Wissenschaft im Fokus
Willemsen, R. E. & A. Hailey (2003):
Sexual dimorphism of body size and shell shape in European tortoises. – Journal of Zoology 260:
353-365.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
in Körpergröße und Panzerform bei Europäischen
Landschildkröten
Die Körpergröße und Form wurde in 1.400 Individuen der Schildkröten,
Testudo graeca,
T. hermanni und
T. marginata in Griechenland
untersucht. Die Körpergröße zum Zeitpunkt der Geschlechtsreife war für
geschlechtsreife Weibchen bei allen Arten größer gegenüber der von gerade
geschlechtsreifen Männchen. Das Maximum und die durchschnittliche Größe
adulter Tiere war auch bei Weibchen von
T. graeca und
T. hermanni
größer. Bei
T. marginata erreichten die Männchen eine
größere Körperendgröße als Weibchen, wobei die mittlere,
durchschnittlich erreichte Körpergröße für beide Geschlechter gleich
war. Ein Sexualdimorphismus in der Form konnte für die meisten untersuchten
Charakteristika festgestellt werden und der Grad dieses Dimorphismus war signifikant
verschieden zwischen den drei Spezies. Unterschiede bestanden bezüglich des
Balzverhaltens: horizontale Kopfbewegungen und heftiges Beißen bei
T. marginata,
vertikales Kopfnicken und Carapaxrammen bei
T. graeca und Aufsteigen und
Unterschieben des Schwanzes bei
T. hermanni. Es ergaben sich keine Unterschiede
in Bezug auf die Häufigkeit des zu beobachtenden Balzverhaltens und die Kämpfe
der Männchen untereinander. Alle Arten zeigten höchste Balzaktivität im
Herbst, wobei wirkliche Kopulationen nur selten beobachtet werden konnten, für
T. hermanni (nur bei 0,36 % der balzenden Männchen). Bei den anderen Arten
wurden gar keine Kopulationen während der Beobachtungszeiten im Freiland gesehen.
Beobachtungen zu allen saisonalen Aktivitätsphasen ergaben, dass die Nahrungsaufnahme
für beide Geschlechter aller drei Arten gleich war. Die Unterschiede in der Form der
Geschlechter sind wahrscheinlich eher das Ergebnis einer sexuellen Auslese
(Partnerpräferenz) als das Ergebnis einer natürlichen, umweltbedingten Selektion.
Weitere detaillierte Angaben zum Geschlechtsdimorphismus in Bezug auf weitere Charakteristika
dieser Arten werden beschrieben.
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