten hatten einen Algenaufwuchs auf dem Carapax.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Bei dieser Studie verweisen die Autoren extra darauf, dass sie die exakten Koordinaten für das Untersuchungsgebiet nicht angeben, weil
die Gefahr des Absammelns der Tiere durch Wilderer zu groß ist (siehe auch
Rivalan et al. 2007 + Kommentar,
Hall et al. 2008). Inwieweit das tatsächlich auch langfristig dazu beitragen wird, die Populationen zu
erhalten ist fraglich, denn es gibt mittlerweile einige, darunter auch Deutsche, die in der Vergangenheit gut am Handel verdienten oder
mitverdienten haben, und deren Namen heute zum Teil schon auf wissenschaftlichen Arbeiten als Co-Autoren auftauchen. Ich gestehe zwar jedem
zu, dass man sich vom „Saulus zum Paulus“ wandeln kann. Allerdings bringen es Co-Autorschaften selbst wenn man nur als Geldgeber
für diese Untersuchungen dazu beigetragen hat, mit sich, dass man auch Einsichten in die nicht veröffentlichen Daten bekommt. Ob
die dann dazu dienen können, sich doch Zugriff auf solch seltene Exemplare zu verschaffen, muss die Zukunft zeigen. Wie solche
Praktiken von den daran beteiligten hauptamtlichen Wissenschaftlern zu beurteilen sind, überlasse ich jedem selbst, aber die Skepsis
und ein fader Beigeschmack werden bleiben. Siehe auch Kommentar zu
Kuchling et al. 2007).
Literatur
Hall, R. J., E. J. Milner-Gulland & F. Courchamp (2008): Endangering the endangered: The effects of
perceived rarity on species exploitation. – Conservation Letters 1 (2): 75-81 oder
WiF-Archiv.
Kuchling, G., A. G. J. Rhodin, B. R. Ibarrondo & C. R. Trainor (2007): A new subspecies of the Snakeneck
Turtle Chelodina mccordi from Timor-Leste (East Timor) (Testudines:Chelidae). – Chelonian Conservation and Biology 6 (2): 213-222 oder
WiF-Archiv.
Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall, F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams
(2007): Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that
can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529-530 oder
WiF-Archiv.
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